Zum Inhalt springen
Inhalt

Lesen mit Mike Müller «Die Erinnerung ist ein Soucheib»

Er sei ein grosser USA-Fan und nehme sich immer Zeit, um zu lesen, erklärt der Schauspieler und Theaterautor Mike Müller. Nur kann er sich nicht an alles erinnern, das er gelesen hat.

Porträt Mike Müller
Legende: Mike Müller schwärmt für den Buchpreis-Gewinner: «Ich bin froh, dass Jonas Lüscher seine Diss abgebrochen hat.» Maurice Haas

SRF: Welches Buch haben Sie als erstes gelesen?

Mike Müller: Schwierige Frage. Die Erinnerung ist ja bekanntlich ein «Soucheib», man lässt sich leicht täuschen. Das erste, an das mich spontan erinnere, obwohl ich natürlich schon vorher gelesen habe, ist «Mike Mars».

Legende: Video Geboren am 25. Oktober 1963 – Mike Müller abspielen. Laufzeit 43:48 Minuten.
Aus Geboren am vom 05.07.2017.

Das waren US-amerikanische Kampfpiloten, die hinter dem Mond durchfliegen konnten, aber keiner durfte davon wissen. Danach kam «Jan und die Detektive». Und zwar alle 42 Bände.

Die spielen doch in Kopenhagen, Jan ist der Sohn des Hauptkommissars?

Ja. Die hatten ein unglaubliches Suchtpotenzial. Danach kamen ganz viele Bücher von Herbert Reinecker, dem Autor von «Derrick»: «Die 50 Jungs vom Abendblatt», «Der gelbe Handschuh» und so weiter. Mein Vater war damals etwas besorgt und legte mir dann «The Catcher in The Rye» von J. D. Salinger hin, auf Deutsch natürlich. Ich musste es nicht diskutieren, sondern einfach lesen. , Link öffnet in einem neuen Fenster

Dann kamen Dürrenmatt und Frisch. Das erste Theaterstück, das ich las, war vermutlich «Die Physiker», absurd, lustig, apokalyptisch. Danach haben mir Schule und zu viele Inszenierungen den Dürrenmatt etwas ausgetrieben. Eigentlich geht das ja nur so, wie das Herbert Fritsch zurzeit am Schauspielhaus Zürich macht: völlig überdreht.

Und Frisch?

Frisch war für mich internationaler, polyglotter. Und da ich ja ein grosser USA-Fan bin, hat er mich quasi dorthin gebracht. Ich mag es, wenn man weg kann mit einem Buch.

Mit Richard Prices Manhattan-Romanen kann man eintauchen, sich für ein paar Stunden an einem Ort niederlassen, ohne dass man ins Flugzeug steigen muss. Das geht auch bei Ayelet Gundar-Goshen, deren Buch «Lügnerin» wir im Literaturclub besprechen.

Legende: Video Literaturclub Plus: Die Kritikerrunde empfiehlt abspielen. Laufzeit 06:59 Minuten.
Aus Kultur vom 14.11.2017.

Und was haben Sie in letzter Zeit gelesen, das Sie gepackt hat?

Ich nehme jetzt extra keine Belletristik, da ich mich sehr für Politik und Geschichte interessiere. Philipp Blom halte ich für einen der spannendsten modernen Denker. Sein Buch «Der taumelnde Kontinent. Europa 1900 – 1914» sollte man lesen.

Aber Bücher von Schweizer Autoren lesen Sie auch?

Selbstverständlich. «Kraft» von Jonas Lüscher fand ich wahnsinnig gut. Diese Idee, einen Vertreter des CDU-Liberalismus aus dem alten Europa auf die Techies des Silicon Valley prallen zu lassen, ist bestechend. Man braucht bloss etwas wie Twitter oder Dropbox zu erfinden, und schon besitzt man Flugzeuge und Jachten. Doch die Idee zu einer Geschichte zu haben, reicht nicht. Man muss sie dann auch umsetzen.

Und Lüscher kann einfach wahnsinnig gut schreiben. Er wollte ja erst eine Dissertation zu dem Thema machen. Ich als Leser bin aber froh, dass er die Diss abbrach und einen Roman daraus schuf.

Das Gespräch führte Christian Walther.

Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Es wurden noch keine Kommentare erfasst. Schreiben Sie den ersten Kommentar.