Buddy Rich, der Super-Drummer mit Hang zum grossen Auftritt

Wenn vom Jazz-Schlagzeuger Buddy Rich die Rede ist, dann fallen Worte wie wahnsinnig, grossartig, beispiellos. Tatsächlich ist der 1987 verstorbene Rich ein Phänomen: als Autodidakt technisch einer der besten auf seinem Instrument, dabei aufbrausend und egomanisch – ein Showman mit Starallüren.

Ein dunkelhaariger Mann sitzt hinger einem Schlagzeug und spielt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Buddy Rich 1977 während eines Konzerts in Köln. Wikimedia/Paul Spürk

Buddy Rich war sich seines Status durchaus bewusst: Auch er selbst betrachtete sich als den Grössten. Und er war jederzeit bereit, sich ins Schlachtgetümmel einer Drum-Battle zu stürzen, um dies auch zu beweisen. YouTube ist voll von virtuosen Buddy Rich-Schlagzeug-Soli und von Begegnungen mit anderen Schlagzeug-Heroen. Natürlich waren diese Drum-Battles spielerische Auseinandersetzungen – aber es ging doch immer darum, die Hackordnung festzulegen.

Showman, Komödiant, Schauspieler

Die schwarz-weisse Fotografie eines Mannes mit dunklen schwarzen Haaren und Mantel mit Leoparden-Muster. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Buddy Rich, hier in New York 1946, war ein Star im Amerikanischen Showbusiness. Flickr/ The Library of Congress

Buddy Rich trommelte nicht nur gegen echte Schlagzeuger. Er hatte mehrere Auftritte in «The Muppet Show», und sein Auftritt mit oder gegen den Comedy-Star Jerry Lewis ist auch heute noch unglaublich lustig, auch wenn das Fernsehbild von 1965 undeutlich und verzerrt ist. Buddy Rich war ein begnadeter Schlagzeuger, vor allem aber war er ein schlagfertiger Showman, ein Komödiant und Schauspieler, der sein Geschäft von der Pike auf gelernt hatte.

Buddy Rich wuchs im Vaudeville-Milieu auf und stand schon mit 18 Monaten mit seinen Eltern auf der Bühne. Mit vier spielte er am Broadway, mit sechs war er auf Australien-Tournee und mit elf hatte er seine eigene Band und war einer der bestbezahlten Kinderstars der USA. Mit «Baby Traps the Drum Wonder» waren seine Auftritte annonciert; dass einer mit so einer Kindheit etwas merkwürdig tickt, scheint nachvollziehbar. Rich tat alles, um sein Publikum zu erreichen: Der Titel seines Albums «Keep the Customer Satified» von 1970 war seine eigentliche Lebensmaxime.

«Der grösste Drummer aller Zeiten»

Vielleicht gehört es zur Tragik dieser ausserordentlichen Künstlerkarriere, dass Buddy Rich nie wirklich als kreativer Künstler wahrgenommen wurde, sondern nur als Artist, der alles konnte. Und so spielen all die vielen Zitate seiner Bewunderer fast immer auf seine enormen technischen Fähigkeiten an: «Keiner erreicht seine Technik» (Louis Hayes), «der grösste Drummer aller Zeiten» (Peter Erskine) oder «er ist wie ein Oktopus – er spielt, als habe er mehr als nur zwei Arme und zwei Beine» (Tony Crombie).

Noch immer kann man seine Musik neu entdecken

Während der ersten Hälfte seiner Karriere spielte Buddy Rich für andere. Für die Swing Big Bands von Tommy Dorsey und Harry James, und er war mit der All Star-Truppe «Jazz at the Philharmonics» in der ganzen Welt auf Tournee. Erst mit 50 gründete er seine eigene Big Band, in der sein Schlagzeug völlig im Mittelpunkt stand. Bis er im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt starb, war Buddy Rich mit seiner Band rastlos unterwegs, war Dauergast in allen amerikanischen Fernsehshows und wurde mit Ehrungen überhäuft.

Fast 30 Jahre nach seinem Tod wäre es an der Zeit, Buddy Rich neu zu hören, die Kraftmeierei und Artistik beiseite zu lassen – und die Musik zu entdecken.

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