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Legende: Video Die faszinierenden Klangkunst-Installationen von «Cod.Act» abspielen. Laufzeit 01:24 Minuten.
Aus SRF Kultur vom 07.05.2019.
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Grand Prix Musik Ausgezeichnete Männer-Maschinen-Musik

Für ihre computergesteuerten Klang-Installationen erhalten Cod.Act den Schweizer Grand Prix Musik 2019.

Die Kreatur hat sich verheddert. Lange hatte sie sich am Boden gewunden, gerieben, ja, mit sich selbst gerungen und ausserirdische Töne gefiepst – diese quietschfidele, dreibeinige Gestalt aus Gummi und Metall. Jetzt steckt sie fest.

Michel Décosterd, ihr Erbauer, hebt die künstlichen Beine des vier Meter grossen Tripods , Link öffnet in einem neuen Fensteran, befreit ihn aus der Zwicklage. Da schlägt die Kreatur um sich. Décosterd zögert einen Augenblick und ergreift die Flucht.

Zwei Männer stehen neben einer Installation.
Legende: Eine Synthese zwischen Klang, Installation und Bewegung. Ars Electronica

Macht der Algorithmen

Die Geister, die er rief? So surreal die Szene ist, man hat nicht den Eindruck, als hätten Cod.Act ihre Besen nicht im Griff. Obschon sie vieles dem vermeintlichen Zufall überlassen: der Macht der Algorithmen.

Im Computer nimmt alles seinen Anfang, aus vordefinierten Parametern entspinnt sich ein spontanes Hin und Her. Eine wilde Dynamik, die hie und da für grosse Überraschungen sorgt.

Wie Maschinen Klang werden

Die Brüder André und Michel Décosterd hatten keinen Plan, aber instinktiv Radikales im Sinn, als sie vor 20 Jahren in La Chaux-de-Fonds begannen, nach einer künstlerischen Sprache zu suchen.

Mit ihrem Label Cod.Act fanden sie das: die Synthese zwischen Klang, Installation und Bewegung. Cod.Act interessiert sich dafür, wie Sounds im wechselseitigen Dialog mit Maschinen mutieren. Wie die Maschinen sozusagen selbst Klang werden.

Musikalische Forschung

André Décosterd erfindet den Sound am Computer. Michel Décosterd baut die Maschinen dazu. Cod.Act forschen auf der Achse von Körperlichkeit und Entkörperlichung, verschränken Physik mit Kunst, jonglieren Wissenschaft mit Humor.

Sie lassen Opernsänger durch den Raum schweben, Orchester von künstlichen Lichtsignalen dirigieren oder alte Lautsprecher buchstäblich abrocken, wie in ihrer letzten Installation «Sound City», Link öffnet in einem neuen Fenster.

Zwei Männer werkeln an einer Installation herum.
Legende: André Décosterd erfindet den Sound am Computer. Michel Décosterd baut die Maschinen dazu. Ars Electronica , Link öffnet in einem neuen Fenster

Innovatives Musikschaffen

Die Entwicklung eines Projekts nimmt mehrere Jahre in Anspruch. Die Brüder arbeiten in ihren jeweiligen Ateliers. Bis eine gemeinsame Idee reift. Dann tun sie sich wieder zusammen und tüfteln das Projekt zu Ende.

Zum Grand Prix Musik

Das BAK mandatiert jährlich rund zehn Expertinnen und Experten aus dem Bereich Musik. Diese schlagen Kandidatinnen und Kandidaten aus allen Regionen der Schweiz und aus sämtlichen Musiksparten vor.

Ihre Auswahl wird anschliessend der Eidgenössischen Jury für Musik unterbreitet. Im Januar 2019 haben die sieben Mitglieder der Jury das Gewinnerduo des Grand Prix Musik sowie die 14 Preisträgerinnen und Preisträger der Schweizer Musikpreise bestimmt.

Folgende 14 Musikerinnen und Musiker oder Ensembles werden mit einem Schweizer Musikpreis ausgezeichnet: Bonaventure – Soraya Lutangu (Rougemont VD), d’incise – Laurent Peter (Genf), Pierre Favre (Le Locle), Ils Fränzlis da Tschlin (Engadin), Béatrice Graf (Nyon), Michael Jarrell (Genf), Kammerorchester Basel (Basel), KT Gorique (Sitten), Les Reines Prochaines (Basel), Rudolf Lutz (St. Gallen), Björn Meyer (Bern), Andy Scherrer (Brunnadern SG), Sebb Bash (Lausanne) und Marco Zappa (Locarno).

Der Schweizer Grand Prix Musik ist mit 100'000 Franken dotiert, die Schweizer Musikpreise mit je 25'000 Franken.

Darum überrascht nur im ersten Moment, dass die in der Öffentlichkeit wenig bekannten Cod.Act den mit 100’000 Franken dotierten Grand Prix Musik erhalten. Die Wahl ist stimmig. Per Definition würdigt der Preis herausragendes und innovatives Musikschaffen.

Komplex aber zugänglich

Es ist auch ein Entscheid, der dem Zeitgeist gerecht wird. Denn digitale und interdisziplinäre Kunstformen prägen immer mehr auch musikalisches Schaffen.

So kopflastig und komplex diese Kunst in der Anlage ist, so zugänglich und publikumsnah ist sie in der Ausführung. Ein Spektakel, nichts weniger.

Sendung: Radio SRF News, 07.05.2019, 11:33 Uhr.

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