«7meilen Stiefel» heisst nicht nur eines seiner rund 20 eigenen Alben – mit Siebenmeilen-Stiefeln durchschritt Christoph Stiefel auch sein reiches Musikerleben. Ein zu kurz geratenes Leben, und doch ein gelungenes: Stiefel fand früh die Balance zwischen Familie, eigener Entwicklung am Instrument und musikalischen Projekten.
Seine Sporen abverdient hat Christoph Stiefel beim Harfenisten Andreas Vollenweider. Mit ihm war er international auf Tournee, schnupperte grosse Bühnenluft und mochte sich danach auch mit seinen eigenen Projekten nie auf die Schweiz beschränken.
So war Stiefel auch mit seinen eigenen Bands bald nicht mehr ein schweizerischer, sondern ein europäischer Jazzmusiker. Stets spielte er seine Musik auch auf Bühnen ausserhalb der Schweiz, von Deutschland bis Japan. Und er lud internationale Gäste ein auf seine Alben, den Saxophonisten Charlie Mariano etwa, oder den Drummer Peter Erskine.
Die Suche nach der «Magic»
So entwickelte er eine eigene Stimme. Als Pianist, aber auch als Komponist: vom Fusion-Jazz mit der Band Stiletto über die sogenannten Isorhythmen – rhythmische Überlagerungen, die Stiefel aus dem Mittelalter in den Jazz holte – bis zu den dichteren Harmonien auf seinen späteren Alben.
Immer wieder neues Terrain kann allerdings nur erkunden, wer sich fit hält.
Auch darin war Christoph Stiefel ein Meister – er war konstant an der Arbeit, jeden Morgen bis zum Mittagessen. Er gehörte zu den grossen Übern. Aber er arbeitete nicht wie ein Beamter, sondern war immer auf der Suche nach der «Magic», wie er es nannte. Auf der Suche also nach diesem musikalischen Glücksmoment, der zuallererst nur ihm allein gehörte, den er aber hegte und entwickelte, um ihn dann anderen Musikern und Musikerinnen und schliesslich einem Publikum zu zeigen.
Und noch etwas rundete dieses zu kurze, aber gelungene Leben ab: Christoph Stiefel war Jazzmusiker – und Familienmensch. Gut möglich, dass ihm genau das ermöglichte, musikalisch immer weiter zu gehen. Er hatte sein Privatleben so gut und liebevoll organisiert, dass der Kopf frei war für die Musik. Und die Magie dahinter.