Hoch hinaus, nah am Abgrund: Sopranistin Diana Damrau

Stratosphärisch sind die Höhen, in die die deutsche Koloratursopranistin Diana Damrau mühelos hinaufklettert. Meist sind es wahnsinnige Frauen, die sie spielt, zu denen sie auf der Bühne ein Stück weit auch wird. Wahnsinnig oder böse, aber auf jeden Fall nie harmlos und blass.

Bühnenbild: Eine weiss geschminkte Frau sitzt singend in einer Schaukel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Höhenangst ist ihr fremd: Diana Damrau 2006 während einer Probe für die Mozart-Oper «Ascanio in Alba». Keystone

Die allererste Partie war die Eliza im Musical «My Fair Lady». Da war Diana Damrau gerade mit dem Studium fertig und wurde ans Staatstheater Würzburg geholt. «Es war fantastisch», sagt sie über diese Zeit, «wie im Schlaraffenland. Da lagen all die Partien vor mir und ich konnte einfach aussuchen.»

Bei der Eliza konnte sie ihr komisches Talent ausleben, von dem sie nicht wenig hat. Mittlerweile aber ist sie mit ihrer Stimme, die nach oben kaum Grenzen kennt, zur Expertin für Opernfiguren am Abgrund geworden.

Mit Pudelmütze und Badehaube

Eine davon ist die Königin der Nacht. «Richtig böse ist sie», sagt Diana Damrau, hat aber gleichzeitig Verständnis dafür. Ihr Gatte hat sie bei seinem Tod hintergangen – und seine Macht dem Gegenspieler Sarastro vererbt. Weil Frauen für so etwas ja nichts taugen. Das hat sie hart und böse gemacht. Und entsprechend muss sie auch spielen.

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Viva la Diva

Früher waren Diven wie Maria Callas und Marilyn Monroe umweht von einem Hauch von Tragik. Diven heute verzaubern auch ihr Publikum und sorgen für grosse Gefühle. Aber sie haben Kinder, lachen gerne und tragen auch mal Lederhosen. SRF Kultur zeigt die vielen Facetten der Diva von heute: Viva la Diva.

Richtig heftig fasst Diana Damrau jeweils ihre Paminen an, wenn sie ihnen den Dolch in die Finger drückt, mit dem diese Sarastro umbringen soll. Diana Damrau kennt die Partie im Schlaf. Damit ist sie auf der ganzen Welt aufgetreten; mal betrat sie die Bühne zu Fuss, mal schwebend, mal in einem Gefährt. Und immer trug sie üppigen Kopfschmuck, einen Federbusch, einen Strahlenkranz, eine giftgrüne Pudelmütze oder eine mit Perlen geschmückte Badehaube, auffällig und bisweilen wohl auch ganz schön schwer.

Kein Laut der Klage von Diana Damrau, im Gegenteil: Sie lacht darüber. «Wenn man nicht selber auch ein bisschen verrückt ist, geht das gar nicht.» In der Zwischenzeit hat sie sich von der Königin der Nacht verabschiedet. Schade zwar, aber verständlich. Die Erholungszeit nach einem Auftritt werde immer länger, sagt sie. Und mit den Kindern hat sich ihre Stimme verändert, weiterentwickelt in Richtung Belcanto.

Eine Deutsche in Mailand

«La Traviata», das war ihr Einstieg, regelrecht angefixt wurde die Zwölfjährige, als sie daheim am Fernseher den Zeffirelli-Film sah, in dem Teresa Stratas, zart und zerbrechlich, durch leicht heruntergekommene Paläste irrte und am Ende in Schönheit starb. Sie habe geheult, erzählt Diana Damrau, und gleichzeitig gewusst, dass sie das auch wollte, mit der Stimme die Menschen so zu berühren.

Es dauerte dann aber noch ein Weilchen mit der Violetta. Selbst die ersten Anfragen zum Einspringen lehnte sie ab. Erst, wenn die Zeit reif sei. Jüngst ist der grösste Violetta-Traum der Diana Damrau in Erfüllung gegangen: Sie, die Deutsche, eröffnete als Traviata die Stagione in der Mailänder Scala. Und obschon sie vielleicht nicht so zerbrechlich wie die Stratas im Nachthemd wirkte, hat sie doch die Menschen mit ihrem Gesang und ihrer authentischen Interpretation berührt. Und beim Mailänder Publikum will das etwas heissen.

Lieber Michael Jackson

Hohe Noten und hohe Ansprüche – damit lebt Diana Damrau seit geraumer Zeit. Bodenhaftung geben ihr die beiden Jungs, die wann immer möglich mitreisen. Und das, obschon sie Michael Jackson lieber mögen als die Musik, die die Mama singt.

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