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Musik Damit rechnete niemand: Noch kein Nachfolger für Simon Rattle

Am Montag haben sich die Berliner Philharmoniker zur geheimen Wahl ihres neuen Chefdirigenten zurückgezogen. Elf Stunden lang haben sie debattiert – ohne Ergebnis. Wird die Wahl von Simon Rattles Nachfolger für das Orchester zur Belastungsprobe?

Ein Dirigent und ein Orchester.
Legende: Man rechnete mit allem, nur nicht mit dem, was am 11. Mai passierte. Keystone

Wochenlang haben sich die deutschen Feuilletons überboten mit Spekulationen. Wer wird neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, wenn Sir Simon Rattle 2018 das Pult räumt? Wer erbt den Berliner Dirigententhron?

Am Montag sollte das Spekulieren ein Ende haben. Morgens um 10 Uhr zogen sich die 124 wahlberechtigten Mitglieder der Berliner Philharmoniker zur Wahl hinter verschlossenen Türen zurück. Für 14 Uhr wurde das Wahlergebnis in Aussicht gestellt.

Das lange Warten

Würde der konservative deutsche Klangfanatiker Christian Thielemann das Rennen machen? Oder doch eher der lettische Altmeister Mariss Jansons, der sich am Vorabend der Wahl mit einem funkensprühenden und fesselnden Konzert empfohlen hatte?

Fans des Orchesters und Medienleute warteten gebannt auf das Resultat. Sie rechneten mit allem, nur nicht mit dem, was an dem Nachmittag passierte. Stunde um Stunde wurde die Verkündigung des Resultats verschoben. Und um 21.30 Uhr dann der Paukenschlag: die Mitteilung, dass die Wahl ergebnislos verlaufen sei. Höhnische und belustigte Kommentare liesse nicht auf sich warten. Zum Beispiel auf Twitter:

Ein gespaltenes Orchester?

Niemand wird erfahren, was in den elf Stunden vor dieser Mitteilung passiert ist, die Geheimhaltung der Beratungen ist bei den Berliner Philharmonikern oberstes Gebot. Aber eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder haben die Philharmoniker gewählt, den Favoriten angerufen – und eine Absage erhalten. Oder es geht ein Graben durchs Orchester.

Einigermassen plausibel ist die Vermutung, dass eine Fraktion Christian Thielemann auf den Schild heben wollte und eine andere das um jeden Preis zu verhindern versuchte. Thielemann ist ein herausragender Könner, ohne Frage. Aber ein Sympathieträger ist er nicht. Und seine üppige Klangästhetik polarisiert, auch in Berlin.

Wie weiter?

Ein Mitglied des Orchestervorstands betonte zwar am Abend die konstruktive Atmosphäre der Gespräche. Dennoch könnte die geplatzte Wahl zur Belastungsprobe werden für das einzige Toporchester der Welt, das seinen Chefdirigenten basisdemokratisch bestimmt. Denn es wird wohl oder übel einen Chef wählen müssen, der einem beachtlichen Teil des Orchesters unerwünscht ist.

Sicher ist: die Philharmoniker brauchen mehr Zeit. Zeit, um über die nächsten Jahre zu reden. Über Namen von potenziellen Chefdirigenten. Aber auch über das Profil des Orchesters, über den richtigen Weg in die Zukunft. Spätestens in einem Jahr wollen sie einen zweiten Anlauf nehmen. Bis dahin darf weiter eifrig spekuliert werden.

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