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Musik-Spitex: Mit Musik gegen Einsamkeit
Aus Kultur-Aktualität vom 07.07.2021.
abspielen. Laufzeit 04:07 Minuten.
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Klassische Musik Die Musik-Spitex pflegt die Seele

In Baselland können Pflegebedürftige Profi-Musikerinnen und -musiker für Hauskonzerte buchen.

Hauslieferservice boomt: Ob eine warme Mahlzeit, Supermarkteinkäufe oder die häusliche Pflege – vieles kann heute bequem nach Hause geliefert werden. Ein neues Projekt bringt nun auch Livemusik nach Hause – zu jenen Menschen, die wegen einer Krankheit oder ihres Alters nur noch selten nach Draussen kommen.

«Musik-Spitex» heisst das Projekt. Gegründet hat es Mirjam Toews vom Verein Cassiopeia. Dieser Verein setzt sich für kulturelle Teilhabe ein – genau davon sind pflegebedürftige Menschen oft ausgeschlossen. 

Ein Gewinn für Musiker und Seniorinnen

Damit klassische Livemusik nicht nur von den gesunden Mitgliedern der Gesellschaft, sondern von allen genossen werden kann, hat Mirjam Toews die «Musik-Spitex» gegründet.

Die Idee dazu kam der Musikerin und Kulturmanagerin im Herbst 2020, als ältere Menschen zu vereinsamen drohten. Gleichzeitig brachen den Kulturschaffenden wegen der Corona-Schutzmassnahmen die Engagements weg. 

«Im Herbst 2020 hatten viele Musikerinnen und Musiker seit Monaten kein einziges Konzert gespielt», erzählt Mirjam Toews. «In der Musik-Spitex konnten sie erstmals wieder auftreten. Das war auch für die Musiker ein besonderer Moment.»

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Demente Menschen fangen an zu singen

Mirjam Toews ist selbst als Bratschistin von den Corona-bedingten Konzertabsagen betroffen und spielt bei der Musik-Spitex mit. Die emotionalen Reaktionen der älteren Menschen hat sie in ihrer Arbeit bestärkt.

«Livemusik kann viel stärkere Emotionen auslösen als eine CD oder Musik aus dem Radio», ist Mirjam Toews überzeugt. «Ich habe selbst erlebt, wie eine demente, sonst stumme Person, angefangen hat, zu unserer Musik zu singen. In solch einem Moment sind auch die Angehörigen wahnsinnig gerührt.»

«Man muss mit den Emotionen umgehen können»

Dennoch weiss sie, dass es für diese Arbeit auch starke Nerven braucht: «Man weiss nie, was einen erwartet. Manche liegen im Sterben und hören vielleicht ein allerletztes Mal Livemusik. Mit diesen Emotionen muss man umgehen können.»

Mirjam Toews kann es – und auch die Musiker, die sie für die Musik-Spitex engagiert und auf die Konzertnachmittage vorbereitet und begleitet. Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Kooperationspartner Peter Kury, dem Leiter der Spitex Allschwil Binningen Schönenbuch. Gemeinsam haben die beiden Sponsoren gefunden, die den Musikerinnen einen tariflich vereinbarten Lohn zusichern – und das Konzerterlebnis für das Publikum gratis ermöglichen.

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Die Spitex schafft Vertrauen in das neue Projekt

Gleichzeitig fördert die Spitex das Vertrauen in das Projekt, sagt Peter Kury: «Die Spitex kommt in die Privaträume der Kundinnen und Kunden hinein – da ist schon mal eine Vertrauensbasis da», sagt er. Auch er hat schon viele berührende Momente bei diesen Konzerten erlebt. «Wir sind in den intimen Räumen der Menschen. Dass dort Emotionen – egal in welcher Art – zum Tragen kommen, ist doch einfach schön.»

Für Peter Kury ist klar: «Die Spitex pflegt den Körper – und die Musik-Spitex die Seele.» Und Mirjam Toews will das Projekt nicht nur auf die Corona-Zeit beschränken: «Das Bedürfnis ist da, auf beiden Seiten. Denn ältere, pflegebedürftige Menschen sind auch ohne Pandemie vom kulturellen Leben weitgehend abgeschnitten.»

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 7.7.2021, 8:15 Uhr

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