Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Literaturredaktor Hans Ulrich Probst über Wilhelm Genazino abspielen. Laufzeit 04:45 Minuten.
04:45 min, aus Kultur-Aktualität vom 14.12.2018.
Inhalt

Wilhelm Genazino ist tot «Er hat sich an der Merkwürdigkeit allen Lebens gerieben»

Er schrieb komisch und melancholisch über das Glück und das Scheitern im Alltag. Jetzt ist Wilhelm Genazino gestorben.

Der Schriftsteller Wilhelm Genazino ist im Alter von 75 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Bis zum Ende seines Lebens lebte er in Frankfurt am Main, wie eine Sprecherin des Carl Hanser Verlags mitteilte.

Genazino wurde am 22. Januar 1943 in Mannheim geboren und lebte als freier Autor in Frankfurt. Zunächst arbeitete er als Journalist, unter anderem bei der Satire-Zeitschrift «Pardon». Später studierte er Germanistik.

«Individualisten wider Willen»

Er schrieb Hörspiele, bevor er mit seiner Romantrilogie «Abschaffel» (1977), «Die Vernichtung der Sorgen» (1978) und «Falsche Jahre» (1979) bekannt wurde. Genazinos Werk wurde in viele Sprachen übersetzt. Sein letzter Roman «Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze» erschien im Frühling 2018.

Literaturkritiker Hans Ulrich Probst kannte Genazino persönlich. Er sagt, dessen Werk habe sich mit der Unmöglichkeit des Glücks beschäftigt: «Er hat sich an der gesamten Merkwürdigkeit allen Lebens gerieben.»

Legende: Video Wilhelm Genazino. Was ist Glück? abspielen. Laufzeit 55:30 Minuten.
Aus Sternstunde Philosophie vom 12.02.2012.

«Individualisten wider Willen»

Die Protagonisten von Genazinos fast 20 Romanen waren stets Aussenseiter, die sich auf kreative Art mit dem Leben auseinandersetzen. Diese Antihelden, die Genazino «Individualisten wider Willen» nannte, besitzen eine eigenwillige Mischung aus Traurigkeit und Komik.

Genazino habe sich am liebsten mit den kleinen und den scheiternden Menschen beschäftigt und mit einer stilistischen Brillianz Dinge zusammengebracht, die eigentlich nicht zusammengehören, sagt Probst: «Beispielsweise hat er einmal gesagt, wie schrecklich es doch sein müsse, dass auch Johann Sebastian Bach beim Pinkeln lebenslänglich auf sein Geschlecht herabblicken musste.»

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Nachrichten, 14.12.2018, 16:30 Uhr