Die Barockmusik ist kühler geworden: Frans Brüggen

Der Blockflöten-Virtuose und Dirigent Frans Brüggen ist 79-jährig gestorben. Er machte die Blockföte salonfähig und zauberte als Dirigent bemerkenswerte Interpretationen der Musik von Bach, Rameau und der Wiener Klassik. Mit ihm ist ein grosser Kenner des Barock und der Klassik von uns gegangen.

Frans Brüggen dirigiert. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Er war ein Unterschätzter seiner Zunft: Frans Brüggen. Reuters

Als Blockflötenvirtuose machte er das Instrument salonfähig. Als Dirigent gelangen ihm mit seinem «Orchestra of the Eighteenth century» bemerkenswerte Interpretationen der Musik von Bach, Rameau und der Wiener Klassik. Hinter seiner scheuen, ja linkischen Art verbarg sich ein grosser Kenner des Barocks und der Klassik, viele seiner Plattenaufnahmen gelten bis heute als Referenz. Gestern starb der Dirigent und Blockflötist Frans Brüggen 79-jährig an den Folgen einer schweren Krankheit.

Er suchte die Schönheit statt Extreme

Anders als viele Kollegen der barocken Szene war Brüggen weder sportlicher Tempobolzer, noch Freund von Extremen. Er suchte vielmehr das Verbindende und den schönen Klang. Seine Rameau-Aufnahmen etwa zeichnen sich durch eine Wärme und Entspanntheit aus, die bis heute einzigartig ist. Und sein Beethoven, auch die neueste Gesamtaufnahme der Sinfonien, klingt vielleicht nicht besonders revolutionär, hat aber inneren Schwung und Tiefe.

Etwas vom Schönsten in Brüggens Diskografie ist das Beethoven-Violinkonzert mit dem Solisten Thomas Zehetmair. Hier haben sich zwei Verwandte im Geist gefunden.

Professor mit 21 Jahren

Frans Brüggen wurde 1934 in Amsterdam geboren. Früh brillierte er als Solist auf der Blockflöte und der Traversflöte, die im Konzertsaal nahezu vergessen waren. Er läutete ihre Renaissance ein.

Schon mit 21 Jahren wurde er Professor am Königlichen Konservatorium in Den Haag und unterrichtete auch an verschiedenen Eliteuniversitäten der USA.

Ein Unterschätzter seiner Zunft

Anfangs der 1980er-Jahre gründete Brüggen das auf historischen Instrumenten spielende «Orchestra of the Eighteenth century», dem er bis ganz zuletzt die Treue hielt und mit dem er Aufnahmen von grosser Qualität realisierte. Ihm als Dirigent zuzuschauen war seltsam, seine ungelenken Bewegungen und seine Schüchternheit passten nicht zur starken Wirkung seiner Musik und trugen dazu bei, dass Brüggen eher zu den Unterschätzten seiner Zunft gehörte.

Zusammen mit Musikern wie Nikolaus Harnoncourt, Gustav Leonhardt, John Eliot Gardiner und Sigiswald Kuijken gehört Frans Brüggen zu den Pionieren, die der alten Musik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren bis heute anhaltenden Erfolg ermöglichten.

Sendung: «Kultur kompakt», SRF 2 Kultur, Kulturnachrichten, 06.02 Uhr