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Smarter Dirigent Ein Zürcher dirigiert sich in den Opern-Olymp

Philippe Jordan reitet auf einer Erfolgswelle: Der Zürcher Dirigent ist Musikdirektor der Pariser Oper sowie Chefdirigent der Wiener Symphoniker. Diesen Sommer dirigierte er seine erste Premiere im glamourösen Bayreuth. Angefangen hat er aber ganz klein.

Die Premierenvorstellung an den Bayreuther Festspielen leiten: Das ist für Dirigentinnen und Dirigenten gleichzeitig ein Ritterschlag und eine harte Bewährungsprobe.

Bayreuth – eines der glamourösesten klassischen Festivals, zu welchem die Kritiker aus aller Welt anreisen, mit Argusaugen das Geschehen beobachten und ihre Stifte gespitzt bereit halten. So war es auch dieses Jahr zur Premiere der Neuproduktion von Richard Wagners «Meistersinger von Nürnberg».

In den allermeisten Kritiken wurde Philippe Jordan für sein Premieren-Dirigat hoch gelobt: «Viele kammermusikalisch feingeschliffene Details» (NZZ), «durchsichtig klares, elastisches Dirigat voller Temperament und Detailfreude» (Spiegel), «nie dominierend, die Tempi sind angenehm fliessend» (BaZ).

Eine phänomenale Übersicht

Klarheit, Detailfreude, Farbenreichtum – diese Attribute prägen allgemein Philippe Jordans Dirigierstil. Davon zeugt auch seine erste Gesamtaufnahme der Sinfonien von Ludwig van Beethoven, die er mit dem Orchestre de l’Opéra national de Paris im Herbst 2016 vorgelegt hat.

Hinzu kommt eine phänomenale Übersicht über die Architektur der Werke. Dank ihr kann Jordan die strukturellen musikalischen Vorgänge stets präzise steuern und hat darüber hinaus die Reserve, um die volle emotionale Kraft der Werke zu entfalten. Erstaunlich ist auch, auf welch hohes Niveau er das Pariser Opernorchester gerade mit Beethovens Sinfonien gehievt hat, denn es hatte sie bisher noch nicht gespielt.

Werke aus fast allen Epochen

Philippe Jordan bestätigte damit eine frühere Grosstat: Sein Dirigat von Wagners Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» an der Pariser Opéra ab 2010. Auch dieses Opus magnum hatte der mittlerweile 43-Jährige gemeinsam mit dem Orchester von Grund auf neu erarbeitet. Es hatte den «Ring» seit den 1950er-Jahren nicht mehr gespielt, und diese Produktion wurde zum durchschlagenden Erfolg.

Diese beiden Meilensteine in Jordans Karriere verweisen auf sein breites Repertoire: Er dirigiert regelmässig sinfonische und musiktheatralische Werke aus fast allen Epochen (ausser Barockmusik). Schwerpunkte sind die Romantik und die klassische Moderne.

Schritt für Schritt zum Erfolg

Die Liebe zur Musik und zur Bühne wurde Philippe Jordan quasi in die Wiege gelegt: Er ist der Sohn der Tänzerin Käthe Herkner und des grossen Schweizer Dirigenten Armin Jordan. Dieser war ein Spezialist fürs schweizerisch-französische wie auch fürs Opernrepertoire.

Philippe Jordan ruhte sich aber weder auf seinen musischen Genen noch auf den Netzwerken seiner Eltern aus. Schritt für Schritt, mit Fleiss und Beharrlichkeit, arbeitete und musizierte er sich in den Opern-Olymp vor:

Klavier und Geigenunterricht in seiner Heimatstadt, Sänger bei den Zürcher Sängerknaben, Pädagogik-, Instrumental- und Kompositionsstudium in Zürich, erste Assistenzen als Dirigent im Ausland und schon mit zwanzig dann die erste Festanstellung als Korrepetitor am Theater in Ulm.

«Ochsentour» als am Klavier

Philippe Jordan beschritt also den klassischen, traditionellen Weg zum Operndirigenten. Er bewältigte die sogenannte «Ochsentour» als Korrepetitor. Das heisst: Im Eiltempo Klavierauszüge von Opern spielen lernen und Sänger und Sängerinnen am Klavier auf ihre Opernrollen vorbereiten. Ein äusserst anspruchsvoller Knochenjob und Multitasking «at its best».

Dabei lernte er zahlreiche Opernpartituren à fond kennen und konnte so ihre Eigenheiten und Geheimnisse gründlich studieren. Nach und nach übernahm er dann immer öfter selbst Dirigate am Theater.

Ankunft im Opern-Parnass

Bald wurde der smarte Zürcher Assistent von Daniel Barenboim an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, Gastdirigent an den bedeutendsten Opernhäusern von der New Yorker Met bis zur Scala in Mailand, Chefdirigent an der Oper in Graz und ab 2009 Musikdirektor der Opéra national de Paris.

Damit war er definitiv angekommen im Opern-Parnass. Und er fühlt sich dort ganz offensichtlich wohl, wie sein Erfolg dieses Jahr mit den Bayreuther «Meistersingern» sowie seine Wahl zum Musikdirektor an der Wiener Staatsoper zeigen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Weltklasse, 29.08.2017, 19:30 Uhr

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