Ein klarer, strahlender, singender Klang: das Markenzeichen des berühmten Schweizer Flötisten Peter-Lukas Graf. Diesen Klang trug er in die Konzertsäle auf der ganzen Welt. Seine beispiellos lange Karriere dauerte über 70 Jahre, während der er auch als Pädagoge viele junge Musikerinnen und Musiker geprägt hat.
Musiker mit ungeheurer Selbstdisziplin
Bis zuletzt blieb Peter-Lukas Graf neugierig. Stets auf der Suche nach musikalischer Tiefe, feilte er an seinem Klang, gab sich nicht zufrieden, lehnte sich nie zurück. Er war ehrgeizig, selbstkritisch und hatte eine ungeheure Selbstdisziplin.
Kurzum: Peter-Lukas Graf war ein Phänomen. Welcher Musiker übt noch im Alter von über 90 Jahren täglich mehrere Stunden an seinem Instrument, insbesondere auf der Flöte, die körperlich sehr viel verlangt? Gerade dies hat ihn am Instrument fasziniert.
Ein fordernder Lehrer
«Das starke physische Engagement, das bei der Flöte nötig ist, ist das Stimulans: Es bewegt einen dazu, immer weiter zu üben», sagte Graf einst. «Ich habe mich oftmals gefragt: Warum gibt man sich jahrzehntelang mit so einem primitiven kleinen Rohr ab – und hat dennoch immer das Gefühl hat, man müsse es eigentlich erst richtig lernen?»
Peter-Lukas Graf hat denn auch nie aufgehört, mit dem Instrument zu arbeiten. Diesen Willen und diese Ausdauer hat er in seiner langen Unterrichtstätigkeit auch seinen Studierenden mitgegeben. Als Lehrer war er fordernd und streng, oberflächliches Musizieren war ihm zuwider. Jede musikalische Phrase musste einen Sinn ergeben.
Von Zürich in die ganze Welt
Geboren wurde Peter-Lukas Graf 1929 in Zürich, studiert hat er dann unter anderem beim legendären Flötisten Marcel Moyse in Paris. Nach ersten Preisen und dem Gewinn des renommierten ARD-Wettbewerbs 1953 hat Graf seine musikalische Karriere als Soloflötist in Winterthur begonnen.
Später war er mehrere Jahre auch Dirigent am Stadttheater Luzern. Vor allem aber bereiste er als Solist die ganze Welt: Er war regelmässiger Gast vor allem in Asien, aber auch in den USA oder in Mexiko.
Vom Einstieg in den Himmel
«Einmal habe ich Teotihuacán, eine alte Mayastadt, besichtigt – gegen Abend, als es praktisch keine Menschen mehr hatte», beschrieb Graf ein Erlebnis in Mexiko. «Ich bin auf eine Pyramide gestiegen, die so angelegt ist, dass man, wenn man hinaufsteigt, nie die Spitze sieht. Man weiss also nie, wann man ankommt. Ein unglaubliches Erlebnis. Man fühlt sich, als stiege man in den Himmel hinein. Und als ich oben ankam, ging genau in meiner Richtung der Mond auf und auf der anderen Seite die Sonne unter.»
Nun ist Peter-Lukas Graf – oder «Peluk», wie ihn seine Freunde nannten – ganz oben angekommen. Seine Reise hier auf der Erde ist zu Ende gegangen: Am 31. Dezember ist der Musiker im Alter von 96 Jahren gestorben. Übrigens: 2021 wurde auch ein Asteroid nach ihm benannt.