Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Comic: Liv Strömquist «I'm Every Woman» abspielen. Laufzeit 03:44 Minuten.
Aus Kultur-Aktualität vom 27.03.2019.
Inhalt

Liv Strömquists neuer Comic Die unsäglichsten Lover der Weltgeschichte

Der Comic «I'm Every Woman» rechnet mit männlichen Genies von Marx bis Einstein ab. Und stellt ihre starken Frauen vor.

Albert Einstein kennt bis heute jedes Kind, seine erste Frau, die Mathematikerin Mileva Maric, hingegen fast niemand. Dabei haben Albert und Mileva 1905 erste Artikel gemeinsam verfasst. Karriere machte Einstein mit den gemeinsamen Ideen dann lieber alleine. Maric zog dafür das gemeinsame Kind auf.

Eine Frau mit schwarzem Rollkragenpullover sitzt und lächelt in die Kamera.
Legende: Mit feministischem Blick bildet die Schwedische Liv Strömquist in ihren Comics Kulturgeschichte ab. Livia Rostovanyi

«I'm Every Woman» ist eine solid recherchierte Kulturgeschichte von Genies und ihren Schattenfrauen, vorgetragen mit feministischer Leidenschaft und ätzendem Sarkasmus.

Muse, Kuscheltier oder Pflegerin

Neben Einstein ordnet Liv Strömquist auch Karl Marx in die Top 7 der «unsäglichsten Lover der Weltgeschichte» ein. Er liess seine Texte von seiner Gattin Jenny redigieren, während er das Dienstmädchen Lenchen schwängerte.

Buchhinweis

Liv Strömquist: «I'm Every Woman», Avant-Verlag, 2019.

Und auch mit John Lennon, Stalin oder Elvis rechnet die schwedische Comicautorin ab. Egal wie begabt deren Frauen waren, sie wurden zu Musen, Kuscheltieren oder zu Pflegerinnen sensibler Mega-Egos degradiert. Aus dem Schatten ihrer Göttergatten treten oder gar ihr eigenes Leben leben, gab es nicht.

«I'm Every Woman» ist eine Sammlung von Comic-Essays, benannt nach einem Hit von Chaka Khan aus Strömquists Geburtsjahr 1978. Die amerikanische Soulsängerin zelebriert mit dem Song die willige Unterwerfung der Frau unter die Bedürfnisse des Mannes.

Mehr als #MeToo-Kritik

Die Zeichnungen sind allerdings mehr als eine launige Ausweitung der #MeToo-Debatte auf historische Promi-Paare. Strömquist geht auf die gesellschaftlichen Umstände ein, die die Unterwerfung der Frau unter diesen Geniekult überhaupt erst ermöglichten.

Comiczeichnungen: eine Frau mit Besen in der Mitte, zwei Betten rechts und links. In einem liegt Karl Marx im anderen seine Frau.
Legende: Strömquist zeichnet in ihren Comic-Essays die verborgenen Geschichten der Genie-Gattinnen, wie hier von Jenny Marx. Liv Strömquist: «I'm Every Woman», Avant Verlag 2019

Bereits mit «Der Ursprung der Welt», ihrer feministischen Kulturgeschichte der Vulva, landete Strömquist einen internationalen Longseller. Darin arbeitete sie den Umgang mit dem weiblichen Geschlechtsorgan von der matriarchalischen Vorgeschichte bis in die Gegenwart auf. Und sie zeigte auf, wie die weibliche Sexualität immer wieder durch machtbewusste Männer pathologisiert und für minderwertig erklärt wurde.

Das neue Buch ist fragmentierter. Statt sich ganz auf ihr Thema zu konzentrieren, streift Strömquist auch Nebenschauplätze wie die übertriebene Feminisierung von Comic-Figuren und die familienpolitisch rechtskonservativen Tendenzen von Kinder. Diese kurzen Einsprengsel sind an sich witzig, führen aber zu weit von ihrer Diskussion des männlichen Geniekults weg.

