Zum Inhalt springen

Header

Audio
Beitrag zur Eröffnung des Davos Festival
Aus Kultur-Aktualität vom 10.08.2021.
abspielen. Laufzeit 03:32 Minuten.
Inhalt

Frauen am Davos Festival Komponistinnen gibt es viele, man muss sie nur entdecken wollen

Bis heute sind Komponistinnen in der Klassik massiv untervertreten. Unter dem Motto «Aequalis» verschreibt sich das Davos Festival darum der Gleichberechtigung.

Mit Hingabe lässt Chiara Opalio die sinnliche Melodie des Quintett in fis-Moll der US-Komponistin Amy Beach aus dem Klavier perlen.

Für die Pianistin ist es die erste Begegnung mit der Amerikanerin Amy Beach – sowohl mit dem Werk als auch mit der Komponistin. «Den Namen hatte ich vorher noch nie gehört. Dabei bin ich beeindruckt von der Intensität und der Tiefe ihrer Komposition.»

Amy Beach – eine Kurzbiografie

Box aufklappen Box zuklappen
Legende: George Grantham Bain Collection / Library of Congress

Wunderkind, frühe Erfolge als Komponistin und die Heirat mit einem zwanzig Jahre älteren Arzt, der ihr nur noch zwei Auftritte pro Jahr erlaubte: Was wie der Stoff für ein amerikanisches Filmdrama klingt, ist die Lebensgeschichte von Amy Beach (1867 bis 1944).

Als erste Amerikanerin komponierte sie eine Sinfonie und setzte sich nach dem Tod ihres Mannes für Frauen ein, die trotz Haushalt und Kindern als Musikerinnen tätig bleiben wollten.

Ein Thema für die Zukunft

Komponistinnen wie Beach sind im klassischen Repertoire nach wie vor untervertreten. Unter dem Motto «Aequalis» verschreibt sich das Davos Festival darum der Gleichberechtigung. Ein Thema, das der 33-jährige Intendant Marco Amherd auch in Zukunft verfolgen will: «Es ist wichtig, dass wir die Gleichberechtigung nicht nur in diesem Jahr zum Thema machen. Ich möchte einen gesellschaftlichen Wandel mitgestalten.»

Amherd wolle auch in den nächsten Jahren darauf achten, dass regelmässig Komponistinnen gespielt werden. 50 Konzerte hat der Intendant des Davos Festival für die diesjährige Festivalausgabe konzipiert. Dabei können Besucherinnen und Besucher über 30 Komponistinnen kennenlernen.

Legende: Chiara Opalio am Klavier: 2020 trat sie am Davos Festival solo auf, dieses Jahr im Opalio Piano Quintett. DAVOS FESTIVAL/Yannick Andrea

Gewisse Seelenverwandtschaften

Für die Pianistin Chiara Opalio haben Werke von Komponistinnen schon vor dem Festival eine wichtige Rolle gespielt: «Für mich ist es wichtig, Werke von anderen Frauen zu spielen. Es gibt da eine gewisse Seelenverwandtschaft.»

Diese seelische Verbindung musste Opalio grösstenteils selbstständig knüpfen, denn während des Hochschulstudiums seien Komponistinnen kaum Thema gewesen.

Das bestätigt auch ihr Quintettpartner, der Cellist Martin Egidi: «Ich habe nicht viele Stücke von weiblichen Komponistinnen in meinem Studium gespielt. Ich finde es gut, dass man da jetzt vermehrt drauf achtet.»

Legende: Chercher la Femme: Das Opalio Piano Quintet bei seinem Auftritt in Davos. DAVOS FESTIVAL/Yannick Andrea

Komponistinnen entdecken

Mit dem Fokus auf komponierende Frauen öffnet das Davos Festival den Stars von morgen Türen, die an vielen Musikhochschulen noch verschlossen sind. Entsprechend empfänglich sind die jungen Musizierenden für das diesjährige Festivalmotto.

Auch beim Publikum kommt das Thema Gleichberechtigung gut an, wie die Einschätzung einer Zuhörerin zeigt: «Natürlich ist das ist ein super Thema. Für mich ist es ein wirklicher Mehrwert, hier Komponistinnen zu entdecken, die ich vorher nicht gekannt habe.»

Davos Festival

Box aufklappen Box zuklappen

Das Davos Festival findet heuer zum 36. Mal statt. Es versteht sich als Plattform für junge Musikerinnen und Musiker, die in Kammermusikformationen klassische und moderne Musik sowie Vokalmusik und Werke des Barock aufführen. Die diesjährige Ausgabe dauert noch bis zum 21. August.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 10.8.2021, 7:06 Uhr;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Max Schmied  (Max Schmied)
    Es ist schade, dass man nun sogar bei Komponisten das Geschlecht in den Vordergrund rückt. Sollte nicht einfach die Qualität des Werkes zählen – egal ob von Frau, Mann, Transgender oder Algorithmus komponiert? In der Neuen Musik-Szene und an Musikhochschulen sind Komponistinnen sehr gut vertreten. Die brauchen keinen Welpenschutz. Vor 1900 ziemte es sich als Frau nicht, zu komponieren, was natürlich unglaublich schade ist. Im Nachhinein lässt sich da aber leider nichts mehr geradebiegen.
    1. Antwort von Petra Hinterried  (PH7)
      es ist offensichtlich nötig, das Geschlecht in den Vordergrund zu rücken, sonst wird weiterhin nur die Musik von weissen und meist toten Männern gespielt. Wer weiss, vielleicht wird es bald so selbstverständlich, dass Menschen aller Geschlechter und jeder Herkunft komponieren (können), dass diese Kategorien obsolet werden. schön wär's!