Mord, Totschlag und Verbrechen an der «Criminale» in Bern

An der «Criminale», dem grössten Krimi-Festival Europas, nehmen über 200 Krimi-AutorInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Erstmals findet dieses Klassentreffen der Krimi-Welt in der Schweiz statt - im Raum Bern. Und das ist kein Zufall.

Hut liegt neben einem Revolver mit Munition. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hut, Pistole und Verbrechen: An der «Criminale» in Bern treffen sich Krimi-Fans, Autoren und professionelle Ermittler. SXC

Friedrich Glauser liess seinen Wachtmeister Studer im Bernbiet ermitteln. Und auch Friedrich Dürrenmatts Kommissar Bärlach ist ein Berner. Die Lauben in der Stadt Bern, das Emmental mit seinen Tälern und Gräben scheinen wie geschaffen als Schauplatz für literarische Verbrechen. Das findet jedenfalls Christine Brand, Mit-Organisatorin des Krimi-Festivals «Criminale». Die geografischen Vorzüge sind aber nicht der Grund, warum das Jahrestreffen der deutschsprachigen Krimi-Branche erstmals in der Schweiz stattfindet. Verantwortlich ist Friedrich Glauser, der mit seinem «Wachtmeister Studer» eine der ersten Detektivgestalten des deutschprachigen Raumes schuf. Er starb vor 75 Jahren.

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Die Criminale

Die «Criminale» ist das Jahrestreffen der deutschsprachigen
Krimi-Branche. Rund 250 der mittlerweile fast 800 Mitglieder des «SYNDIKATS», der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur, nehmen jährlich an dem Festival teil, um sich untereinander auszutauschen und dem Publikum einen Querschnitt des deutschsprachigen Kriminalromans zu bieten.

Nicht nur grosse Namen

Über 200 Autorinnen und Autoren treten an der «Criminale» auf. Eröffnet wird der Reigen am nächsten Mittwoch im Landhaus Solothurn mit einer Glauser-Soirée. Der erste Schweizer «Tatort»-Kommissar Laszlo Kish liest mit musikalischer Begleitung aus Briefen des «Vaters des deutschsprachigen Kriminalromans». Höhepunkt ist traditionell der «Tango Criminale» am Samstag, auf dem die renommierten Glauser-Preise verliehen werden. Von den 20 Nominierten stammt allerdings nur Andrea Weibel aus der Schweiz.

Erwartet werden neben der kompletten Schweizer Krimimannschaft Grössen des deutschen Genres wie Jürgen Alberts, Jürgen Ehlers und Ingrid Noll. Aber «Name-dropping» sei nicht das Ziel der Criminale, sagt Christine Brand. «Es geht darum, mal einen Autor aus Berlin, der nur über Berlin Krimis schreibt, kennen zu lernen. Wir haben lieber eine kleine, aber feine Auswahl, und stellen viele nur lokal bekannte Autoren vor.»

Schiesstraining und Forensik-Unterricht

Das Treffen ist jedoch nicht nur eine Präsentation des momentanen Krimi-Schaffens. Mindestens so wichtig wie die Autorenlesungen sei für alle der gesellschaftliche Aspekt, so Christine Brand. «Die Krimiautoren trinken auch gerne mal nach den Lesungen. In unserem Stammhotel mussten wir die Bar umbauen lassen, da sie sonst zu klein gewesen wäre. Dort werden anschliessend Morde diskutiert oder wie man Leichen beseitigt.» Was für Aussenstehende etwas abstrus tönen mag, ist für Krimi-Fans und -Schreiber hochspannend.

Neben den Lesungen reicht die Palette über Filme, Theater, Ausstellungen, Dinnerkrimi auf dem Schiff, Stadtspaziergängen auf den Spuren von Verbrechen, Krimis zum selber lösen bis zu Schnuppertagen in echten Polizeiposten. Ausserdem ist die «Criminale» mit ihrem Angebot nicht nur eine Veranstaltung für Krimi-Fans, sondern eben auch ein Autorentreffen. Und für die gibt es vor Ort Weiterbildungen – zum Beispiel ein Schiesstraining bei der Polizei oder eine Einführung in die «Virtopsy», eine neue Obduktionsmethode, bei der Tote untersucht werden können, ohne sie zu öffnen.