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Was steckt hinter dem Projekt «Weiter Schreiben.jetzt»?
Aus Kultur-Aktualität vom 13.05.2021.
abspielen. Laufzeit 03:30 Minuten.
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«Weiter Schreiben Schweiz» Wie soll man in einer fremden Heimat schreiben können?

Das Projekt «Weiter Schreiben» vernetzt hierzulande etablierte Autorinnen und in die Schweiz geflüchtete Autoren. Dabei entstehen neue Perspektiven auf die eigene Sprache und das Fremde. Das Projekt ist zu Gast an den Solothurner Literaturtagen.

Was braucht es, damit geflüchtete Autorinnen und Autoren in einem fremden Literaturbetrieb ankommen können? Das fragte sich die deutsche Schriftstellerin Annika Reich, Leiterin des Projekts «Weiter Schreiben.jetzt».

Zentral für eine literarische Integration von geflüchteten Autoren seien vor allem Begegnungen, sagt Annika Reich: «Es braucht andere Schriftstellerinnen, Kollegen und ein Netzwerk.»

Auch die hiesigen Autoren und Schriftstellerinnen hätten ihre Erstlingswerke nicht als Einzelperson veröffentlicht: «Das passiert immer aus Netzwerken heraus», betont Reich.

Deswegen habe sie beschlossen, Tandems zusammenzustellen. Sie bestehen aus etablierten Autorinnen aus Deutschland und der Schweiz, sowie Autoren, die neu im jeweiligen Land angekommen sind.

Die ersten Schweizer Tandems sind gestartet

In Deutschland hat das Projekt gezeigt, dass durch die Kraft der Literatur eine neue Perspektive auf geflüchtete Menschen möglich ist. Die Schweiz soll diese Möglichkeit nun auch bekommen.

Vier Schweizer Tandems haben ihre Arbeit bereits aufgenommen. Eines davon besteht aus der Schweizer Schriftstellerin Zsuzsanna Gahse und dem syrischen Autor Shukri Al-Rayyan. Al-Rayyan floh vor acht Jahren mit seiner Familie vor dem syrischen Bürgerkrieg in die Schweiz und lebt heute in Burgdorf bei Bern. Als er angefragt wurde, beim Projekt teilzunehmen, war er sofort begeistert.

43. Solothurner Literaturtage – online und analog

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Die 43. Solothurner Literaturtage finden vom 14. bis 16. Mai als Online-Festival auf literatur.ch statt.

Zehn ausgewählte Veranstaltungen können jedoch mit Publikum stattfinden.

Annika Reich, Künstlerische Leiterin des Projekts, gibt am Samstag, 15. Mai, einen Einblick in die Arbeit von «Weiter Schreiben Schweiz»; dazu lesen Shukri Al Rayyan und Zsuzsanna Gahse.

Sich gegenseitig fremde Wörter schenken

Für den syrischen Schriftsteller sei es eine erfrischende Erfahrung, mit einer anderen Autorin zusammenzuarbeiten. «Die ersten Momente des kreativen Prozesses erfordern normalerweise komplette Isolation. Diese sehr intimen Momente nun mit einer anderen Autorin zu teilen, ist eine neue und aufregende Herausforderung für mich», so Al-Rayyan.

Zsuzsanna Gahse, die Tandem-Partnerin von Shukri Al-Rayyan, hat sich für den Anfang ihrer literarischen Zusammenarbeit ein besonderes Spiel ausgedacht. «Meine Idee war, dass wir miteinander eine Wortliste erstellen: Dass er mir arabische Wörter schenkt und ich wiederum ihm deutsche Wörter schenke, die er ins Arabische übersetzt», so Gahse. Die dadurch entstehende Liste mit banalsten Wörtern können dann zu einer Geschichte weitergesponnen werden.

Flucht, Liebe, Alltag 

Alle Texte, die in diesen literarischen Tandems in der Schweiz entstehen, werden dann auf dem Online-Portal Weiter Schreiben veröffentlicht. Die bisherigen Texte der Exil-Autorinnen und Autoren handeln oft von den schwierigen Lebensumständen in den Heimatländern und von der Flucht, aber auch von der Liebe oder von Alltäglichem.

«Je mehr Einsichten wir in die Menschen haben, die fliehen mussten, desto mehr Verständnis und Offenheit gibt es», sagt Annika Reich. Das sei die Grundlage für eine Solidarität, wie wir sie brauchen.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 12.5.2021, 17:10 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Florian Furrer  (Fleusi)
    Das finde ich eine gute Idee. So kriegen beide Seiten mehr Verständnis voneinander. Hoffentlich werden neben Wörtern auch Gepflogenheiten der jeweiligen Nationalitäten ausgetauscht so dass wir uns in denen Land besser zurechtfinden und sie in den Unsrigen.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Ich nehme mal an, dass diese Flüchtlinge primär einmal, wie die meisten CH-Autoren und Autorinnen auch, einer normalen ErwerbsTätigkeit nachgehen, und sich nicht einfach ihr Autorenseinwollen vom Sozialamt sponsern lassen, oder sich mit Berufung auf ihre Autorentätigkeit rundheraus weigern, sich ihr Auskommen zuerst einmal selber zu finanzieren.
    Wer schreiben kann, kann seinen Mitflüchtlingen helfen. Das wäre wichtiger als noch mehr Bücher die dann doch niemand liest.
    1. Antwort von Christine Thöeni  (ChTDM)
      Warum muss man immer unzählige negative Dinge hinter einem netten kleinen Artikel vermuten? Ich finde das Projekt grossartig, und machen Sie sich keine Sorgen: Ich lese gerne und viel.
    2. Antwort von marc rist  (mcrist)
      @:CT: Der Artikel ist weder nett noch klein und die Kritik ist vollkommen gerechtfertigt.
    3. Antwort von René Baron  (René Baron)
      @Thöeni,
      Ich vermute nichts hinter dem Artikel, sondern hinter mir bekannten Flüchtlingen, die sich weigern, "niedere" Arbeit zu machen, weil sie in ihrem Herkunftsland studiert hätten und einer "wichtigen" Familie entstammten und überhaupt eine andere Bestimmung hätten - und natürlich gleich auch mit Strassburg drohen, wenn, man sie zur Arbeit zwänge.