Diese Murmel-Musik-Maschine gründet auf Schweizer Ingenieurskunst

Eine Spieldose für Fortgeschrittene: Die Murmel-Musik-Maschine des Schweden Martin Molin erzeugt mit 2000 Murmeln eine musikalische Mischung aus Glockenspiel, Schlagzeugelementen und Elektrobass. Auf Youtube ist das Video ein Hit. Was die wenigsten wissen: Das Werk hat Schweizer Wurzeln.

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So tönt die Murmel-Musik-Maschine

4:30 min, vom 16.3.2016

Immer wieder gibt es Versuche, Technologie und Musik miteinander in Einklang zu bringen. Aber so spektakulär wie das Werk des Schweden Martin Molin enden die wenigsten: Er baute eine mannshohe Murmelmaschine, die mit Hilfe von 2000 Stahlkugeln Musik macht. Davon gibt's ein Video auf Youtube – über 13 Millionen Menschen haben sich das Werk bisher angeschaut.

Was jedoch den wenigsten bekannt sein dürfte: Es war die Schweizer Ingenieurskunst, die Martin Molin zum Bau der Murmelmaschine inspirierte. Als Jugendlicher besuchte er ein Museum für Musikautomaten. Er war tief beeindruckt von den Exponaten aus dem 18. Jahrhundert – sie stammen hauptsächlich aus der Schweiz.

Vibrafon, Drums und Elektrobass

Diese frühen Musikautomaten hatte Molin im Hinterkopf, als er das Herzstück seiner Maschine entwarf: das Programmierungsrad. Auf dieser waschtrommelgrossen Walze steckt er kleine Stifte so fest, dass sie eine bestimmte Melodie ergeben – ähnlich wie bei einer Spieldose. Bei der Drehung drücken diese Stifte Klappen nach unten, die Metallkugeln rollen los. Dabei erzeugen sie verschiedene Klänge. Denn im Inneren der Maschine treffen sie auf ein Vibrafon, auf Drums und sogar auf einen Elektrobass.

«Am schwierigsten war es zu kontrollieren, dass immer nur eine Murmel aufs Mal herunterrollt», sagt Martin Molin. Auf einem Lift werden die Murmeln per Handkurbel nach oben transportiert und durch einen ausgeklügelten Verteilmechanismus auf ihre Plätze verwiesen.

Viel Geduld gefragt

14 Monate brauchte Martin Molin für den Bau der Murmel-Musik-Maschine. Immer wieder musste er sie umbauen. Mehrmals war er kurz davor, alles hinzuschmeissen. «Man braucht schon sehr viel Geduld, um nicht aufzugeben», sagt er und fügt an: «Vielleicht muss man auch ein wenig manisch sein».

Warum macht sich einer die Mühe, eine mechanische Musikmaschine zu bauen, wenn er doch Klänge und Töne mittels Computer erzeugen könnte? «Mit den eigenen Händen etwas zu bauen, ist etwas ganz Besonderes», sagt Martin Molin. Als Musiker der schwedischen Elektrofolk-Band «Wintergatan» mache er oft und gerne Musik mit dem Computer. «Aber etwas anzufassen, diese physische Erfahrung – das macht einfach Spass.»

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 16.3.2016, 17:45 Uhr.