Peter Kurzeck: Ein rastloser Erzähler verstummt

Der deutsche Schriftsteller Peter Kurzeck ist im Alter von 70 Jahren verstorben. Sein ambitionierter Romanzyklus «Das alte Jahrhundert», angelegt auf zwölf Bände, bleibt damit unvollendet.

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Bildlegende: Peter Kurzeck bei einer Lesung 2005. Ersatzwerk/Wikimedia

1997 begann der Schriftsteller Peter Kurzeck ein unfassbar anmutendes Romanprojekt: Der Zyklus «Das alte Jahrhundert» sollte in zwölf Bänden die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von den 1940er- bis in die 1980er-Jahre erzählen. Fünf Bände dieses autobiographischen Romanprojekts sind bisher erschienen, zuletzt veröffentlichte Kurzeck 2011 den Roman «Vorabend».

«Die ganze Gegend erzählen, die Zeit!»

Darin erzählt der 1943 in Tachau in Böhmen geborene Autor nicht in erster Linie von den grossen Ereignissen, sondern vom Alltäglichen, vom Unscheinbaren. «Die ganze Gegend erzählen, die Zeit!» lautet das Motto, das dem über 1000 Seiten umfassenden Buch vorangestellt ist. Mit diesem Anspruch, alles erzählen zu wollen, gehört Kurzeck «zum Besten und Eigenwilligsten, was heute in deutscher Sprache gedruckt wird», lobte SRF-Literaturredaktur Rainer Schaper beim Erscheinen das Buch.

Diesem umfassenden Willen zum Erzählen folgend, sammelte Kurzeck in seinen Büchern Stimmen. Stimmen, die in seiner Sprache einen Sog entwickeln, dem sich der Leser kaum entziehen kann. Sein ganzes literarisches Schaffen war rastlos. 1977 kam er nach Frankfurt, zwei Jahre später erschien sein erster Roman «Der Nussbaum gegenüber vom Laden, in dem du dein Brot kaufst». Es folgten fünf weitere Romane, bis Kurzeck 1997 den ersten Band von «Das alte Jahrhundert» publizierte. Daneben veröffentlichte er zahlreiche Hörspiele und Hörbücher.

Strom der Sprache

Die Sprache strömte geradezu aus Kurzeck: Mehrere Hörbücher sprach er frei ein, ohne Manuskript. Die CD «Unerwartet Marseille» etwa nahm er ohne festes Thema auf – ein einziger Erinnerungsstrom, den Kurzeck in nahezu druckreifer Sprache wiedergibt.

Weil seine mit der Schreibmaschine verfassten und von Hand korrigierten Romanmanuskripte die digitalen Texterfassungsprogramme an Grenzen brachten, diktierte er seine Bücher bisweilen öffentlich, damit freiwillige Helfer das Buch neu niederschreiben konnten.

Zum Tod von Peter Kurzeck

5:16 min, aus Kultur kompakt vom 26.11.2013

Für sein Schaffen wurde Kurzeck mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er unter anderem 1991 den Alfred-Döblin-Preis und 2011 den Grimmelshausen-Literaturpreis. Nun ist er am Montag im Alter von 70 Jahren an den Folgen mehrerer Schlaganfälle gestorben, wie Kurzecks Verleger Karl Dietrich Wolff mitteilte. Sein ambitioniertestes Projekt «Das alte Jahrhundert» bleibt somit unvollendet.