Laut, grell und am Puls der Zeit

Der neue Roman von Tom Wolfe «Back to Blood» ist eine bitterböse Gesellschaftssatire: Laut, mit viel «Bling Bling» und Sex. Die Sprache ist so laut und aufdringlich wie die Stadt Miami, in der der Roman angesiedelt ist. Ein Buch mit mit viel Ironie - die Zwischentöne aber fehlen.

Porträt von Tom Wolfe in weissem Jackett und schwarzem Hut. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit Witz und journalistischem Blick: Autor Tom Wolfe. Keystone

Mit «Black to Blood» legt Tom Wolfe einen bissigen Gesellschaftsroman vor. So wie schon mit «Fegefeuer der Eitelkeiten», mit dem er in den 80er Jahren bekannt geworden ist. Nur spielt der Roman diesmal nicht in New York, sondern in Miami.

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Buchhinweis

Tom Wolfe: «Back to Blood». Blessing Verlag, 2012.

Und wie man es von Tom Wolfe gewohnt ist, greift er auch in «Back to Blood» ein Thema auf, das brandaktuell ist. Diesmal richtet er sein Augenmerk auf die Immigration und die Einwanderungspolitik der USA. Ein Thema, dass auch Barack Obama beschäftigt, der gerade bekannt gegeben hat, dass er das Einwanderungsgesetz reformieren will. Tom Wolfe liegt mit seinem Thema also genau richtig.

Kulturen, die sich gegenseitig hassen

Art Deco Häuser von Miami werden durch durch die Abendsonne beschienen, dahinter türmen sich dunkle Wolken auf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Miami, für Wolfe eine Stadt der Laster und Probleme. Keystone

Miami ist für dafür der richtige Schauplatz. Es ist der Ort, wo täglich Flüchtlinge landen, vor allem Kubaner aber auch Menschen aus Haiti, Südamerika und Asien. Eigentlich könnte Miami ein «Melting Pot» sein, wo die verschiedenen Kulturen friedlich zusammenleben.

Das tun sie aber nicht. Und da hält Tom Wolfe den Finger drauf: Er beschreibt, wie jede Community sich abkapselt, jeder jeden aus der anderen Kultur hasst. Darum auch der Titel «Back to Blood», also zurück zum Blut, zur eigenen Herkunft.

Gnadenloser Blick auf die Gesellschaft

Wolfe erzählt die Geschichte des jungen kubanischen Polizisten Nestor und seiner Geliebten Magdalena. Er zeigt anhand seiner Hauptfiguren, wie schwierig es ist, seine Herkunft hinter sich zu lassen. Ein Beispiel: Zu Beginn des Romans will sich Nestor bei seinen weissen Vorgesetzten beweisen. Er holt unter Lebensgefahr einen kubanischen Flüchtling vom Mast eines Luxusschiffes und rettet ihm das Leben.

Gleichzeitig verhindert er dadurch aber auch, dass dieser amerikanischen Boden betreten kann. Er ist also vergebens aus Kuba geflohen. Nestor wird durch diese Rettung bei den Weissen zum Helden, bei seinen kubanischen Leuten aber zum Verräter. Seine eigenen Eltern verstossen ihn.

Der Roman ist eine Ansammlung von solchen Episoden. Tom Wulf surft mit Nestor und Magdalena durch die verschiedenen Gesellschaftsschichten und Kulturen Miamis und konfrontiert sie mit allem, was die Stadt an Lastern und Problemen zu bieten hat. Er tut dies mit seinem journalistischen Blick, beobachtet, wertet aber nicht.

Rhythmische und lautmalerische Sprache

Sprachlich passt sich Wolfe dem Sound der Stadt an. Die Sprache ist so laut und aufdringlich wie Miami. Vieles ist in Grossbuchstaben gesetzt, fett gedruckt und mit Ausrufezeichen versehen. Stellenweise ist der Text so lautmalerisch, dass es richtig rappt. Zum Beispiel, wenn es in einer Striptease-Szene heisst:

« Sie lächelte anzüglich, während sie sich BEAT klong Stoss klong Vögel klong Schieb klong Pump klong und sonst wie um die Stange schwang. »

Laut und grell sind auch die meisten Figuren. Die Russen sind brutal, reich und kriminell, die Schwarzen dealen mit Drogen, der reiche weisse Kunstliebhaber ist pornosüchtig. Die jungen Latinas leicht bekleidet und sexy. Miami eben, sagt uns Tom Wolfe.

Viel Witz, aber wenig Zwischentöne

«Back to Blood» ist süffig geschrieben, hat viel Tempo, Witz und Ironie. Der Roman ist unterhaltsam und liest sich in einem Zug. Es gibt viel zu lachen, vor allem, wenn Tom Wolfe die Kunstschickeria an der Art Basel Miami süffisant in die Pfanne haut.

Doch das reicht nicht. Dem Roman fehlen die Zwischentöne. Das was zum Nachdenken anregen könnte, gerade bei den Themen Immigration und Rassismus, da liefert Tom Wolfe zu wenig. Da kratzt er nur an der Fassade. Auch die Figuren überzeugen nicht ganz. Sie sind überzeichnet und klischiert. Es sind Typen – ein differenziertes Innenleben haben sie kaum.

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«Back to Blood» von Tom Wolfe

25 min, aus Literaturclub vom 29.1.2013