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Ernst von Siemens Preis: Einschätzung von Musikredaktor Florian Hauser
Aus Kultur-Aktualität vom 23.01.2020.
abspielen. Laufzeit 03:38 Minuten.
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Hohe Ehre für Bratschistin Tabea Zimmermann bekommt den «Nobelpreis der Musik»

Die Bratschistin erhält den Ernst von Siemens Preis – sie hat dafür gesorgt, dass die Bratsche ihr verstaubtes Image endgültig ablegen konnte.

Nach der Geigerin Anne-Sophie Mutter im Jahr 2008 und der Komponistin Rebecca Saunders im Jahr 2018 ist nun wieder eine Frau an der Reihe: Die Bratschistin Tabea Zimmermann erhält den Ernst von Siemens Preis. Dies nach einer langen Folge von ausschliesslich männlichen Preisträgern, von Pierre Boulez bis Heinz Holliger, Daniel Barenboim bis Maurizio Pollini.

Mehr Frauen in der Jury

Die Ernst von Siemens Musikstiftung beginnt, ihr Image zu verändern. Was wohl kaum daran liegt, dass in der Jury mittlerweile doppelt so viele Frauen sitzen wie früher. Nämlich die Komponistin Isabel Mundry, die Intendantin der Zürcher Tonhalle Ilona Schmiel, die Geigerin Carolin Widmann und die Intendantin der Berliner Philharmoniker Andrea Zietzschmann.

Nein, das ist es nicht. Es wäre absurd anzunehmen, dass Frauen halt gern Frauen wählen. Es geht um Qualität – was im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass sich bisher keine hohe Qualität bei den Musikerinnen finden liess, sondern dass schlicht nicht danach gesucht wurde. Indem sich nun aber die interne Diskussionskultur zu verändern scheint, nähert sich die Jury langsam der gesellschaftlichen Realität an.

Aus der Nische geholt

Dass die Wahl 2020 auf die Bratschistin Tabea Zimmermann fällt, ist in mehrfacher Hinsicht interessant: Zimmermann ist eine so solide wie hervorragende Musikerin. Zudem gehört sie zu den Pionierinnen, die für ihr Instrument sehr viel getan haben, um es aus der Nische herauszuholen.

Das versuchte vor ihr schon die Japanerin Nobuko Imai. Heutzutage gibt es auch die Supervirtuosen Nils Mönkemeyer und Antoine Tamestit, die endgültig dafür gesorgt haben, dass die Bratsche in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Aber Tabea Zimmermann war eben die erste Bratschistin, die konsequent anfing, das verstaubte Image der Bratsche abzulegen.

Inspirierende Allrounderin

Tabea Zimmermann, Jahrgang 1966, beendete schon mit 20 Jahren ihr Studium. Anschliessend was sie die jüngste Professorin Deutschlands, gründete ein eigenes Streichquartett und ist heute in der Kammermusik ebenso zuhause wie im Orchester als Solistin, spielt Uraufführungen und ist auf Festivals präsent.

Sie ist keine Diva wie Jessye Norman eine war, kein Bühnentier wie Anne Sophie Mutter. Aber eine inspirierende Allrounderin. Und vielleicht spricht auch diese Tatsache für ein neues Image der Ernst von Siemens Musikstiftung.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 22.1.2020, 06:50 Uhr.

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