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Was hat die Trump-Lobeshymne von Michel Houellebecq zu bedeuten?
Aus Kultur-Aktualität vom 19.12.2018.
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Michel Houellebecq «Mehr Überzeugungstäter, als viele wahrhaben wollen»

«Er ist ein guter Präsident», schreibt der französische Autor Michel Houellebecq in einem US-Magazin, Link öffnet in einem neuen Fenster über Donald Trump. Provokation aus Langeweile oder politische Überzeugung? Julian Schütt über einen notorischen Zündler.

Julian Schütt

Julian Schütt

SRF-Literaturredaktor

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Julian Schütt ist SRF-Literaturredaktor. Er ist vor allem mit seiner Biografie über Max Frisch bekannt geworden. Schütt war Kulturchef der «Weltwoche» und stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift «Du».

SRF: Ein Loblied auf Trump – ist das nicht einfach Provokation und Publicity für Houellebecqs neuen Roman?

Julian Schütt: Das hat Houellebecq nicht nötig. Dafür wird er weltweit zu sehr gefeiert.

Provokationen sind doch Teil seiner künstlerischen Strategie.

Im «Harper's Magazine»-Text , Link öffnet in einem neuen Fensterkommt nicht nur die Lust am Zündeln zum Ausdruck. Houellebecq ist mehr Überzeugungstäter, als viele seiner Anhänger wahrhaben wollen.

Welche Überzeugungen kommen da zum Ausdruck?

Trump ist ihm willkommen, weil er sich protektionistisch und nationalistisch verhält. Damit setzt er Houellebecqs intellektuelle Haltung politisch um.

Zudem drückt Houellebecq seine Zufriedenheit darüber aus, dass die USA nicht mehr die einzige dominierende Weltmacht sind, die aus Eigeninteressen Kriege führen.

Im Grunde führt Houellebecq im Artikel, Link öffnet in einem neuen Fenster aber seinerseits einen Krieg. Einen intellektuellen Stellvertreterkrieg gegen Europa, gegen die EU, gegen Internationalisten aller Art.

Was heisst das konkret?

Houellebecq spricht etwa voller Verachtung von der europäischen Wertegemeinschaft. «Welche Werte denn?», fragt er hämisch. «Etwa Menschenrechte?» Europa sei nur eine dumme Idee. Die Briten hätten das eingesehen.

Und wenn er die Schweiz im selben Text zur einzigen Demokratie der Welt erklärt, sollten wir auf dieses Lob nicht zu stolz sein. Dahinter verbirgt sich in erster Linie ein Anti-EU-Statement und ein Statement gegen den realen politischen Alltag in den USA.

Houellebecq arbeitet mit den literarischen Mitteln der Ironie.

Das sind verstaubte anti-europäische Argumente. Warum löst Houellebecq trotzdem so hitzige Reaktionen aus?

Da schwingt die alte Sehnsucht nach intellektuellen Leadergestalten mit. Eine Sehnsucht nach Propheten, die uns profanen Kleingeistern aus vermeintlich höherer Warte den Weg weisen.

Die Kultur hat seit je einen fatalen Hang zu Führer- und Erlösergestalten. Da kommt ein Houellebecq mit seinem Geraune gerade recht. Er stellt sich klar gegen linke-aufklärerische Positionen.

Video
Michel Houellebecq – Vermessenheit als Weltanschauung
Aus Sternstunde Philosophie vom 01.05.2011.
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Mit seinem Loblied auf Trump positioniert er sich klar rechts.

Houellebecq sieht sich selber weder links noch rechts, sondern über diesen parteipolitischen Niederungen. Er lobt zwar Trumps protektionistische Handelspolitik, nennt ihn aber auch einen «entsetzlichen Clown».

Trump ist gut, solange er Houellebecqs Ideologie bestätigt. Da zeigt sich mir eine kulturelle Arroganz und Politverachtung, die schon viele Geistesgrössen ausgezeichnet hat, besonders in Europa.

Etwa einen Oswald Spengler oder einen Martin Heidegger, der sich sogar den Nationalsozialisten begeistert anschloss, solange er glaubte, sie würden seine Philosophie in politische Taten umsetzen.

Ein gewagter Vergleich.

Houellebecq ist nicht mit jeder Faser ein Heidegger, also ein Nazi. Aber er schreibt in seinen Pamphleten zum Teil diesen nationalistischen, steilen Geistesaristokratismus fort, der bei Heidegger dann zur Parteinahme für die Nazis und damit zur totalen intellektuellen Katastrophe geführt hatte.

Was Houellebecq allerdings von einem Heidegger unterscheidet: Er ist kein Parteigänger, und er arbeitet noch immer mit den literarischen Mitteln der Ironie.

Was er sagt und was er selber denkt, ist nicht deckungsgleich. Er ist ein Gaukler, der sagt, er provoziere vor allem dann, wenn er sich langweile.

Das Gespräch führte Oliver Meier.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jos Schmid  (Jos Schmid)
    Der Mann ist eigentlich schon zu Beginn an seiner Eitelkeit gescheitert. Er leidet darunter nicht aristokratisch geboren zu sein und leider sieht er auch nicht gut aus. Er verachtet Frauen und leidet an einem Aufmerksamkeitsdefizit. Er schreibt für eine Leserschaft die ihre Langeweile mit Luxus kompensiert. Vielleicht auch um ein Model kennenzulernen. Kulturkritik scheint eine Disziplin zu sein in der man talentfrei eine gewisse Bekanntheit erlangen kann.
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  • Kommentar von Oli Muggli  (Oli g)
    Tja wunschdenken und Realität liegen in Europa schon etwas weit auseinander,das ganze ausblenden,schönreden,in die sogenannte reckte Ecke stellen und schon scheint die Sonne wieder...
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  • Kommentar von Hanspeter Zaugg  (rägetag)
    Wer gefeirt wird ob gut oder weniger gut ist mir grunsätzlich suspekt
    Wir reden hier nicht von dem sogenannten einfachen Volk sondern von der elitären Masse der Künstlerinnen und Künstler, wobei zu sagen ist das selbstredend nicht alle Elitär oder dergleichen sind Ueber einen amerikanischen Abzocker der Dummerweisse Präsident eines grossen Landes ist worte zu verlieren ist schlicht unötig. Die Zeit wird es richten.
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