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Bedrohte Musikzeitschriften Musikmagazine überleben – in der Nische

Die amerikanische Musikzeitschrift Rolling Stone ist mehr als ein Musikmagazin. Nun wird sie verkauft. Ein Grund nachzuhaken: Wer liest die Musikpresse überhaupt noch?

Mehrere Magazine hintereinander: vorne eine Ausgabe des Rolling Stone.
Legende: Im «Rolling Stone» werden auch Themen wie Plastikmüll, globale Erwärmung oder Aussenpolitik unter die Lupe genommen. Getty Images

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Printmagazin Rolling Stone ist Kult: Seit 50 Jahren behandelt es vor allem Musikthemen, aber nicht nur.
  • Der Rolling Stone bleibt populär, dank seiner Sonderstellung. Doch andere Magazine kämpfen mit der Konkurrenz aus dem Netz.
  • Musikmagazine, die Themen abseits des Mainstreams behandeln, werden wieder populärer.

Fünfzig Jahre sind verstrichen, seit das Magazin Rolling Stone vom damals 21-jährigen Hippie Jann Wenner gegründet wurde. Nachdem er letztes Jahr bereits 49 Prozent an die in Singapur beheimatete Firma BandLab verkauft hat, sucht er nun einen Käufer für die restlichen Anteile. Aufhören will er aber nicht.

Der «Rolling Stone» schafft’s nicht allein

Er hofft, dass er zusammen mit seinem Sohn Gus auch unter einem neuen Besitzer am Ruder bleiben darf. «Nur können wir unsere Ambitionen allein nicht mehr erfüllen», erklärte Gus.

Von der finanziellen Krise der weltweit wohl berühmtesten Musikzeitschrift auf das allgemeine Befinden des Mediums zu schliessen, wäre falsch. Die Situation beim Rolling Stone ist speziell.

Nie nur eine Musikzeitung

So verlor Wenner mit ein paar unglücklichen Aktionen im Medienmarkt ein Vermögen. Dazu kamen drei Millionen Dollar Schadenersatz, die man auszahlen musste, nachdem sich eine 2014 erschienene Geschichte über eine Massenvergewaltigung an einer Uni als falsch erwiesen hatte.

Dabei war der Rolling Stone nie nur eine Musikzeitung. Immer wurden grosse Themen wie Plastikmüll, globale Wärmung oder gar die Aussenpolitik der USA unter die Lupe genommen.

Präsidenten geben Interviews

Die Präsidenten Clinton wie auch Obama liessen sich von Wenner interviewen, George W. Bush wurde ebenso heftig angegriffen wie neuerdings Donald Trump. Schon die breite thematische Palette – wie auch der Ruf für tiefschürfenden Journalismus dürfte das Überleben garantieren.

Das Internet raubt Leser

Anders geht es den Musikzeitschriften mit dem Anspruch, Fans aller möglichen Arten von Populärmusik zu bewirten. Ihnen hat das Internet viele Leserinnen abgenommen.

Jeder Künstler hat nun eine eigene Homepage und beliefert seine Kunden via Twitter und Facebook direkt mit News. Hintergrundwissen und Klatsch tauschen die Fans in den Foren aus.

Für Nostalgiker und Nischenmusik

Den herkömmlichen Zeitschriften sind zwei Kerngruppen von Leserinnen geblieben: Menschen, die vor dem Internet musikalisch sozialisiert wurden, und Musikfans, die sich für spezifische Genres interessieren wie Improvisierte Musik, Folk, Prog- Rock, Heavy Metal, Hip-Hop, Psychedelik oder schlicht Nostalgie.

In all diesen Spezialgebieten ist die Anzahl von Publikationen in den letzten Jahren in Grossbritannien und im restlichen Europa sogar eher grösser geworden. Ausser den USA, dort sind sie zurückgegangen – wegen der Grösse des Landes und den Kosten, eine Publikation landesweit zu vertreiben.

Weniger Generationenkonflikte

In einem Punkt hat das Internet den Printmedien gar geholfen. Weil dort alle existierende Musik jederzeit zugänglich ist, werden Generationenkonflikte nicht mehr über die Musik ausgetragen.

Die neuen Generationen von Musikfans interessieren sich für die Musik der Sixties genauso wie für die Musik von jetzt. So sprechen Print-Publikationen mit scheinbar endlosen Wiederholungen von Namen wie Beatles, Stones und Oasis keineswegs nur Nostalgiker an, sondern auch junge Fans, die auf Entdeckungsreise sind.

Sendung: SRF 2 Kultur, 19.9.2017, Kultur Kompakt, 17.15 Uhr.

Print lebt weiter

Tipps von Hanspeter Küenzler

«Crack» und «Loud & Quiet» sind hervorragende Publikationen mit einem direkten Draht zum Zeitgeist. Sie kümmern sich nicht um Verkaufsziffern und nur wenig um den Mainstream. «The Quietus» wiederum ist die smarte Musikplatform der Zukunft.

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