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Ernst-von-Siemens-Musikpreis Komponist Beat Furrer nimmt die Musik existentiell ernst

Ein Meister der Reduktion: Der renommierte Ernst-von-Siemens-Musikpreis 2018 geht an den Schweizer Komponisten Beat Furrer.

Beat Furrer im Porträt.
Legende: Eine gute Wahl: Der Schaffhauser Beat Furrer gewinnt den Ernst-von-Siemens-Preis. David Furrer

Mit 250'000 Euro ist er einer der am höchsten dotierten Musikpreise überhaupt: Der Ernst-von-Siemens-Musikpreis wird wechselnd an Interpreten und Komponisten vergeben. Dieses Jahr gewinnt ihn der Schaffhauser Komponist und Dirigent Beat Furrer, Wahl-Österreicher und Gründer des renommierten Klangforum Wien.

Musiktheater im Mittelpunkt

Zwar komponiert Furrer für alle Ensemblegrössen und jedes Genre, sein heimliches Zentrum aber ist das Musiktheater. Sieben Opern hat er bisher geschrieben – wobei das keine Opern im eigentlichen Sinn sind, keine linear erzählte, stringente Geschichten. Es sind Metamorphosen und Kaleidoskope, die an extreme Orte, in extreme Seelenzustände führen.

Schon in seinem ersten Musiktheater «Die Blinden» aus dem Jahr 1989: Acht Blinde suchen ihren Führer, den einzig Sehenden, und erkennen schliesslich, dass er zwar unter ihnen ist, aber tot. Oder im «Wüstenbuch», wieder einem leeren, zeitlosen Endpunkt des Daseins mit ausgebleichten Knochen und vertrockneter, verwehter Musik. Oder in «Fama». Auch da sind wir an einem unwirklichen, unwirtlichen Ort, wo die Göttin des Gerüchts wohnt.

Reduzierte Kompositionen

Die Klänge, die Furrer für diese bedrohlichen Orte findet, sind oft reduziert, tastend, fragmentiert. Furrer lässt seine Musik oft ins Leere laufen, verwischt sie – oder splittert sie auf und verpasst ihr sozusagen multiple Persönlichkeiten.

Furrer ist eine der spannenden Stimmen unserer Zeit. Er nimmt Musik existenziell ernst und entwickelt dabei Klänge mit Sogkraft ganz ohne Hilfsmittel wie Elektronik, Video und Performance.

Wo bleiben die prämierten Frauen?

Beat Furrer, der Meister des bohrenden Nachfragens, der Reduktion und der Konzentration ist eine gute Wahl. Allerdings ist es auch enttäuschend, dass der Ernst-von-Siemens-Preis wieder an einen Mann geht. Die einzige Preisträgerin bisher war 2008 die Geigerin Anne-Sophie Mutter, die Männerquote liegt bei 44 zu 1.

Es geht nicht um eine Quotierung oder darum, die einen gegen die anderen auszuspielen. Aber es gibt einige Interpretinnen und Komponistinnen, die den Preis längst verdient hätten – etwa die Grande Dame der russischen Musik Sofia Gubaidulina. So ist das Bild, das die Ernst-von-Siemens-Musikstiftung vermittelt, in dieser Hinsicht etwas staubig.

Das ist umso unverständlicher, da die Stiftung mit Millionen Euro Jahr für Jahr viele Institutionen, Festivals, Projekte fördert. Ohne diese Förderung sähe die Szene der Neuen Musik anders aus.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kulturnachrichten, 23.1.2018, 06:01 Uhr.

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