Fachmagazine für Musik stehen unter Druck

Liebhaber klassischer Komzerte werden immer älter. Und mit ihnen auch die Magazine für klassische Musik. Die müssen sich jetzt etwas einfallen lassen, um die Leser bei der Stange zu halten. Zumal die Leser zwar älter werden, aber auch erfahrener mit den neuen Medien: Auch sie wandern ins Netz ab.

Unzählige Magazine in einem Gestell. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im bunten Wald der spezialisierten Blätter: Eine Fülle von Magazinen buhlt um die Aufmerksamkeit der Leserschaft. Keystone

In den Bahnhofsbuchhandlungen werden wir erschlagen von der Fülle bunter Magazine. Zu jedem nur denkbaren Thema zwischen Anglerfreude und Zeitgeist gibt es etwas.

Unter ihnen sind auch die Fachzeitschriften für Musik, ebenfalls bunt, unzählig viele. Darunter Zeitschriften, die mit Verbänden zusammenarbeiten, und solche, die darauf verzichten. Es gibt Spezialmagazine für Alte Musik und solche für Neue Musik. Dazu kommen noch Publikationen zum Thema, die nur übers Internet konsumierbar sind.

Mit den Feuilletons der Tages- und Wochenzeitungen und mit den Radio- und Fernsehanstalten buhlen sie alle um ein heterogenes Publikum, von dem man nicht sehr viel mehr weiss, als dass es neugierig, kulturell interessiert und nicht mehr das jüngste ist.

Der Druck steigt

Steigt der (psychische) Druck, weil der Markt enger, die Leser aber weniger werden und man schnell und laut auf sich aufmerksam machen muss? Oder nimmt im Gegenteil der (physische) Druck zu, steigt die Auflage bzw. Reichweite, weil der Markt zwar enger, aber globalisierter wird? Die Arbeitsbelastung jedenfalls steigt, denn allen Redaktorinnen und Redaktoren ist klar, dass ihr Publikum zwar älter werden mag, aber auch immer erfahrener im Umgang mit den neuen Medien. Auch wenn die gute alte Heftform nicht aussterben wird, solange es Leser gibt – um das Onlinegeschäft kommt heute niemand mehr herum. Und auch nicht um die Notwendigkeit, möglichst aufzufallen im bunten Wald der spezialisierten Blätter. Wobei natürlich keiner nur Nischeninhalte liefern will, sondern grossräumig relevante.

Bunte Verpackung tut not

Die bunte Verpackung tut not, ist aber nicht alles. Hochglanzfotos bekannter Stars auf dem Cover mögen Kaufanreize sein, müssen im Portrait oder Interview aber unterfüttert werden durch journalistisch saubere, das heisst spannende und gut recherchierte Arbeit. Dank einer grossen Lust am Metier findet diese Arbeit sich in den meisten Fällen noch. Auch wenn immer die Gefahr droht, im Finanzierungsdruck möglichst schnell zu arbeiten und aus der Hüfte zu schiessen.

Und wie steht es um die Unabhängigkeit? Dass ein CD-Label nur dann eine Anzeige im Heft platziert, wenn im Gegenzug ein redaktioneller Bericht über diesen oder jenen vom Label vertretenen Künstler erscheint? Nein, heisst es, solche Kopplungsgeschäfte gebe es nicht. Oder kaum. Und wenn, dann ist doch die journalistische Eigenständigkeit davon unberührt.

Nur die Ideenlosen frisst der Markt

Wie weiter? Mit Energie, Elan, Tempo und neuen Ideen: Zum Beispiel Leserreisen als Finanzierungsquelle. Zum Beispiel gezielte Auftritte mit Sonderheften an Festivals. Zum Beispiel mit «best of»-Häppchen in der Online-Version, um die Leserinnen und Leser damit zur Print-Version zu locken. Stress? Natürlich. Aufgeben? Noch lange nicht. Nur die Ideenlosen frisst der Markt.

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