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«Oh, wie schön ist Panama» Janoschs Bücher sind Seelenpflaster für Millionen

Der deutsche Autor und Illustrator ist am 11. März 95 Jahre alt geworden. Viele seiner Figuren bevölkern die Kinderzimmer seit Jahren. Denn die Geschichten rund um Tigerente und Co. sind zeitlos – wie Janoschs Klassiker «Oh, wie schön ist Panama».

Eigentlich führen die Tigerente, der Tiger und der Bär ein glückliches Leben in ihrem gemütlichen Häuschen am Fluss. Aber eines Tages entdeckt der Bär beim Angeln eine Kiste, die mit «Panama» angeschrieben ist und so gut nach Bananen riecht. Sofort wird Panama zum Land der Träume für den kleinen Bären. Und so machen er und seine Freunde sich auf den Weg dorthin.

Sie gehen im Kreis, merken es nicht – und landen nach einer aufregenden Reise wieder dort, wo sie zuhause waren. Aber ihr Häuschen ist mittlerweile so verfallen, dass sie es nicht erkennen.

Sie richten es wieder gemütlich her: «Das kleine Haus bei den Sträuchern kam ihnen jetzt so schön vor wie kein Platz auf der Welt. «O Tiger», sagte jeden Tag der kleine Bär, «wie gut es ist, dass wir Panama gefunden haben, nicht wahr?»

Älterer Mann vor Wandbild mit Bär und gestreiftem Tier.
Legende: Hat eine kluge Antwort für fast jede Lebenslage: Der Illustrator und Geschichtenerzähler Janosch in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) vor seinem Bild «Der Tiger mit grüner Nase» (2005). KEYSTONE/DPA/ROLAND WEIHRAUCH

«Oh, wie schön ist Panama» ist eine liebevoll erzählte Geschichte, die allen Generationen grosses Identifikationspotenzial bietet: Sie erzählt von Fernweh und Abenteuern, von Freunden und Geborgenheit, Zusammenhalt und Zufriedenheit. Angereichert mit einer Prise Humor und viel Empathie für die kindlich gezeichneten Figuren, die man sofort ins Herz schliesst.

«Wie ein Rettungsring»

Diese heile Welt ist ein wesentlicher Faktor für die Zeitlosigkeit von Janoschs Geschichten. Man kann in sie eintauchen und sich darin verlieren. Eine Art Seelenpflaster. Nicht nur für die Leserschaft, sondern auch für den Autor selbst. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger sagt Janosch 2016: «Ich suchte immer alles das, weil es in meiner Familie nicht vorkam, wie einen Rettungsring.»

Janosch bezieht sich auf seine Kindheit. Am 11. März 1931 kommt er in einem oberschlesischen Bergarbeiterort im heutigen Polen zur Welt, wächst auf mit alkoholsüchtigen, gewalttätigen Eltern. Seine ersten Lebensjahre sind geprägt von Armut, Bosheit und Dummheit. «Meine Eltern interessierten keine Farben», erzählt er 2010 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Person betrachtet Ausstellung in Kunstgalerie.
Legende: «90 Jahre Janosch»: 2021 fand in der Tübinger Galerie Art 28 eine Jubiläumsausstellung statt. Sie präsentierte Unikate und Radierungen aus allen Schaffensperioden. Auf dem Foto: ein Selbstporträt (rechts) des Künstlers Horst Eckert alias Janosch und ein Foto von Janosch. KEYSTONE/DPA/Marijan Murat

Auch als junger Mann geht es vorerst trostlos für ihn weiter. Er scheitert an der Aufnahmeprüfung der Kunstakademie in München. Und plant einen Racheakt: Er will ein – nach eigenen Worten – kitschiges Buch machen. Das tut er. Nun wendet sich das Blatt: Mit «Oh, wie schön ist Panama» schafft er 1978 den Durchbruch. Seine Leserschaft findet es gar nicht kitschig, sondern grossartig. Seither haben die Tigerente, der Tiger, der Bär und viele andere Figuren in vielen Kinderzimmern auf der ganzen Welt eine Heimat gefunden.

Für Kinder – und Erwachsene

Janoschs Geschichten sind wohl auch bis heute so beliebt, weil sie nicht predigen, sondern zeigen, dass der Autor die kindliche Perspektive nicht verloren hat. Er ist ein Verbündeter seiner Leserschaft. Das gilt auch für diejenigen Bücher, die er für die Erwachsenen geschrieben hat. Er erzählt darin unter anderem von seinen traumatischen Kindheitserinnerungen. Aber, zum Beispiel im Roman «Polski Blues», auch vom Wert der Freundschaft und der Kunst, das Leben zu meistern.

Unvergessen sind auch Janoschs Kolumnen im Magazin der Wochenzeitung «Die Zeit»: Wondrak, ein Mann mit Schnurrbart und gelb-schwarzer Garderobe, gibt darin Antworten auf kleine und grosse Lebensfragen.

So wie Janosch selbst. In einem Interview mit Schweizer Radio SRF sagte er 2017: «Je weniger man braucht, umso glücklicher ist man.»

Radio SRF 1, Literaturclub Kinder- und Jugendbücher, 12.03.2026, 14:06 Uhr

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