Springsteens Gitarrist Feuer in der Seele: Little Steven

Er spielte in Bruce Springsteens Band, drehte für «Sopranos», inszenierte und produzierte «Lilyhammer»: Steven van Zandt alias Little Steven. Im Gespräch erklärt er, warum seine Musik auf dem neuesten Album nicht mehr politisch ist.

Porträt Little Steven mit schwarzem Kopftuch Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Little Steven ist mit einer neuen Soloplatte zurück: «Ich liebe dieses Album.» Keystone

SRF: Es hat lange 18 Jahre gedauert, bis ein neues Album von Ihnen erschien. Warum?

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Zur Person

Bruce Springsteen und Steve van Zandt

Steve van Zandt (rechts) mit Bruce Springsteen Keystone

Steven Lento ist sein Geburtsname, bekannt ist er auch als Miami Steve, Little Steven oder Steven Van Zandt.

Prominent wurde er durch seine Rolle als Begleiter und bester Freund von Bruce Springsteen, aber auch als Schauspieler in der TV-Serie «Sopranos», sowie in «Lillyhammer», die er auch produziert hat.

Little Steven: Nun, ich hatte viel zu tun. Und ich hatte meine Vorstellung davon, wie meine eigene Musik daherkommen sollte. Dieser Sound zwischen Soul und Rock'n'Roll war ja auch eine recht einzigartige Sache. Aber, ich hatte mich ehrlich gesagt etwas verrannt.

Meine Musik diente immer mehr nur noch den Texten und ihren politischen Inhalten. Auf diesem Weg macht man keine gute Musik. Als ich darüber nachdachte, ruft Bruce (Springsteen) an und sagt, er möchte die E Street Band neu zusammenstellen und zwar auch mit mir. Dann hab ich diesen Weg eingeschlagen.

Es ist also nicht so, dass Sie unbedingt noch etwas loswerden wollten, etwas noch ungesagt gelassen hatten?

Nein, nein, gar nicht. Es war sehr viel spontaner. Ich hatte ja auch genügend zu tun. Mit Bruce Musik aufnehmen, dann diese langen Tourneen, das braucht viel Zeit. Und dann die «Sopranos» und meine Fernsehserie «Lilyhammer».

Vor einem Jahr war ich in London eingeladen und jemand sagte: ‹Man kann deine alten Alben gar nicht mehr kaufen›. Und da dachte ich, wenn nicht ich, wer dann? Und wenn ich schon dabei bin, könnte ich doch auch grad ein neues Album machen. Am Ende der letzen Tournee mit Bruce habe ich mich dran gemacht.

«  Und wenn ich schon dabei bin, könnte ich doch auch grad ein neues Album machen. »

Es ist ein sehr vielfältiges Album geworden. Vom Blues bis James Brown reicht das Spektrum...

«Man ist, was man mag», sage ich immer! Ich bin in einer Zeit gross geworden, in der es jede Saison einen eigenen Trend gab, eine Art musikalische Monokultur. 1965 etwa den Folk-Rock, 1966 die Country Music, 1967 die psychedelische Musik.

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Konzerthinweis

Little Steven spielt am 29.6. mit seiner Band im Zürcher Kaufleuten.

Das hab ich alles mitgenommen. Bei der Band, bei der ich gross wurde (Southside Johnny & the Asbury Jukes), konnt ich das alles nicht recht ausleben, weil ich dann zur E Street Band gewechselt habe.

Ja, da sind einige Stile drauf, auch solche, die man von mir nicht erwartet. Aber das ist das erste Album, von dem ich sagen kann: «Es ist meines.» So mag ich das!

«  ‹Man ist, was man mag›, sage ich immer! »
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Gegen Apartheid

Gegen Apartheid

Eric Facon und Little Steven bei ihrem ersten Interview kurz nach Erscheinen von «Sun City».

1985 protestierte der Song gegen die Praxis, westliche Stars zum Auftritt in Sun City zu bewegen und damit die Apartheid zu legitimisieren.

Little Steven scharte dazu eine Menge Stars um sich: U2 und Miles Davis, Bob Dylan und Run DMC, Herbie Hancock.

Wird «Little Steven & the Disciples of Soul» nun ein ständiges Projekt?

Ich denke schon. Jeweils alternierend mit dem Jahr, in dem Bruce touren oder ins Studio will. Und dann hab ich auch noch fünf oder sechs Filmscripts herumliegen, die ich anschauen will. Langweilig wird mir also kaum.

Anfangs Ihrer Karriere waren Sie sehr politisch orientiert in Ihrer Musik – dieses Mal nicht mehr. Wäre jetzt nicht genau der richtige Moment?

Nein, ich denke nicht, dass man das, was in den USA und sonstwo passiert, auch noch in Lieder verpacken sollte. Man kann dem eh nicht entkommen in den USA, also gibt es keinen Grund, auch noch Lieder darüber zu schreiben. Früher war das anders.

Ich glaube die Single «Sun City», die wir damals gemacht haben, um gegen die Apartheid zu protestieren, die hat doch einige Menschen auf das Problem aufmerksam gemacht. Das kann man heute fast nicht mehr. Ebenso klar ist es aber, dass alle sich politisieren müssen.

«  Ich denke nicht, dass man das, was in den USA passiert, auch noch in Lieder verpacken sollte. »

Sie haben als Schauspieler, Musiker und Produzent gearbeitet – ganz nebenbei sind sie auch noch Radio-DJ der Sendung Underground Garage. Wie würden Sie denn Ihr eigenes neues Album ankündigen?

(Lange anhaltendes, glucksendes Lachen...) Oh Mann! Okay: Gott, was liebe ich dieses Album (...dann wieder langes Lachen.)

Das Gespräch führte Eric Facon.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt. 26. Juni 2017, 16.30 Uhr