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Ein Mann mit Sonnenbrille zupft an seiner Gitarre.
Legende: Er will ja nur spielen: Roman Nowka, Schweizer Gitarrist mit amerikanischer Vergangenheit. ZVG
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Gitarrist Roman Nowka Der Sound, der aus der Stille kommt

Auf der Gitarre sei er von Jahr zu Jahr schlechter, sagt Roman Nowka. Gut so: Begegnung mit einer Ausnahmeerscheinung.

Es war mal wieder ein Balanceakt – zuletzt am 30. Schaffhauser Jazzfestival. Viele Gitarristen gibt es nicht, die sich allein auf die Bühne wagen. Die meisten gehören zu einer Band und spielen dort eine Begleitung oder die Melodie. Beides gleichzeitig? Eher schwierig.

Roman Nowka fühlt sich wohl mit dem ständigen Kompromiss zwischen zwei Funktionen. Der 39-Jährige geniesst die Unmittelbarkeit. Ihn entspannt, wenn er allein bestimmen kann, wo es musikalisch hingeht.

Von der Hand in den Mund

Schon die ersten Jahre in Roman Nowkas Leben verlaufen anders als bei vielen Schweizer Kindern. Als er ein Jahr alt ist, ziehen seine Eltern mit ihm nach Los Angeles.

Sein Vater, ein klassischer Gitarrist, tritt während mehreren Jahren entlang der Venice Beach als Strassenmusiker auf. Die Mutter verkauft an seiner Seite Sandwiches.

Unmittelbarkeit ist von Anfang an ein Motiv in Roman Nowkas Leben. Sie wird sich später auch in seiner Musik spiegeln.

Die Lektion des Vater

Kurz vor der Einschulung zieht Roman Nowkas Familie wieder zurück in die Schweiz. Es ist auch die Zeit, in der Roman den ersten Gitarrenunterricht von seinem Vater bekommt.

Der pusht den Sohn aber nicht. Er «zeigt ihm nur einige Dinge». Die entspannte, lockere Atmosphäre weckt die Lust bei Roman Nowka. Als er in die Teenagerjahre kommt, steht für ihn fest: Er will Musiker werden.

Als die Magie flöten ging

Der Vater unterstützt diesen Berufswunsch. Er findet aber, dass Roman Nowka ein Musikstudium absolvieren soll, was dieser schliesslich an der Jazzschule Luzern tut.

Rückblickend sieht Roman Nowka diese Ausbildung aber als Fehler. Die Magie an der Musik sei durch das Anhäufen von musiktheoretischem Wissen verloren gegangen.

Erst Jahre nach dem Abschluss findet er diesen Zauber wieder – zum Beispiel bei Solo-Auftritten.

30. Schaffhauser Jazzfestival bei Radio SRF2

  • Vorschau in «Jazz & World aktuell», Freitag, 24. Mai, 20:00 Uhr
  • Live-Übertragung, Freitag, 24. Mai, 21:00 bis 24:00 Uhr

Es braucht keine Show

Nimmt Nowka die Gitarre heute in die Finger, dann aus reiner Freude am Spielen. Technik übt er keine mehr. Doch das hinterlasse auch seine Spuren. «Verglichen mit meiner Zeit an der Jazzschule», so Nowka, «spiele ich von Jahr zu Jahr weniger gut Gitarre.»

Das Klischee des showmässigen Gitarrenhelden trifft auf ihn nicht zu. Die Gitarre ist für Roman Nowka kein Vehikel zur Selbstdarstellung, sondern ein Instrument im eigentlichen Sinn: ein Gerät, mit dem er sich ausdrückt.

Pssst!

In seinen Augen nützt ihm technische Virtuosität alleine nichts. Sein Naturell ist still und sanftmütig. Das zeigt sich in seinem aktuellen Album «The Red Album».

Die Stücke klingen aber auch deshalb so fein und leise, weil der alleinerziehende Vater sie abends zu Hause in der Stube komponiert hat. Auf gar keinen Fall wollte er seine schlafende Tochter wecken.