Sherlock Holmes erhält eine Assistentin

Tagsüber ist Annelie Wendeberg Mikrobiologin. Nachts schreibt sie Krimis, die im viktorianischen London spielen. In ihrem Erstling «Teufelsgrinsen» lässt die Autorin eine als Mann verkleidete Ärztin nach Verbrechern jagen. Und zwar gemeinsam mit dem berühmtesten Detektiv der Welt: Sherlock Holmes.

Eine Frau untersucht ein Buch mit einer Lupe. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Krimi «Teufelsgrinsen» ermittelt die Ärztin Anna Kronberg gemeinsam mit Sherlock Holmes in einem Verbrechen. Keystone

Wie ihre Schöpferin Annelie Wendeberg kennt sich auch Romanheldin Anna Kronberg in der Welt der Mikroorganismen aus: Als Dr. Anton Kronberg zählt sie in England zu den führenden Epidemiologen. Die männliche Identität musste sie sich zulegen, da Ende des 19. Jahrhunderts keine Frauen zum Medizinstudium zugelassen werden.

Als man eines Tages im Wasserwerk von London ein Cholera-Opfer entdeckt, bittet man Anna Kronberg zu Hilfe. Sofort erkennt sie, dass dieser Mann gezielt mit der tödlichen Krankheit angesteckt worden ist. Und als kurze Zeit später eine zweite Leiche mit ähnlichen Symptomen auftaucht, bestätigt sich der Verdacht: Es muss Leute geben, die mit Cholera-Bakterien experimentieren. Aber mit welcher Absicht?

Zusatzinhalt überspringen

Buchhinweis

Annelie Wendeberg: «Teufelsgrinsen». Kiepenheuer & Witsch Verlag, 2014.

Auch eine emotionale Herausforderung

Auch Sherlock Holmes wird auf die dubiosen Machenschaften aufmerksam. Und so kreuzen sich seine Wege mit jenen von Anton Kronberg. Als findiger Detektiv durchschaut Holmes jedoch schon bald, dass hinter dem renommierten Arzt eine Frau steckt. Die beiden spannen zusammen, und Anna fordert ihn heraus: intellektuell, aber auch emotional. Denn es scheint, als ob die zwei allmählich mehr als nur das Interesse an einem brisanten Kriminalfall verbindet. Und der unnahbare Kopfmensch Sherlock Holmes zeigt plötzlich ganz weiche Seiten.

Der Frauenblick auf Sherlock Holmes

«Teufelsgrinsen» ist der erste Teil einer auf mehrere Bände angelegten Krimi-Reihe. Geschrieben hat ihn Annelie Wendeberg zuerst auf Englisch. Publiziert wurde er nur im Netz. Erst anschliessend ist ein deutscher Verlag auf sie aufmerksam geworden.

Auf dem Bild ist die Autorin Annelie Wendeberg zu sehen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Autorin Wendeberg: «Plötzlich geisterte Sherlock Holmes durch meine Geschichte, ich konnte ihn nicht mehr wegscheuchen.» SRF/Luzia Stettler

Sie habe lange gezögert, Sherlock Holmes in ihrem Erstling einzubauen, sagt die Autorin. «Aber plötzlich geisterte er durch meine Geschichte, und ich konnte ihn nicht mehr wegscheuchen», lacht sie. Annelie Wendeberg hat sich denn auch intensiv mit Sherlock Holmes-Experten unterhalten, hat sämtliche Bücher von seinem Schöpfer Arthur Conan Doyle studiert und sich mit dem realen Holmes-Vorbild Joseph Bell beschäftigt.

Es sei ihr ein Anliegen gewesen, möglichst nahe am Original zu bleiben. Nur der Blickwinkel ist ein anderer als bei Doyle: In «Teufelsgrinsen» kommt mit jener der Anna Kronberg auch eine weibliche Optik zur Geltung. Vor diesem Hintergrund sei es sicher auch zulässig, einen etwas gefühlsbetonteren Holmes zu zeigen, sagt Annelie Wendeberg.

Bauchweh wegen Fangemeinde

Trotzdem: Ein gewisses Bauchweh habe sie anfänglich schon geplagt, gesteht die Deutsche. Denn sie wisse sehr wohl, dass Holmes auf eine grosse Fangemeinde zählen kann. Das erste Echo aus jenen Kreisen fällt aber durchaus positiv aus. Und mittlerweile wurde Annelie Wendeberg gesagt, dass Arthur Conan Doyle die verschiedensten Kopien und Persiflagen von Sherlock Holmes stets geduldet hatte.

Warum also soll der überzeugte Junggeselle Holmes mehr als 100 Jahre nach seiner Schöpfung nicht auch einmal innige Küsse erleben dürfen? Das Geheimnis, ob aus Anna und Sherlock tatsächlich ein Liebespaar wird, soll frühestens im zweiten Band gelüftet werden.

Sendung zu diesem Artikel