Er macht Mozart discotauglich: Fagottist Burak Özdemir

Der türkische Fagottist Burak Özdemir will aus seinem Instrument den letzten Hauch von klassischem Staub wegblasen: Er kombiniert klassische Musik mit Elektrosounds, Videokunst und Performance – und verwandelt den Konzertsaal schon mal in eine Disco.

Ein Mann mit Lockenkopf sitzt auf einem Sofa und hätl ein Fagott in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Barock ist der neue Pop: Bei Burak Özdemir verschwimmen klassische Musik und Clubkultur. Schneider+

Dass sich Burak Özdemir für ganz unterschiedliche Genres interessiert, kommt wohl nicht von ungefähr: Sein Vater ist Professor für Komposition am Istanbuler Konservatorium und Jazzpianist, die Mutter war Balletttänzerin. Der 31-Jährige tritt schon früh in die Fussstapfen seines Vaters. Seit seiner Kindheit komponiert Özdemir elektronische Musik am Computer, experimentiert mit verschiedenen Klängen und ist fasziniert von den schier endlosen Möglichkeiten der elektronischen Musik.

Zusatzinhalt überspringen

Zur Person

Porträt eines jungen Herrn mit Lockenkopf und sinnlichen Lippen.

Schneider+

Burak Özdemir, geboren 1984 in Istanbul, ist ein deutscher Fagottist und Komponist. Als künstlerischer Leiter des Ensembles Musica Sequenza verfolgt Özdemir das Ziel, Alte Musik in einen modernen Kontext zu stellen und verbindet barocke Musik mit Elektrosounds. Sein neues Album «Sampling Baroque: Exposing Händel» erscheint im Juni.

Fagott und Elektronik – das passt

Burak Özdemirs andere grosse Leidenschaft gilt dem Fagott, das schon mal zum Tanzpartner wird auf der Bühne. An seinem Instrument liebt Özdemir vor allem seinen Klang: «Zwar ist das Fagott sehr alt, ein Renaissanceinstrument, dennoch ist es heute immer noch exotisch und mysteriös. Sein Klang passt für meinen Geschmack sehr gut zur Elektronik.»

In Istanbul und Berlin studiert Özdemir das Instrument, darauf macht er ein Aufbaustudium in historischer Aufführungspraxis und Musiktechnologie in New York. Özdemir stellt fest, er braucht eine Plattform für seine Musik. Denn er will beides: klassische Musik und Elektro, das lässt sich bei ihm nicht so einfach trennen. «Das sind meine Leidenschaften und Stärken, das ging immer parallel», sagt er. Darum bildet er 2011 mit Studienkolleginnen und -kollegen das Ensemble Musica Sequenza.

Klang, Licht und Videografie

Mit seinem Ensemble steht Burak Özdemir seither regelmässig auf der Bühne – in Clubs, aber auch im klassischen Konzertsaal. Seine Konzerte sind Gesamtkunstwerke; ein Zusammenwirken aus Klang, Licht, Videografie und Performance ist für Özdemir genauso wichtig wie die Musik selbst. Wenn er vom Computer aus sein Ensemble dirigiert, sieht er mit seinen muskulösen Armen und seiner Glitzerweste aus wie ein DJ aus einem Berliner Club. Wäre da nicht sein Fagott, dem er die schönsten und sanftesten Töne entlockt, bekannte Melodien von Bach oder Händel etwa. «Die Barockmusik gibt viel Raum zur Improvisation, weil Tempo und Dynamik noch nicht so vorgegeben sind wie im 20. Jahrhundert. Da hat man die Möglichkeit, die Werke persönlich zu gestalten.»

Abtanzen zu Bach und Mozart

Dass die klassische Musik ausstirbt, kann sich Burak Özdemir nicht vorstellen. Auch wenn er glaubt, dass sie sich momentan sehr verändert. Immer mehr junge Künstler vermischen klassische Musik und Elektronik, Jazz, Improvisation und Pop in neuen Konzertformaten und zeigen, dass man sehr wohl auch zu klassischer Musik von Bach oder Mozart tanzen kann. Denn auch das hat Burak Özdemir schon erlebt bei seinen Konzerten mit Musica Sequenza: «Bei den schnellen Nummern tanzte das Publikum wie auf einer Techno-Tanzfläche. Wir Musiker waren davon total überrascht und spielten dann auch anders – das war etwas ganz Besonderes.»

Sendungen zu diesem Artikel