«Solange wir uns das leisten können, machen wir das»

Letztes Jahr verzichtete der Schweizer Diogenes-Verlag auf einen eigenen Stand an der Frankfurter Buchmesse. In diesem Jahr ist Diogenes wieder standesgemäss am weltwichtigsten Anlass der Buchbranche präsent. Verleger Philipp Keel über die Gründe.

Dunkler Pullover, hellblaues Hemd: Diogenes-Verleger Philipp Keel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Er übertreibt gerne – aber nur ein bisschen: Philipp Keel, Verleger von Diogenes. Keystone

2015 haben Sie an der Frankfurter Buchmesse auf einen eigenen Stand verzichtet. Jetzt sind Sie wieder dabei. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Wir sind dieses Jahr gut gestartet. Und wir hatten einmal mehr ein paar Bestseller gleichzeitig. Da dachten wir: Das ist Grund genug, wieder an die Messe zu gehen.

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Zur Person

Philipp Keel hatte sich als Künstler, Filmemacher und Autor einen Namen gemacht, bevor er 2012 Verleger von Diogenes wurde. Er ist einer von zwei Söhnen des legendären Diogenes-Gründers Daniel Keel.

Abgesehen davon ist dieses Jahr Holland das Gastland, und wir haben ja wunderbare holländische Autoren wie Connie Palmen und Leon de Winter. Auch das ist ein Grund, wieder hinzugehen.

War es ein Fehler, im letzten Jahr nicht mit einem grossen Stand präsent zu sein?

Alles, woran man sich gewöhnt, ist irgendwann vielleicht auch ein Fehler. (Lacht.) Aber der Auftritt an einer Messe ist immer auch mit Prestige verbunden.

Früher erfüllte die Messe vielleicht noch andere Zwecke. Neben dem Präsentsein war es auch sehr wichtig, dort die Verkaufsgespräche zu führen. Das ist heute nicht unbedingt mehr der Fall.

Wenn wir uns das leisten können, ist das wunderbar. Wir haben Freude, wieder an die Messe zu gehen – die Zuschauer und Kollegen freuen sich ebenfalls. Und solange es geht, machen wir das auch gerne.

2015 waren Sie ja nicht ganz weg vom Fenster, sondern am Schweizer Gemeinschaftsstand präsent. In diesem Jahr haben Sie sich wieder für einen Stand entschieden. Warum braucht Diogenes einen eigenen Auftritt?

Natürlich auch, um die Autoren zu promoten. Benedict Wells zum Beispiel, der uns dieses Jahr mit seinem Buch «Vom Ende der Einsamkeit» überrascht hat. Dieses Buch haben wir fast 160'000 Mal verkauft. Das ist ungewöhnlich in diesen Zeiten.

Auch Donna Leon und Martin Walker stehen logischerweise immer auf der Liste. Dazu kam «Der Trick», der Überraschungserfolg des jungen deutschen Autoren Emanuel Bergmann.

Sie haben uns vor einem Jahr verraten, der Auftritt an der Frankfurter Buchmesse koste den Diogenes-Verlag einen hohen sechsstelligen, vielleicht sogar siebenstelligen Betrag. Lohnt sich dieser Aufwand?

Das habe ich mich letztes Jahr eben auch gefragt. Aber dass man sich zeigt, lohnt sich natürlich. Und dass man seine Autoren zeigt, lohnt sich erst recht.

Die Million ist ein bisschen hoch gegriffen, weil man immer gerne auch ein bisschen übertreibt. Aber so eine Messe verschlingt sehr viel Vor- und Nacharbeit. Und wenn man das alles zusammenrechnet, ist man schon in diesem Bereich.

Jetzt wo Sie’s gesagt haben, bereue ich es vielleicht gleich wieder, dass wir an die Messe fahren.