«Der Mann am Klavier»: Paul Kuhn ist tot

Der deutsche Sänger, Jazz-Pianist und Bandleader Paul Kuhn ist tot – er starb mit 85 Jahren in der Nacht auf Montag. Seine Karriere startete bereits im Kindesalter. In seiner Big-Band- und Swingkarriere brachte es Kuhn zu grossem Ruhm.

Paul Kuhn begleitet die Sängerin Peggy March während eines Fernsehauftrittes (undatierte Aufnahme). Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Paul Kuhn begleitet die Sängerin Peggy March während eines Fernsehauftrittes (undatierte Aufnahme). Keystone

«Paulchen» Kuhn aus Wiesbaden war schon zu Lebzeiten eine deutsche Swinglegende – er war einer der populärsten Entertainer der Showbranche. Kuhn wurde vor allem als «Mann am Klavier» und mit Unterhaltungsliedern wie «Es gibt kein Bier auf Hawaii» bekannt. Seit mehr als drei Jahrzehnten lebte Kuhn mit seiner dritten Frau Ute in der Schweiz.

Kuhn sei während eines Kuraufenthaltes in Bad Wildungen in Hessen im Beisein seiner Ehefrau gestorben, erklärte seine Musik-Agentur. Die Trauerfeier werde im engsten Familien- und Freundeskreis stattfinden.

Der Mann mit dem Zahnlückenlächeln

Der Deutsche Pianist und Entertainer Paul Kuhn am 1. Oktober 2005 in seinem Wohnort in Lenzerheide. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Paul Kuhn am 1. Oktober 2005 in seinem Wohnort in Lenzerheide. Keystone

Paul Kuhns Musikerkarriere begann schon im Kindesalter. Sein Song «Der Mann am Klavier» wurde einer seiner grössten Hits. Mit der ARD-Show «Hallo Paulchen» hatte der Schlagersänger mit dem verschmitzt-fröhlichen Zahnlückenlächeln den Namen weg und wurde zu einem der populärsten Entertainer der Showbranche.

Der am 12. März 1928 geborene Sohn eines Croupiers lernte bereits mit sechs Jahren Akkordeonspielen, galt bald als Wunderkind und trat unter anderem als 8-Jähriger bei der Funkausstellung in Berlin auf. Damit war er im versuchsweise betriebenen Fernsehen zu sehen.

Big Band und Swing

Während seiner Schlager- und Showkarriere arbeitete Kuhn als Arrangeur, Komponist und Produzent unter anderen für Heino und Howard Carpendale. 1968 übernahm er die Leitung der Big Band des Senders Freies Berlin (SFB) und führte sie zu internationalem Ruhm. Sein Vertrag sah drei Fernsehshows im Jahr vor, darunter «Pauls Party». Der leidenschaftliche Jazzmusiker Kuhn machte so den Swing im Nachkriegsdeutschland bekannt.

Als sich der SFB 1980 von der Big Band trennte, empfand Kuhn das als «Rauswurf». Er gründete seine eigene Big Band, mit der er Peter Alexander auf Tournee begleitete. Danach swingte er mit seinem Paul Kuhn Trio und tourte ab 2000 mit Max Greger, Hugo Strasser und der SWR Big Band als «Swing Legenden».

Viele Auszeichnungen

Paul Kuhn ist mit der Goldenen Kamera, dem Deutschen Schallplattenpreis und 2010 mit einem Jazz-Echo für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. 2003 wurde er «Klavierspieler des Jahres».

Der Mann mit der markant-sonoren Stimme sorgte auch für einen Schuss Ironie in den deutschen Musikshows. Dabei hatte er auf seinen ersten Hit «Geben Sie dem Mann am Klavier noch 'n Bier» erst gar keine Lust, sah er sich doch mehr als ernsthaften Jazzmusiker. Aber das Lied wurde zu seinem Markenzeichen.

In den vergangenen Jahren verschlechterte sich Kuhns Gesundheit. 2005 musste er sich einer Herzoperation unterziehen, 2007 erkrankte er an einer Gürtelrose, schliesslich hörte und sah er immer schlechter.

Dennoch machte Kuhn weiter Musik, im März erschien sogar noch ein neues Album. Im Frühjahr hatte der Pianist einige Konzerte abgesagt. Ihm sei ein Herzschrittmacher gelegt worden, hatte seine Agentur damals erklärt. Nach Informationen der «Bild»-Zeitung hatte sich der Gesundheitszustand des Musikers Anfang September verschlechtert. Er sei in ein Spital eingeliefert worden.