Mit Büchern Berge besteigen: 5 Lese-Tipps

Bergtouren als Mittel zur Selbsterkundung, hohe Gipfel als Schauplatz von Naturgewalten: Mit diesen Büchern reisen Sie quer durch alpine Geschichten. Wem das noch nicht reicht, für den gibt es den Dokumentarfilm «Berge im Kopf».

Video ««Berge im Kopf»» abspielen

«Berge im Kopf»

94 min, aus CH:Filmszene vom 30.7.2014

    • a Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Bergfahrt a

      Ludwig Hohl: «Bergfahrt»

      Ludwig Hohl machte schon früh teils extrem schwierige Bergtouren. Für den Pfarrerssohn aus Netstal waren sie eine Möglichkeit, der Enge von Schule und Elternhaus zu entkommen. Sie waren aber auch ein Mittel der Selbsterkundung. Und so investierte Hohl, der radikale Notizenschreiber, der nichts von klassischer Prosa hielt, Jahrzehnte in die Parabel von den zwei Bergsteigern, die ganz unterschiedlich mit den Herausforderungen einer im Wortsinn mörderisch Tour umgehen. Ein Klassiker der Bergliteratur. (Ludwig Hohl: «Bergfahrt». Suhrkamp, 1975)

    • a Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Augstburger a

      Urs Augstburger: «Schattwand», «Graatzug» und «Wässerwasser»

      Die Walliser Alpen als Naturgewalt und Schauplatz von Schreckensvisionen und mörderischen Begebenheiten. Das ist Urs Augstburgers Bergtrilogie: «Schattwand», «Graatzug» und «Wässerwasser». Darin besinnen sich drei Generationen einer Bergfamilie auf altes Wissen, um den Anforderungen der Gegenwart und den rasanten Veränderungen der Umwelt gewachsen zu sein. Insbesondere der erste Teil der Trilogie, «Schattwand», überzeugt durch seine formalen und erzählerischen Stärken. Ein rasantes Drama, das einem das Fürchten vor dem Berg und vor den Menschen lehrt, wo Natur wirklich noch Natur ist, da, wo kein Handy hineinzureichen vermag. (Urs Augstburger: «Schattwand», «Graatzug», «Wässerwasser». dtv, 2001-2009)

    • a Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: An heiligen Wassern. a

      Jakob Christoph Heer: «An heiligen Wassern»

      Der Roman spielt Ende des 19. Jahrhunderts im Walliser Bergdorf St. Peter. Die Lebensader bilden kilometerlange Kännel, die Wasser von weit entfernten Gletschern in die Gemeinde leiten. Felsstürze zerstören das lebenswichtige Leitungssystems immer wieder. Schliesslich sprengt der mit der modernen Technik vertraute Josi Blatter gegen den Widerstand der rückständigen Dorfbevölkerung eine unzerstörbare Leitung durch den Fels. «An heiligen Wassern» ist nicht nur ein spannender Heimatroman. Er ist auch ein literarisches Zeugnis des Fortschrittsglaubens zur Zeit der Jahrhundertwende: Dank der Segnungen der modernen Technik vermag sich der Mensch von den Launen der wilden Natur zu befreien. (Jakob Christoph Heer: «An heiligen Wassern». Cotta, 1897)

    • a Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Sisyphos a

      Albert Camus: «Der Mythos von Sisyphos»

      In diesem wegweisenden Essay dient die antike Figur Sisyphos dem französischen Existenzialisten Albert Camus zur Illustration der Erfahrung des Absurden, dem Ausgangspunkt seines Denkens: Sisyphos ist dazu verurteilt, auf ewig einen Felsblock auf einen Berg hinauf zu wälzen. Der Stein rollt jedoch immer wieder ins Tal. Dergestalt sei die Situation des Menschen: Hoffnung und Wirklichkeit klafften auseinander. Verzweiflung sei jedoch nicht angebracht. Der Mensch finde seinen Sinn in der unentwegten Revolte gegen das Absurde – konkret etwa im Protest gegen Unmenschlichkeit und Entfremdung. In Sisyphos, der am Berg würdevoll seinen Stein schiebt, erkennt Camus einen glücklichen Menschen. (Albert Camus: «Der Mythos von Sisyphos». Rowohlt, 1942)

    • a Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Die grosse Angst in den Bergen a

      Charles F. Ramuz: «Die grosse Angst in den Bergen»

      Gegen den Widerstand der Alten beschliesst eine Walliser Gemeinde, die wertvolle Alp Sasseneire nach 20 Jahren wieder zu bestossen und auf die lächerlichen Geschichten von früher keine Rücksicht mehr zu nehmen. Aber höhere Mächte haben ihre eigenen Wege. Der Sommer auf der Alp verwandelt sich in eine Katastrophe für Mensch und Vieh. Nicht die Handlung fesselt in diesem Roman, sondern die dunkle Ahnung, die Andeutung des Grauens. Vor allem aber: die atemberaubenden Perspektivenwechsel. Wirkt ein junger Bauer dank seiner Rede in der Gemeindeversammlung bedeutend, scheint er zwischen den haushohen Steinbrocken auf der Alp oben plötzlich mickrig. Und in der endlosen Geröllhalde, aus der Vogelperspektive, ist er geringer als eine Ameise. Der Mensch bearbeitet den Berg. Aber der Berg ignoriert den Menschen. (Charles F. Ramuz: «Die grosse Angst in den Bergen». Hanser, 1925)