Jazzquartett Dinosaur Drei Männer tanzen nach Laura Jurds Trompete

Im Jazz sind üblicherweise Männer die Bandleader. Die 26-jährige Laura Jurd ist die Ausnahme: in der Gruppe «Dinosaur» gibt sie mit der Trompete den Ton an.

Laura Jurd mit Trompete und Bandkollegen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Laura Jurd gibt den Ton an, ihre Bandkollegen ziehen mit. Dave Stapleton/Edition Record Ltd

Das Wichtigste in Kürze

  • Die britische Trompeterin Laura Jurd leitet die vierköpfige Band «Dinosaur» – eine Ausnahme in der meist männerdominierten Jazz-Welt.
  • «Together, as One» heisst das Debüt von Dinosaur in Anspielung auf die langjährige Freundschaft der Bandmitglieder.
  • Laura Jurds Werdegang als Musikerin ist geprägt von Klassik und Jazz. Die Trompete ermöglicht ihr, Genregrenzen zu überschreiten.

Sie ist gerade mal 26 und die einzige Frau in der Gruppe «Dinosaur», in der sie als Bandleaderin und Chefin den Ton angibt – die Trompeterin Laura Jurd.

Die britische Musikerin bringt frischen Wind in die verkrustete Jazz-Welt, in der üblicherweise Männer dominieren. «Für mich ist das überhaupt kein Thema», erklärt sie, und sie glaubt, das sage schon eine Menge darüber aus.

«Geschlechtsspezifische Fähigkeiten», fährt sie fort, «Zuständigkeiten und Identitäten – ob Mann oder Frau – spielen in meiner Generation und in meinem Beruf zum Glück keine Rolle mehr.»

Vier Sonderlinge, eine Autorität

Laura Jurd lässt sich nicht einengen. Sie weiss, dass sie eine der wenigen Trompeterinnen in England ist. Sie hat eine natürliche Autorität und überzeugt mit ihrer Virtuosität.

Trompetistin Laura Jurd. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Laura Jurd ist als Jazztrompeterin eine Ausnahmeerscheinung. David Stapleton/Edition Records Ltd

In ihrer Musik, die sie mit ihrem Quartett «Dinosaur» macht, kommen diverse Einflüsse zum Ausdruck. Die sie selbst nicht unbedingt als Jazz charakterisiert, sondern als «von Rock und Folk beeinflusste, groovige Trompetenmusik, in den Händen von vier Jazz-Sonderlingen» bezeichnet.

Bandkollegen und Freunde

Über mehrere Jahre haben die vier Musiker zusammen gespielt, viel experimentiert, geprobt und immer mehr ihren Sound gefunden. So entwickelte sich die Gruppe immer mehr in die Richtung, in die Laura Jurd eigentlich schon immer wollte.

Laura Jurd verfügt über soziale Kompetenz. Ihre drei Mitstreiter – Elliot Galvin am Keyboard, Conor Chaplin am Bass und Corrie Dick am Schlagzeug – respektieren sie.

Seit sechs Jahren kennt sie ihre Bandkollegen. Alle vier verbindet eine innige Freundschaft. Der Umgangston ist fair.

Das wird am Titel des kürzlich erschienenen Debüts von Dinosaur deutlich. «‹Together, as One› drückt die Zusammenarbeit in der Band aus», sagt Laura Jurd. «Wir sind zwar vier verschiedene Individuen, aber musikalisch interagieren und funktionieren wir als eine Einheit.»

Laura Jurd, hier mit Elliot Galvin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Dinosaur» verstehen sich musikalisch und persönlich: Laura Jurd, hier mit Elliot Galvin. David Stapleton/Edition Records Ltd

Musikalische Freiräume

Diese Vertrautheit ist eine wichtige Basis für das gemeinsame Ausarbeiten der Kompositionen, die Laura Jurd liefert. Sie führt ihre Bandkollegen, die mitziehen, weil sie davon überzeugt sind, mit ihrer Chefin auf dem richtigen Weg zu sein.

Bei der Improvisation, ein entscheidendes Element in ihrem musikalischen Universum, lässt die Trompeterin ihren Mitmusikern viel Platz zur Entfaltung. So ist beispielsweise während vieler Konzerte das Stück «Underdog» – eine reine Improvisation – mit einem langen Keyboard-Solo von Elliot Galvin entstanden.

Von Jazz und Klassik geprägt

Laura Jurd ist im kleinen Ort Medstad in der südenglischen Grafschaft Hampshire aufgewachsen. Schon als Vierjährige probierte sie auf dem Klavier zu Hause ihre Improvisationskünste aus. In der Grundschule begann sie mit dem Trompetenspiel und beeindruckte als 16-Jährige mit eigenen Kompositionen am College.

Klassik – besonders Bartók und Strawinsky – und Jazz haben Laura Jurd sehr früh geprägt. Sie hatte gute Lehrer. Besonders einer von ihnen hat sie mit seiner musikalischen Offenheit beeinflusst und gefördert: der 2012 verstorbene Komponist Martin Read.

Seit dem Abschluss ihres Studiums am Londoner Trinity Laban Konservatorium 2013 hat sie in der britischen Jazzszene auf sich aufmerksam gemacht. Sie spielte bereits in verschiedenen Gruppen, darunter das Septett «Human Spirit» und ist Mitbegründerin von «Chaos Collective». Und jetzt ist sie Leiterin des Quartetts «Dinosaur».

Neue Klänge kreieren

Mutig und selbstbewusst spielt Laura Jurd mit verschiedenen Genres. Denn die Trompete, so sagt sie, sei vielseitig einsetzbar und geradezu dafür geschaffen, Grenzen zu überschreiten, Fusionen einzugehen und etwas Persönliches zu kreieren.

Laura Jurd – eine Musikerin mit Potential, die sich immer wieder neu definiert.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Jazz und World aktuell, 20.12.2016, 20:00 Uhr