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Vor 50 Jahren starb die Rock-Ikone Jim Morrison
Aus Tagesschau vom 03.07.2021.
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Ikone der Sixties Jim Morrison – mehr als nur der Posterboy einer Generation

Ein magnetischer, herausfordernder Blick, ein schönes Gesicht – Jim Morrison war eine der Ikonen der Sixties. Der charismatische Sänger der US-amerikanischen Band «The Doors» verstarb am 3. Juli vor 50 Jahren.

Die Sixties waren das Jahrzehnt der Jugendkultur. Nun gab es im grossen Stil das, was es vorher nur ansatzweise gab: Kultur von Jungen für Junge. Im Mittelpunkt stand die Musik, das Transportmittel von politischen Botschaften und persönlichen Statements.

Die Welt der populären Musik lieferte Stilikonen, die verwegen aussahen, die bestens als Bürgerschreck taugten. Da gab es die Beatles, die in allem den Ton angaben, ihr Gegenstück, die etwas schlampiger aussehenden Rolling Stones.

Ein Blick – melancholisch und verwegen

Der flamboyant farbig gekleidete Übergitarrist Jimi Hendrix und der langhaarige Spötter Frank Zappa, mit heruntergelassenen Hosen auf dem WC sitzend, zierten manches Teenager-Schlafzimmer. Der wichtigste Posterboy der Zeit war aber eindeutig Jim Morrison.

Legende: Jim Morrison mit den drei Bandkollegen Ray Manzarek, John Densmore und Robby Krieger von den «Doors». Getty Images / Estate of Edmund Teske

Eine Fotostrecke des Lead-Sängers der kalifornischen Doors zeigte ihn als Adonis, mit barem Oberkörper, ein dünnes Kettchen auf der Brust, die Arme ausgestreckt, ein kantiges Gesicht, umrahmt von einem dichten Lockenkopf. Dann der Blick, der den Betrachter, die Betrachterin fixierte, herausfordernd, melancholisch, verwegen.

All diese Eigenschaften transportierte auch die Musik der Doors, einer Band benannt nach dem Essay «The Doors of Perception» (Die Pforten der Wahrnehmung) des britischen Schriftstellers Aldous Huxley, der darin seine bewusstseinserweiternden Erfahrungen mit Drogen schilderte.

Er sang unerhörte Geschichten

Auch die Doors stiessen Türen auf: das Quartett aus Los Angeles verwob in seinem einzigartigen Sound klassische, jazzige und psychedelische Elemente mit bluesigem Rock’n’Roll, mit der prominenten Orgel Ray Manzareks als wichtiges Stilelement.

Darüber legte Jim Morrison seine wandelbare Stimme, mit der er unerhörte Geschichten erzählte. Er kannte in seinen Texten keine Grenzen. Er sang von oedipalen Verflechtungen, von Sex und Vatermord, von Drogen und traumatischen Kindheitserinnerungen – kein Tabuthema der Elterngeneration und des Establishments wurde ausgespart.  

Erzogen mit militärischer Härte

Kein Wunder, denn James Douglas Morrison hatte eine Rechnung offen. Er kam 1943 als Sohn des ranghohen US-Militärs George Stephen Morrison zur Welt; dieser erzog den jungen Jim und seine Geschwister mit militärischer Härte. Später leitete er als Offizier eine Aktion, die zum Vietnamkrieg führte.

Als Jim Morrison die Filmschule in Los Angeles besuchte, kappte er jede Kommunikation mit seiner Familie; er tauchte erst als Lead-Sänger der Doors wieder in deren Sichtfeld auf, mit dem Album, auf dem er über Vatermord singt.

Legende: Noch heute ein viel besuchter Pilgerort – das Grab von Jim Morrison auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Reuters / Charles Platiau

Am Ende ging Jim zu weit

Admiral Morrison schrieb daraufhin einen Brief, in dem er seinem entfremdeten Sohn jegliches Talent zum Sänger absprach. Millionen Menschen weltweit sahen das anders. Die Doors wurden zu einer der wichtigsten Bands jener Zeit, Jim Morrison zu einem ihrer Aushängeschilder.

Morrison selbstzerstörerische Ader forderte ihren Tribut: Als er am 3. Juli 1971 mit 27 Jahren in Paris starb, war er bärtig und aufgedunsen von Drogen- und Alkoholmissbrauch. Nun war er nicht mehr der Posterboy, er war das Symbol einer Generation, die Türen aufstiess, die aber manchmal zu weit ging.

SRF 3, 2.7.2021, 14.30 Uhr

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