David Afkhams Taktstock scheint ein Zauberstab zu sein

Wenn David Afkham mit seinem dichten, schwarzen Haar die Bühne betritt, erinnert er ein wenig an den jungen Herbert von Karajan. Er wirkt streng und bestimmt. Doch hinter der Brille verstecken sich Humor, Charme und Leidenschaft. Der Dirigent über die Magie des Taktstocks und seine Vision von Musik.

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David Afkham: Die Magie des Taktstocks

2:01 min, vom 19.2.2015

Die Mittagspause ist vorbei. Für die Nachmittagsprobe steht Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 auf dem Programm. Das Orchester wirkt noch etwas träge, wie ein schläfriges Tier. Doch David Afkhams kraftvolle Bewegungen zeigen schnell Wirkung. Nach wenigen Minuten ist das Sinfonieorchester Basel wie verwandelt. Intensiv, wach, spielfreudig. Als ob Afkham die Musikerinnen und Musiker mit seinem Dirigenten-Zauberstab verhext hätte.

Afkhams Vision der Wahrheit

Bei aller Strenge und Autorität, die der 31-jährige Dirigent ausstrahlt: Unnahbar wirkt er nicht – im Gegenteil. Er ist offen und kommunikativ, bezieht die Menschen um sich ein, erklärt souverän und ruhig, motiviert spontan und begeistert. Mit eindrücklicher Leichtigkeit leitet David Afkham die Probe. Doch was locker scheint, ist hart erarbeitet. Wer vor ein Orchester treten will, muss etwas zu sagen haben, braucht für jedes Werk eine überzeugende Vision. Und die wird einem nicht geschenkt. Das bedeutet manchmal auch Konfrontation, wenn Dirigent und Solist ganz andere Visionen des Werks haben.

Wurzeln im Land von 1001 Nacht

Seinen dunklen Teint hat David Afkham von seinem Vater, der aus dem damaligen Persien stammt und in Mumbai aufgewachsenen ist. Mit 19 Jahren zieht er nach Freiburg im Breisgau, um Medizin zu studieren und – wie so oft im Leben – lernt er dort auch gleich seine zukünftige Frau kennen. Sie ist Kauffrau und ausgebildete Sängerin, und legt ihren gemeinsamen fünf Kindern die Liebe zur Musik in die Wiege. Drei sind heute Berufsmusiker, Davids Bruder spielt Viola bei den Berliner Philharmonikern.

Rasanter Aufstieg

Zwei Visionen: der Dirigent und der Solist

5:44 min, vom 19.2.2015

David Afkham beginnt mit sechs Jahren Klavier und Geige zu spielen. Mit 15 nimmt er an der Hochschule für Musik in Freiburg sein Klavierstudium auf. Den ersten bedeutenden Musikpreis erhält Afkham mit 19 Jahren als Pianist. Doch dann konzentriert er sich mehr und mehr auf das Dirigieren.

Der Gewinn des «Donatella Flick Dirigenten Wettbewerbs» 2008 und zwei Jahre später des «Nestlé und Salzburg Festival Young Conductors Award» eröffnen David Afkham den Weg in die höchste Dirigenten-Liga. Mittlerweile hat er viele der ganz grossen Orchester dieser Welt dirigiert – das Amsterdamer Royal Concertgebouw Symphoniker, das Swedish Radio Symphony Orchestra und andere mehr. David Afkhams bisheriger Höhepunkt ist sicher seine Ernennung 2013 zum Chefdirigenten des Spanischen Nationalorchesters Madrid.

Eine rasante Karriere

Und wer weiss, vielleicht führt David Afkhams Weg schon bald auch vermehrt nach Basel. Es heisst, er gehöre zu den heissesten Anwärtern für die Nachfolge von Dennis Russell Davies, dem jetzigen Chefdirigenten des Sinfonieorchesters Basel, der für Juni 2016 seinen Rücktritt angemeldet hat.

Sendung zu diesem Artikel

  • Radio SRF 2 Kultur 22.02.2015 21:00

    Musikabend
    Die junge Generation

    22.02.2015 21:00

    Beide haben sie Jahrgang 1983 und beide gehören sie zu den interessantesten Vertretern der jüngeren Musikergeneration: Der Schweizer Pianist Francesco Piemontesi und der deutsche Dirigent David Afkham.