«Stolz und Vorurteil»: seit 200 Jahren beliebt

«Stolz und Vorurteil», im englischen Original «Pride and Prejudice», wird seit der ersten Veröffentlichung 1813 gelobt und viel gelesen. Für die Autorin, die englische Schriftstellerin Jane Austen (1775-1817), gab es zu Lebzeiten allerdings wenig Ruhm. Das Werk wurde anonym publiziert.

Erstausgabe von «Pride and Prejudice» von 1813, leicht stockfleckig. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Erstausgabe von «Pride and Prejudice», ausgestellt im Jane Austen House in Chawton, Südengland. Reuters / Stefan Wermuth

Für die anonyme Veröffentlichung von «Pride and Prejudice» werden unterschiedliche Gründe angegeben: Es gab damals wenige Frauen, die öffentlich schrieben. Das ist eine Erklärung. Eine weitere, dass Austen selbst nicht in die Öffentlichkeit treten wollte.

Ein Gesellschaftspanorama

Jane Austen forever

2:19 min, aus BuchZeichen vom 10.12.2012

In «Stolz und Vorurteil» erzählt Jane Austen die Geschichte der Familie Bennet und wie sich die fünf Töchter bemühen, ihre Stellung in der Gesellschaft zu finden.

Sie hat mit diesem Roman ein heiteres, aber auch scharf analysiertes Gesellschaftsbild geschaffen. Sie zeigt, wie Hierarchien im Umbruch waren, wie sich Werte veränderten, aber auch wie einzelne Figuren allmählich zur Selbsterkenntnis fanden. Verpackt in witzige Dialoge in einer sehr präzisen Sprache. Das ist heute Konsens in der Literaturgeschichte.

Gute Kritiken ...

1813, als «Stolz und Vorurteil» veröffentlicht wurde, lobten die Rezensenten, wie Austen die unterschiedlichen Charaktere darstellt. Die breite Leserschaft war so begeistert von dem Buch, dass die erste Auflage schnell ausverkauft war und bereits im ersten Jahr nachgedruckt wurde.

Rotes Backsteinhaus, Fenster, junge Frau in Garderobe des frühen 19. Jahrhunderts. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine Angestellte des Jane Austen House, Chawton, Südengland, in zeitgenössischer Garderobe. Reuters / Stefan Wermuth

«Stolz und Vorurteil» wurde am Donnerstagmorgen, 28. Januar 1813, angepriesen in der Londoner Zeitung «The Morning Chronicle», in der Rubrik «Books Published Today». Eine Buchkritik erschien daraufhin im Magazin «British Fiction».

Darin lobt der Rezensent, ein redlicher, vernünftiger Autor habe viele verschiedene Charaktere interessant beschrieben. Besonders die Hauptfigur Elizabeth Bennet sei den Heldinnen anderer Romane überlegen. Sie verfüge über genau die richtige Portion Unabhängigkeit, die gesellschaftlich noch akzeptabel sei.

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Austen-Sonderausgabe bei dtv

«Verstand und Gefühl», ISBN 978-3-423-14159-8

«Stolz und Vorurteil», ISBN 978-3-423-14160-4

«Mansfield Park», ISBN 978-3-423-14161-1

«Emma», ISBN 978-3-423-14162-8

«Northanger Abbey», ISBN 978-3-423-14164-2

«Anne Elliot oder die Kraft der Überredung», ISBN 978-3-423-14163-5

Im grossen ganzen, schreibt er weiter, sei es eine «very agreeable novel», ein sehr «gefälliger» Roman. Er zeige, dass der Autor gut Balance halte zwischen dem Porträt von geldgierigen und eher zurückhaltenden Frauen – was ein gutes Lehrstück auch für die Leserschaft sei.

Wohlwollend, aber gönnerhaft – so lässt sich diese Rezension zusammenfassen. In anderen anonymen Artikeln herrscht ein ähnlicher Tenor – vor allem die unterschiedlichen Charaktere und die Darstellung des häuslichen Lebens fanden Anklang.

… aber kein Ruhm für die Autorin

Als sie das allererste Exemplar vom Verlag in London in den Händen hielt, schreibt Jane Austen in einem Brief: «I have got my own darling child from London» – auch wenn diese Äusserung zum Teil ironisch gemeint sein mag, zeigt sie doch, wie wichtig ihr «Stolz und Vorurteil» war. In einem Brief an ihre Schwester Cassandra kann man folgendes lesen: «Ich muss gestehen, dass es für mich im gedruckten Wort bis jetzt keine reizendere Figur als Elizabeth Bennet gibt.»

Lange Entstehungszeit

Vielleicht lag ihr das Buch am Herzen, weil es eine schwierige Vorgeschichte hat: Sie hatte es unter dem Titel «First Impressions» («Erste Eindrücke») bereits 1796 zu schreiben begonnen. Ihr Vater hatte es ein Jahr später an einen Verleger geschickt, der das Manuskript allerdings zurückwies.

Aber – das mag für Austen tröstlich gewesen sein – ihre Freunde, Verwandten und Bekannten waren begeistert von ihrem Manuskript. Sie veränderte und verbesserte es laufend – und eben, 1813, wurde es publiziert. Anonym. Zu Ruhm kam Jane Austen erst lange Jahre nach ihrem Tod, als ihr Neffe 1870 ein Buch über sie veröffentlichte.