Eine sarkastische Entertainerin

Die Qualität von «I'm Every Woman» liegt in Strömquists Haltung und Vortragsweise: Auch als Comic-Essayistin ist sie eine Entertainerin. Sie ist keine diskrete Historikerin, sondern eine zeichnende Stand-Up-Comedian. Wütend, emotional und sarkastisch spricht sie ihre Leserinnen und Leser direkt an und ist selber immer wieder aufrichtig empört über die Fakten, die sie ans Tageslicht zerrt.

Comic: Menschenpyramide. An unterster Stelle befinden sich die arbeitenden Frauen.
Legende: In ihren Zeichnungen bringt Strömquist auch immer wieder ihre eigene Verwunderung über die Lage der Frauen zum Ausdruck. Liv Strömquist, «I'm Every Woman», Avant-Verlag, 2019

So ist auch der Zeichenstil: Strömquist zeichnet wie eine Punk-Rockerin musiziert. Ihr Strich ist einfach, krude und direkt. Immer wieder unterbricht sie den Bildfluss mit fetten Textpanel, Ausrufe- oder Fragezeichen und Fussnoten.

Witzig, wütend und informativ: «I'm Every Woman» ist eine aufklärerische Streitschrift mit hohem Unterhaltungswert.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von pedro neumann  (al pedro)
    Dieses ewige mediale Gejammer der Emanzipation über die ach so grausame Ungerechtigkeit gegenüber den Frauen ist allmählich nichts als jämmerlich. Ich habe viele Kolleginnen und Kollegen und alle sind clever genug, ihre Vorteile des Geschlechts auszuspielen und erfolgreich zu sein. Durch Jammern ist noch nie jemand erfolgreich geworden...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Manuel Hauri  (manu)
      Als Männer tun wir gut daran, unsere Klappe hier nicht zu weit aufzureissen. Wir haben es schon genug getan. Es tut gut mal eine andere Sicht auf unsere Erzählweise der Geschichte zu erhalten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von pedro neumann  (al pedro)
      Herr Hauri. Mir scheint es eigentlich klar, wer hier medial die Klappe weit aufreisst...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      Wo jammert hier jemand?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Katja Richner  (Petra Beer)
    Ein Jammer-Comix aus der Schmiede des Empörungs- und Opferfeminismus. :-)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
    Cool gezeichneter Comic! Interessante Geschichten! Aber stimmen sie auch? War z.B. Mileva Maric das eigentliche Genie und Einstein ein Plagiator? Stützt sich Liv Strömquist auf Fiktion oder Wahrheit (Wahrheit=Werke von Wissenschaftshistorikerinnen).
    Falls solche Einwände stimmen sollten, müssten die Geschichtsbücher umgeschrieben werden- und zwar sofort!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Peter Isler  (SchweizerQualität)
      Warum immer die Extreme? Angenommen 50% von "Einsteins" Anfangswerken sind von Maric - das macht doch Einstein nicht zum "Plagiator" oder "Nicht-Genie". Es bedeutet, dass hier jemand zu viel und jemand anderes überhaupt nichts bekommen hat, für gleiche Leistung. Und das geht nicht, egal wer schuld war bzw. ist.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
      Angenommen 50% von "Einsteins" Anfangswerken sind von Maric...
      Ja eben "angenommen". Es gibt doch sicher wissenschaftshistorische Untersuchungen, die solche "Annahmen" verifizieren oder falsifizieren oder die Annahme auch offen lassen müssen.
      Es geht nicht -wie sie eigenartigerweise posten- um extrem oder nicht extrem, um Schuld oder Unschuld, sondern um Wahrheit und Dichtung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      @ Sanddorn es gibt die Briefwechsel zwischen den beiden, wo sie sich über die Theorien austauschen und zum Teil sind die Notizen zu Vorlesungen, die Einstein gehalten hat von Frau Maric. Ist aber alles nicht publiziert und damit verifizierbar für Normalsterbliche. Bleiben die Aussagen der Biographen. Verifizierbar ist, dass sie als einzige Frau ihres Jahrgangs mit Einstein an der ETH studiert hat, also durchaus in der Lage war in wissenschaftlicher Hinsicht mit ihm mit zu halten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen