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«The World's a Little Blurry»: Ein Dokfilm bringt den Popstar Billie Eilish nahe
Aus Kultur-Aktualität vom 04.03.2021.
abspielen. Laufzeit 04:00 Minuten.
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Dokfilm Billie Eilish Billie Eilish: ein ganz normaler, ganz besonderer Teenie

Die 19-jährige Billie Eilish ist der Popstar unserer Zeit. Der bewegende Dokumentarfilm «The World's a Little Blurry» porträtiert sie als eine vielschichtige und aussergewöhnliche Künstlerin.

«Meine Familie ist der Grund, warum ich so bin wie ich bin. Meine Familie war ein einziger langer Song», sagt Billie Eilish am Anfang von R.J Cutlers Dokumentarfilm «The World's a Little Blurry».

Eins wird schnell klar in diesem zweieinhalbstündigen Film-Porträt, das auf AppleTV+ zu sehen ist: Das Projekt Billie Eilish ist ein Familienunternehmen.

Ihre Eltern kennen sich aus im Showbusiness. Die Mutter ist Drehbuchautorin und Musikerin, der Vater arbeitet auf dem Bau und nebenbei als Schauspieler.

Die Eltern haben Billie Eilish den Weg bereitet, sie unterrichtet in Songwriting, Klavier und Ukulele und sie früh an Talentshows geschickt.

Weltschmerz der Generation Z

Um zu verstehen, was für eine grossartige Musikerin Billie Eilish ist, muss man einen ihrer Hits hören. «Bury a Friend» zum Beispiel ist kein 08/15 Popsong.

Minimalistische Elektronik, zusammengebaut aus verschiedenen Soundschnipseln, dazu ihre charakteristische Stimme, hauchig, verletzlich und so intim. Sie singt vom Monster unter ihrem Bett und davon, dass man sich oft selbst der grösste Feind ist.

Ich bin ein Nobody, ich weiss nicht warum ihr mich mögt, wirklich nicht.
Autor: Billie Eilish Musikerin

Billie Eilish's Songs sprechen über Ängste, Selbstzweifel und andere Teenagergefühle. Und dann ist da diese Superstar-Persönlichkeit. Mal wirkt sie abgebrüht, mal albern, mal rotzig, mal schüchtern, in ihrem Selbstbild so bodenständig wie möglich.

Auf einem Konzert, so zeigt «The World's a Little Blurry», sagt sie vor tausenden Fans: «Ich bin ein Nobody, ich weiss nicht, warum ihr mich mögt, wirklich nicht. Aber ich liebe euch!»

Billie Eilish: Wie wurde sie berühmt?

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Es ist 2015: Billie Eilish, mit vollem Namen Billie Eilish Baird O’Connell, ist Mitglied einer Tanzgruppe in Los Angeles. Als der Tanzlehrer hört, dass sie in ihrer Freizeit auch singt, wünscht er sich einen Song für die neue Choreografie.

Billie Eilish und ihr Bruder Finneas O’Connell nehmen «Ocean Eyes» auf und stellen ihn auf Soundcloud, damit die Tänzerinnen darauf zugreifen können. Der Song geht viral, Billie Eilish wird zum Netzphänomen und wenig später nimmt Interscope Records sie unter Vertrag.

Damals war sie erst 13. Heute ist sie 19, hat 77 Millionen Follower auf Instagram, gehört zu den meistgestreamtesten Künstlerinnen weltweit und sammelte letztes Jahr fünf Grammys auf einmal ein.

Der Alltag eines Popstars

«The World's a Little Blurry» kommt mit nur wenigen klassischen Interviews aus und integriert Smartphonevideos, die Billie Eilish und ihre Familie selbst gedreht haben. So bin ich als Zuschauerin bei den wirklich wichtigen Momenten ganz nah dran: Etwa als sie ihren Song «Ocean Eyes» zum ersten Mal im Radio hört. Als sie auf Tour einmal rund um die Welt reist.

