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Legende: Audio Smartphones beim Popkonzert: Ohren zu, Handys an? abspielen. Laufzeit 16:50 Minuten.
16:50 min, aus Kontext vom 23.04.2019.
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Ein leidiges Lied Dein Smartphone, der Stimmungskiller

Applaus und abtanzen: Das war einmal. Heute filmt man Konzerte mit dem Smartphone. Pausenlos. Das nervt – auch namhafte Musiker.

Smartphones an Konzerten: ein ewiges Streitthema. Viele Fans wollen Fotos und Videos als Erinnerung aufnehmen und ihr Erlebnis über Social Media mit den Daheimgebliebenen teilen.

Andere aber wollen die Musik und die Show geniessen – ohne dass man ihnen ständig ein Handy vor die Nase hält. Auch viele Musikerinnen und Musiker sind zunehmend genervt von der «Generation Smartphone»: von Pink, über Jack White bis zu Adele, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Ein Meer von Leuchten

Auch die Kölner Band AnnenMayKantereit empfindet Smartphones an Konzerten als Störfaktor und Ablenkung: «Das ist keine schöne Stimmung, wenn man den Leuten nicht mehr ins Gesicht schauen kann. Ein Konzert lebt von der Interaktion mit dem Publikum. Diese geht dabei verloren», sagt Christopher Annen, der Gitarrist der Band.

Als Smartphones vor ein paar Jahren an ihren Konzerten überhand nehmen, schreiben AnnenMayKantereit den Song «Du bist überall, Link öffnet in einem neuen Fenster».

«Du bist überall» von AnnenMayKantereit

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«…Das hört sich jetzt erst mal komisch an,
Aber es ist kein schönes Gefühl, bei ‘nem Liebeslied die ganze Zeit mit einem Handy gefilmt zu werden
Den Scheiß guckst du dir eh nie wieder an
Und jetzt mal ganz im Ernst,
Wenn du die ganze Zeit so dastehst,
Der Typ hinter dir sieht überhaupt nichts und fuckt sich heimlich ab

Ja! Und du bist überall
Aber nicht hier bei mir…»

Die Band will darauf aufmerksam machen, dass die Fans körperlich zwar anwesend seien, geistig aber auf Facebook. Und darauf, dass sich die verwackelten und amateurhaften Konzertmitschnitte sowieso nie wieder irgendjemand nochmal ansieht.

Ganze Konzerte als Stream

Tim Neufeld aus den USA ist da anderer Meinung. Der 56-Jährige ist Professor an einer christlichen Uni und U2-Fan. Wann immer die Band tourt, ist er dabei – und hat dann meist das Handy in der Hand.

Aus dem Publikum heraus streamt er ganze Konzerte von U2 auf Periscope. Eine App, die es Smartphone-Nutzern ermöglicht, Momentaufnahmen in Echtzeit über das Internet in die Welt zu senden.

Weniger Ticket-Verkäufe?

2015 hat Tim Neufeld Periscope zum ersten Mal ausprobiert. Damit setzte er einen Trend, der viele Nachahmer und Fans gefunden hat.

Unterdessen fürchten die Konzertveranstalter um ihre Ticket-Einnahmen. Das sei Unsinn, so Neufeld: «Streams werden das echte Konzerterlebnis niemals ersetzen. Das kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen.»

Seine Streams führten nicht dazu, dass die Zahl der Konzertgänger schrumpfe. Sie wachse sogar, ist der 56-Jährige überzeugt: «Die Konzerte von U2 sind immer ausverkauft. 18'000 Leute schauen sich das Konzert vor Ort an und 10'000 weitere den Stream, den ich bereitstelle.»

Smartphones als neuer Applaus

Streaming also nur im Dienste der anderen? Streamen wir denn nicht vielmehr für uns selbst, für die vielen Likes auf Facebook und Instagram? Katy Perry etwa nutzt den Trend und kreiert selbst ein Hashtag für Streams von ihrer Tour: #Perryscope.

«Man muss die Zukunft umarmen, oder man verliert den Anschluss», sagt die Musikerin im Interview mit Mashable, Link öffnet in einem neuen Fenster. Perry ist überzeugt: «Smartphones an Konzerten sind der neue Applaus. Je mehr Smartphones desto besser.»

Dass wir sogar beim Auftritt unserer Lieblingsbands nur noch auf unser Phone fixiert sind, ist zwar bedenklich – ein pauschales Handyverbot wäre es aber auch.

Ich plädiere für die direkte Ansprache. Vielleicht geht dabei dem einen oder anderen dann auch ein Licht auf. Und zwar nicht das Licht im Handybildschirm.

Alternative Handyverbot?

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Viele Musikerinnen und Musiker fordern inzwischen Verbote für Aufnahmen und Streamings ihrer Auftritte. Alicia Keys und Jack White lassen an ihren Konzerten spezielle Handyhüllen der Firma Yondr verteilen, die nur mit einer Docking-Station ausserhalb der Konzert-Location verschlossen oder geöffnet werden können und so die Smartphonenutzung stark einschränken.

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