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Literatur Roadtrip zur letzten Ruhestätte: Sterbehilfe im Bus der Beatles

In J. Paul Hendersons neuem Roman «Letzter Bus nach Coffeeville» rumpeln fünf Freunde durch die USA. Alle mit einem schweren Schicksal im Gepäck – und einer geballten Ladung Humor.

Ein Highway in der Wüste unter dramatischen Wolken.
Legende: Auf dem Weg nach Coffeeville erleben fünf Freunde, was wahre Freundschaft bedeutet. Flickr/Matthias

Die Geschichte beginnt mit Gene. Der pensionierte Arzt ist ein einsamer Mann: «Gene dachte darüber nach, dass er sein Leben damit verbracht hatte, anderen beizustehen, sich selbst jedoch nicht hatte helfen können, und er versuchte zu ergründen, wieso er die Einsamkeit mittlerweile der Gesellschaft anderer Menschen vorzog.»

Als junger Mann hat Gene Frau und Tochter bei einem Unfall verloren. Diesen Verlust hat er nie überwunden. Aber sein Leben ändert sich, als ihn seine alte Freundin Nancy kontaktiert. Sie ist an Alzheimer erkrankt. Weil sie sich in Würde von der Welt verabschieden will, bittet sie Gene, ihr beim Sterben zu helfen. Aber sie will nicht irgendwo sterben, sondern in Coffeeville, Mississippi. Diesen Ort verbindet Nancy mit schönen Kindheitserinnerungen. Dort liegen auch ihre Eltern begraben.

Die Strasse ist das Ziel

Gene soll Nancy also auf ihrer letzten Reise begleiten. Aber so einfach ist das nicht. Nancy lebt in einem Pflegeheim, und freiwillig lassen ihre Betreuer sie nicht gehen. Gene muss Nancy entführen. Und bittet seinen alten Freund Bob um Hilfe. Die Entführung gelingt. Von nun an sind die drei auf der Flucht.

Im Lauf der Reise stossen Jack, ein mittlerweile erwachsener Patensohn von Gene, und Eric, ein Waise auf der Suche nach seiner einzigen noch lebenden Verwandten, dazu. Ein alter Tourbus der Beatles wird für die fünf zum Zufluchtsort. Auf ihrer verrückten Reise von Hershey, Pennsylvania, nach Coffeeville, Mississippi, erleben sie einiges – vor allem erkennen sie, was wahre Freundschaft bedeutet. Jeder hat an seinem Schicksal schwer zu tragen – aber Humor und Freude am Leben kommen nie zu kurz.

Diskurs in der Enge

In seinem Roman «Letzter Bus nach Coffeeville» erzählt der Schriftsteller J. Paul Henderson, wie Freundschaft das Leben erst erträglich macht, und das Alter dabei keine Rolle spielt.

Das gelingt ihm umso eindrücklicher, weil die fünf Freunde in einem engen Tourbus unterwegs sind. Auf so engem Raum müssen sie sich miteinander auseinandersetzen, und ihre Beziehungen untereinander werden zum Teil auf eine harte Probe gestellt.

«Letzter Bus nach Coffeeville» erzählt deshalb gleich auf zwei Ebenen von einem aussergewöhnlichen Roadtrip: dem geografischen, den jeder USA-Fan sehnsüchtig mitverfolgt, und dem emotionalen, der fünf aussergewöhnliche Charaktere zu einer glücklichen Gemeinschaft zusammenschweissen lässt.

Zur Person

Ein lcähelnder älterer Herr mit grauen Haaren.
Legende: Daniel Jaems

Der promovierte Amerikanist J. Paul Henderson verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Vertriebschef für den New Yorker Sachbuchverlag Wiley-Blackwell. «Letzter Bus nach Coffeeville» ist sein erster Roman: Zum Schriftsteller wurde Henderson erst mit 67 – nach dem Tod seiner Mutter, die an Alzheimer litt.

Buchhinweis

J. Paul Henderson: «Letzter Bus nach Coffeeville», Diogenes, 2016.

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