Legende: Im Alltag Welt-Star, Zuhause Tochter: Billie Eilish und ihr Vater Patrick. Keystone / Apple TV+

Oder zurück in der Küche des Elternhauses in Los Angeles ist, wo ihre Mutter Ratschläge gibt fürs neue Album: «Für die letzten paar Songs die dir noch fehlen, kannst du ruhig mal probieren etwas zu schreiben, was du zwar noch magst, was aber etwas konventioneller und zugänglicher ist.»

Ich schreibe nicht für alle, die Songs müssen mir etwas bedeuten
Autor: Billie Eilish Musikerin

Billie versteht nicht, was «zugängliche Musik» heissen soll: «Ich schreibe nicht für alle, die Songs müssen mir etwas bedeuten». Und so gern sie ihre Songs singe, den Entstehungsprozess empfindet sie als Qual.

Wohl auch deswegen ginge das nie ohne ihren Bruder Finneas O’Connell. Das Songwriting passiert in kreativer Symbiose: Er produziert am Laptop die Sounds, sie sitzt im Schneidersitz auf dem Bett, singt und textet.

Legende: Gemeinsame Arbeit zahlt sich aus: Billie Eilish and ihr grosser Bruder Finneas O'Connell präsentieren ihre Grammys. EPA/DAVID SWANSON

The Show must go on

«The World's a Little Blurry» ist das Märchen «Pop-Star Overnight», erzählt aber auch von den Zwängen des Ruhms und des Musikbusiness.

In Mailand muss Billie ein Konzert zu Ende spielen, obwohl sie sich den Knöchel gebrochen hat. Und bei einem Meet and Greet mit Labelchefs und Musikjournalisten wird sie von lauter älteren Männern zugetextet.

Billie Eilish muss immer funktionieren – als Performerin und als Projektionsfläche. Damit sie funktioniert, weichen ihre Eltern nie von ihrer Seite und ein riesiges Team wuselt um sie herum.

Video
Billie Eilish: «Wer hat so etwas denn wirklich verdient?»
Aus SRF 3 Sommer vom 22.08.2019.
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Und doch suggeriert der Film, dass Billie Eilish die Fäden weitestgehend in der Hand hat. Ob das nun stimmt oder nicht – auf dieser Selbstbestimmtheit und Authentizität baut ihre Kraft als Role Model. Und genau die hebt sich ab von Produkten wie den Spice Girls oder Britney Spears, die meine Teenagerzeit geprägt haben. Sie sahen aus wie Models, waren immer gut gelaunt und so weit weg von meinen Sorgen.

Ich hätte mir jemanden wie Billie Eilish gewünscht, die als guter Kumpel und kluger Kopf ermutigt zu sich selbst und seinen Gefühlen zu stehen. Ich hätte mich wohl weniger einsam gefühlt.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 4.3.2021, 17:10 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Pierre de Senarclens  (Pierre de Senarclens)
    Ihr Knöchel war in Mailand zum Glück nur verstaucht.
    Ansonsten aber treffender Bericht. Sehr feiner, behutsamer Film über diese zerbrechliche, rotzfreche Frau mit Tourette. Meiner Meinung nach müsste der Bruder (im Film) aber noch mehr Gewicht bekommen, ohne ihn wäre sie nicht da wo sie steht. Er schreibt, textet, produziert, performt genauso viel wie sie...
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  • Kommentar von Marc Meier  (MMMEIER)
    Die Promis haben die Dokus entdeckt. Ist ja bei weitem kein neuer Trend, etliche habens vorgemacht: Lady Gaga, Beyonce, Michele Obama, Michael Jordan, etc... Natürlich sind die Promis auch immer gleich Produzenten ihrer eigenen Werbesendung, äääh ich meine Doku. Dann kann man nämlich erstens den Inhalt zu 100% selbst bestimmen (man möchte ja gut rüber kommen) aber auch einen Grossteil der Einnahmen einstreichen. Was das ganze dann noch mit einer "Dokumentation" zu tun hat...??
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