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Happy Birthday, Martha Argerich!
Aus Musikmagazin vom 05.06.2021.
abspielen. Laufzeit 12:11 Minuten.
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80. Geburtstag Martha Argerich Martha Argerich: eine Löwin am Klavier mit weichem Kern

Die argentinisch-schweizerische Pianistin Martha Argerich wird 80. Hinreissend ist ihr Temperament auf der Bühne, immer wieder überraschend und impulsiv ihre Musikalität, stupend ihre Technik – nach wie vor.

Zwei berühmt gewordene Dokumentarfilme zeigten die Ausnahmepianistin von einer ganz anderen Seite, zeigten ihre verletzliche Persönlichkeit. Etwa in «Bloody Daughter», den ihre jüngste Tochter Stéphanie aus familieninternen Videoaufnahmen collagierte.

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ARGERICH (Bloody Daughter)
Aus Sternstunde Musik vom 05.06.2021.
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Wenn sie sich dort mit ihren drei Töchtern an einem unbeschwerten Nachmittag im Freien die Fussnägel lackiert, erlebt man die private und wohl die wahre Martha Argerich. Fern von allem Bühnenglamour, fern von der Divenhaftigkeit anderer (Klassik)stars, zutiefst menschlich, zerbrechlich, sympathisch.

Sie erzählt in diesem spektakulär persönlichen Film ausserdem, dass sie eigentlich lieber Ärztin geworden wäre. Und wenn sie versucht, verschlafen und noch im Bett liegend, ihre innige Liebe zur Musik von Robert Schumann in Worte zu fassen, wird klar, dass sie lieber durch ihre Musik spricht, als sich mit musiktheoretischen Termini zu erklären.

Glanzvolle Karriere mit Unterbrüchen

Nach dem Studium in Wien bei ihrem wichtigsten Mentor Friedrich Gulda sowie Unterricht beim grossen Arturo Benedetti Michelangeli war ihre Weltkarriere nicht mehr aufzuhalten.

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Martha Argerich: Doppeljubiläum
Aus Tagesschau vom 19.06.2011.
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Einzig durch private Krisen und Verunsicherungen gab es Unterbrüche in der glanzvollen Laufbahn. So zog sich die damals 16-jährige Argerich nach ihrem Triumph am Concours de Genève für mehrere Jahre vom Konzertbetrieb zurück.

Der Sieg beim renommierten Chopin-Wettbewerb in Warschau im Jahr 1965 gab ihrer Karriere schliesslich den entscheidenden Impuls und katapultierte sie definitiv auf die grossen Bühnen der Welt.

Überschaubar, aber fantastisch

Als Solistin pflegte sie ein eher überschaubares Repertoire, bestehend aus Hauptwerken des klassisch-romantischen Kanons. Eine verhältnismässig kleine Anzahl an Klavierkonzerten, von Mozart über Beethoven, Chopin, Schumann, Tschaikowsky bis Prokofjew, spielt sie seit Jahrzehnten, aber sie konnte ihre Interpretationen trotzdem immer natürlich, frisch und lebendig halten. Neue Klaviermusik hört man von ihr höchst selten.

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Eine «Beethoveniana» mit Martha Argerich und Herbert Blomstedt
01:35:57 min, aus Im Konzertsaal vom 17.12.2020.
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Zunehmend vermied sie es, geplagt durch Lampenfieber wie so viele Musiker und Musikerinnen, Solo-Rezitals zu spielen. Sie bevorzugte mehr und mehr das Spiel mit Orchester und die Kammermusik, das Auftreten mit renommierten Musizierenden aus ihrem grossen Freundeskreis.

Dafür, und zur Förderung des musikalischen Nachwuchses, rief sie im Jahr 2002 das Festival Progetto Martha Argerich in Lugano ins Leben und ab 2018 das Martha Argerich Festival in Hamburg.

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Martha Argerich
Aus Stars vom 13.02.2011.
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Klavier für die Corona-Seele

In den ersten Monaten der Corona-Pandemie gab sie doch wieder einmal eine seltene Kostprobe ihres Solo-Spiels: Ohne Publikum vor Ort erreichte sie via Stream in dieser schwierigen Zeit mit einer ergreifenden Interpretation der späten Sonate in h-Moll von Frédéric Chopin Zuschauende und Zuhörende in aller Welt. Und unterstrich damit ganz unprätentiös, dass sie nach wie vor eine der führenden Persönlichkeiten im Klavieruniversum ist.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Musikmagazin, 05.06.2021, 10:03 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Meine herzlichen Glückwünsche gebührt der Grande Dame der schwarzen und weissen Tasten. Nur allzu gerne erinnere ich mich an das letztjährige Konzert im KKL, als sie im leider durch Corona arg durchgeschüttelten Jubiläumsjahr, unter de Leitung des 93 jährigen Herbert Blomstedt das 1. Klavierkonzert des 250 jährigen Jubilaren Beethoven mit mit jugendlichem Elan bestritt. Weiterhin gute Gesundheit und viel Kraft wünsche ich Ihnen, Frau Argerich.
  • Kommentar von Michael Zimmermann  (Mike58)
    Eine der grössten Pianisten*innen for ever! Bei ihr gab es und gibt es nicht eine Show, um ihr Ego in den Vordergrund zu stellen oder gar Selbstverliebtheit zu demonstrieren. Auch nicht das Publikum mit billigen Showeffekten aus der Reserve zu holen, wie dies oft der Fall ist. Die Musik, der Komponist, die Kunst steht immer im Vordergrund, deshalb auch immer das grosse Lampenfieber!
    Genauso wie bei Enrico Caruso, Vladimir Horowitz, Maria Callas um wenige zu nennen. Ganz herzlichen Dank!!!!
    1. Antwort von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
      Ich mag Künstler/innen, die als Mensch bescheiden sind und sich in den Dienst der Kunst stellen. Das sind für mich die herausragenden Künstler/innen. Und so eine ist auch Martha Argerich. Ich hoffe sehr und wünsche es ihr, dass sie einst auch mit über 90Jahren, wie der Dirigent Herbert Blöomstedt, die Kraft und Gesundheit besitzt und uns mit ihrem grossartigen Klavierspiel erfreuen kann.