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Felix Münger über den Angriff auf Pearl Harbor
Aus Treffpunkt vom 03.12.2021.
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Überfall auf Pearl Harbor Fünf Tage, die den Zweiten Weltkrieg entschieden

Der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 war eine zentrale Weichenstellung des Kriegs. Aber keine zwingende, wie ein neues Sachbuch zeigt: «Fünf Tage im Dezember» der Historiker Brendan Simms und Charlie Laderman.

Der Angriff der japanischen Streitkräfte auf den US-amerikanischen Militärstützpunkt Pearl Harbor bei Honolulu auf Hawaii erfolgt absolut überraschend. Und das Resultat ist eine Katastrophe.

Mehr als 2'400 amerikanische Soldaten verlieren an jenem Sonntagmorgen im Kugel- und Bombenhagel der japanischen Bomber, Sturzkampfbomber, Torpedoflugzeuge und Tiefflieger ihr Leben. Weit über tausend werden verwundet.

Hinzu kommen 300 am Boden zerstörte US-Flugzeuge. Zudem verliert die amerikanische Navy nahezu die gesamt Pazifikflotte.

Legende: 7. Dezember 1941: Die Ford Island Naval Air Station während des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor. AP Photo/US Navy/Anonymous

Das Protokoll

Der Schock sitzt tief, in den USA und weit darüber hinaus. Dies schildern die beiden britischen Historiker Brendan Simms und Charlie Laderman in ihrer faszinierenden Rekonstruktion der fünf Tage vom japanischen Überfall bis zum 11. Dezember 1941.

An jenem Tag erklärt der mit Japan verbündete Adolf Hitler den USA den Krieg. Zum Erstaunen vieler Zeitgenossen. Wie das Buch zeigt, tut dies Hitler jedoch nicht – wie später oft behauptet – aus irrationalem Grössenwahn. Hitler hat strategische Motive: Er ist überzeugt, dass es über kürzer oder länger zum Krieg mit den USA kommen würde.

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Passage aus «Fünf Tage im Dezember»
00:59 min, aus Treffpunkt vom 02.12.2021.
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Kalkül ohne Grundlage

Durch die Kriegserklärung versucht er die japanischen Bundesgenossen zu ermutigen, die militärischen Anstrengungen der USA auf sich zu ziehen und dadurch Deutschland wertvolle Zeit zu verschaffen für einen Sieg über die Sowjetunion. Danach würde sich Deutschland mit geballter Kraft gegen den Feind jenseits des Atlantiks werfen.

Aus der Rückschau wissen wir: Dieses taktische Kalkül entbehrt damals einer realen Grundlage. Tatsächlich übernehmen sich Deutschland und Japan, indem die Alliierten Grossbritannien und Sowjetunion mit den USA einen überaus schlagkräftigen Verbündeten erhalten. Der Krieg ist für die Achsenmächte ab jetzt schlicht nicht mehr zu gewinnen.

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Veteranen treffen sich in Pearl Harbor zur Versöhnung
Aus Tagesschau vom 08.12.2016.
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Die Sicht von damals

Simms und Laderman weisen jedoch nach, dass dies den Zeitgenossen keineswegs so klar bewusst ist. In bisher nicht dagewesener Detailtreue und unter Einbezug einer riesigen Menge an historischem Quellenmaterial schildern die beiden das Geschehen an jenen fünf Tagen im Dezember. Und wechseln dabei virtuos die Schauplätze: Washington, Tokyo, Berlin, Moskau, London.

Dabei wird deutlich, wie sehr die Mächtigen damals allenthalben überrumpelt werden. Dass sich etwa der britische Premier Winston Churchill zunächst keinerlei Reim auf die Folgen des japanischen Angriffs machen kann. Oder dass der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt lediglich ein verzweifeltes «Nein» herausbringt, als ihm ein Militär die Hiobsbotschaft überbringt.

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USA und Japan – historisches Treffen in Pearl Harbor
05:52 min, aus Echo der Zeit vom 27.12.2016.
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Das Tappen im Dunkeln

Dank «Fünf Tage im Dezember» wissen wir, wie sehr sich die Entscheidungsträger damals schwertun, die Tragweite des Geschehens abzuschätzen und zu den Entscheidungen zu gelangen, die uns heute in der Rückschau als die einzig möglichen erscheinen.

So zeigt das Buch etwa, dass damals in Japan nur schon der Überfall an sich umstritten ist. Dass die Logik längst nicht in der gesamten Führungsriege geteilt wird, mit einem Schlag gegen Hawaii sei die amerikanische Militärmacht präventiv zu brechen. Und man fragt sich: Wie wäre der Krieg ausgegangen ohne den japanischen Angriff auf Pearl Harbor?

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Hollywood-Verfilmung von Pearl Harbour
Aus 10 vor 10 vom 23.05.2001.
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Es hätte anders kommen können

Auch ist es keineswegs zwingend, dass Franklin D. Roosevelt am 8. Dezember 1941, nur einen Tag nach dem Überfall, im Kongress jene historische Rede hält, in der er sich ohne Wenn und Aber für eine Kriegserklärung an Japan ausspricht. Und sich dabei gegen den massiven Widerstand all jener Landsleute durchsetzt, welche die USA seit jeher aus dem Krieg heraushalten wollen.

Pearl Harbor ist ein entscheidender Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Das ist nichts Neues. Dank diesem Buch jedoch wissen wir: Es hätte auch anders kommen können.

Buchhinweis

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Brendan Simms und Charlie Laderman: «Fünf Tage im Dezember. Von Pearl Harbor bis zur Kriegserklärung Hitlers an die USA. Wie sich 1941 das Schicksal der Welt entschied», aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt, DVA 2021.

Radio SRF 1, Treffpunkt, 03.12.2021, 10:00 Uhr

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