«Pilgrim» – verflucht zu ewigem Leben

Sebastian Baczkiewicz hat eine Geschichte erfunden: die des William Palmer. Der wird 1185 verflucht und zu ewigem Leben verdammt – und streift bis heute als Pilger umher. Baczkiewicz hat die Geschichte für die BBC mit grossem Erfolg als Hörspiel umgesetzt. Jetzt kommt sein «Pilgrim» in die Schweiz.

Nahaufnahme von Sebastian Baczkiewicz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sebastian Baczkiewicz, der Autor von «Pilgrim», ist in mehr als nur einer Welt zu Hause. Sebastian Baczkiewicz

Wenn man den Autoren von «Pilgrim», Sebastian Baczkiewicz, das erste Mal trifft, fallen seine Augen auf: blau-grau, rätselhaft riesig, staunend leuchtend. Baczkiewicz scheint jemand zu sein, der für sich etwas gefunden hat, das ihn begeistert. Und das leuchtet aus ihm heraus, irgendwo aus dem Inneren.

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Weiss man, woran er seit Jahren arbeitet, wundert einen das nicht mehr. Denn Sebastian Baczkiewicz schreibt Geschichten, keine alltäglichen, keine phantastischen, nein: Er schreibt sowohl als auch und das auch noch sensationell erfolgreich. «Pilgrim» läuft bei der BBC seit 2008. Fünf Staffeln wurden gesendet, Nummer sechs und sieben sind in Auftrag.

In «Pilgrim» ist Sebastian Baczkiewicz einer Idee nachgegangen. Er hat sich gefragt: «Was wäre, wenn all die Mythen und Legenden der Britischen Inseln erstens wahr wären und wenn sie zweitens heute spielten?» Dieses «was wäre wenn» war der Startschuss zur Serie. Und mit ihm wurde Sebastian Baczkiewicz der erste «Writer in Residence» der BBC – deren «Hausautor».

Schon seit 2000 schreibt Baczkiewicz regelmässig für die BBC. Insgesamt verfasste er mehr als 40 Stücke: Hörspiele, Theaterstücke, Bearbeitungen von «Les Miserables» oder «Der Graf von Monte Christo». Klassische Stoffe faszinieren ihn – die, in denen es noch andere Welten gibt als die materielle. Die finden sich auch in «Pilgrim».

Der Fluch vom ewigen Leben

«Pilgrim» ist die Geschichte von William Palmer, einem Mann auf ewiger Pilgerfahrt.

Im Jahr 1185 ist er noch ein Mensch wie jeder andere auch, und begeht dann einen schweren Fehler: Auf einer nächtlichen Wanderung, irgendwo auf einer Strasse in der Nähe von Canterbury, bestreitet er die Existenz jedweder phantastischen Welt.

Mit schweren Folgen: Palmers nächtlicher Begleiter, der grausame Feenkönig «King of Greyfolk», ist über dessen Ungläubigkeit wenig erfreut. Und verflucht ihn daraufhin, nachts auf der Landstrasse nahe Canterbury, zu Unsterblichkeit.

Und da «Pilgrim» heute spielt, im Hier und Jetzt, ist William Palmer schon eine ganze Weile unterwegs: «Nach dieser fast tausendjährigen, nie enden wollenden Pilgerschaft ist sein sehnlichster Wunsch zu sterben», sagt Baczkiewicz.

«Pilgrim ist zerrissen: Halb gehört er zu dieser phantastischen Welt und weiss doch, dass sein Mitgefühl für die Menschen seine grösste Kraft ist. Diese Menschen versucht er zu beschützen – vor der Unberechenbarkeit der Greyfolks. Vor der muss er selber immer auf der Hut sein. In deren Welt darf und will er sich nicht hineinziehen lassen», erklärt Baczkiewicz. Palmer ist ein Retter und Verräter, der nirgendwo dazugehört.

Eine Welt, von der wir nichts mehr wissen

Grundlage für die einzelnen Folgen von «Pilgrim» sind immer wieder Sagen, die es seit Jahrhunderten auf den britischen Inseln gibt: Zum Teil sind sie Allgemeingut, zum Teil Ausgrabungen.

Baczkiewicz sagt, jede Folge sei angelehnt an eine alte Legende und er gehe immer wieder derselben Frage nach: «Was wäre, wenn das alles im Hier und Jetzt geschehe?» Dabei stösst er auf lang Vergessenes: Zum Beispiel, dass der Weissdorn als heilige Pflanze galt.

Und so begibt es sich, dass im Hier und Jetzt ein Unwissender einen solchen Weissdorn in seinem Garten ausreisst. Ein junger Mann, der anschliessend spurlos verschwindet. Er wird von der Polizei gesucht und nicht gefunden. Bis eines Nachts jemand an einem Grabhügel vorbeigeht. Aus dem hört die Person Geräusche. Die klingen wie Musik, Gesang, seltsamer Gesang, von Wesen, die nicht nur menschlich sind. Auch dieser jemand verschwindet, wird von der Polizei gesucht …

Vielleicht ist hier die Erklärung zu finden für diese seltsam strahlenden Augen von Sebastian Baczkiewicz. Er beschreibt keine reale Welt, er schaut sich auch nicht in ihr um. Er schaut aus einer anderen Welt auf die unsrige zurück, aus einer Welt, von der wir – wenn überhaupt – nur noch eine leise Ahnung haben. Manchmal, wenn wir in Gärten stehen. Und an Büschen herumzerren …

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