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Klavierwettbewerb Er wollte nicht mit Pierre Boulez spielen: der Pianist Géza Anda

Géza Anda war einer der prominenten Pianisten der Nachkriegszeit. 1976 stirbt er mitten in einer brillanten Karriere. Seine Gattin Hortense Anda-Bührle stiftet zu seinem Andenken den Klavierwettbewerb «Concours Géza Anda».

Eine runde Brille mit dickrandiger, schwarzer Fassung war sein Markenzeichen. Schon der Jüngling trug sie, und auch der erfolgreiche Pianist trägt sie noch.

Géza Anda wird in Budapest geboren, seine Eltern sind beide musikalisch aktiv. So spielt er früh Klavier und wird schon als 13-Jähriger Student an der Franz-Liszt-Akademie. Dort studiert er bei Zoltán Kodály auch Komposition. 1941 schliesst er mit dem Konzertdiplom ab.

Stipendium statt Militär

Der angehende Pianist soll zum Militär eingezogen werden. Um ihn davor zu schützen, verschafft ihm sein Mentor Kodály ein Stipendium im Ausland. Anda kann wählen zwischen Berlin und Rom: Ungarn pflegt gute Beziehungen zu beiden faschistischen Staaten.

Der Pianist wählt Berlin. Er konzertiert in den folgenden Jahren in Ungarn und Deutschland und spielt unter den Dirigenten Willem Mengelberg, Ferenc Fricsay und Wilhelm Furtwängler.

Als er 1943 zurück nach Ungarn soll, reist er mit einem Visum in die Schweiz aus – und «dann habe ich vergessen, zurückzukommen», wie Anda es ausdrückte.

Pierre Boulez? Zu modern!

Eine Schweizer Karriere entwickelt sich jedoch nur harzig: Einspringen in der Zürcher Tonhalle für Arturo Benedetti Michelangeli, Konzerte in Winterthur unter dem Dirigenten Hermann Scherchen – das sind schon Höhepunkte.

Nach dem Krieg folgt dann ein längerer Aufenthalt in Paris. Einer Einladung des jungen Pierre Boulez, mit ihm das Kammerkonzert von Alban Berg aufzuführen, folgt Anda nicht – er kann mit dieser Art moderner Musik nichts anfangen.

Geza Anda und seine Frau Hortense Buehrle in eleganten Kleidern.
Legende: Géza Anda mit seiner Frau Hortense Bührle am Lucerne Festival, 1964. Keystone

Heirat mit Industriellen-Tochter

In den 1950er-Jahren kommt seine internationale Karriere in Gang. 1955 wird er Schweizer Bürger und heiratet später Hortense Bührle, die Tochter des Industriellen und Kunstsammlers Emil Bührle.

Andas künstlerische Heimat wird Salzburg. Dort nimmt er mit der Camerata Academica als erster Interpret sämtliche Klavierkonzerte Mozarts in der Doppelrolle von Pianist und Dirigent auf.

Ein Dokumentarfilm von 1979 zeigt, wie der enthusiastische Pianist den eher passiven Musikern seine Vorstellungen zu vermitteln sucht. Und Anda komponierte die Kadenzen der Konzerte selbst. «Es ist eine Erlösung vom Alleinsein», meinte der Pianist und Dirigent zu dieser Arbeit.

Er bringt Bartóks Werk in die Konzertsäle

Géza Anda lebt heute vielleicht am meisten weiter durch seine Engagement für Béla Bartók: Zusammen mit seinem Landsmann Ferenc Fricsay nimmt er als erster dessen drei Klavierkonzerte für die LP integral auf, und er führt die Konzerte auch zusammen an einem einzigen Abend live auf.

Er ist somit einer jener Pianisten, die Bartóks Werk nach dem Krieg in den Konzertsälen durchsetzen.

1975 wird bei Anda Speiseröhrenkrebs diagnostiziert. Ein Jahr später stirbt er überraschend an einem Blutsturz. In Erinnerung an ihren Ehemann initiiert Hortense Anda-Bührle den «Concours Géza Anda». 1979 eröffnet sie den Pianistenwettbewerb zum ersten Mal.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Jonathan Inniger  (jinniger)
    Sehr geehrter Herr Wächter.
    Mir scheint, der Titel dieses Artikels ist irreführend und über die Grenze des Vertretbaren reisserisch! Géza Anda hat sogar sehr oft mit Pierre Boulez konzertiert, insb. auch die Bartók-Konzerte, und blieb ihm Zeit seines Lebens freundschaftlich verbunden. Für Boulez' Musik (und dergleichen) hat er sich zwar nicht interessiert, aber so wie Sie das formulieren, ist es schlicht falsch!
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  • Kommentar von Hans Hegetschweiler  (hansicomment)
    Ob Geza Anda einer der prominentesten oder nur einfach der reichste Pianist der Nachkriegszeit war, lässt sich in sehr guten Treuen diskutieren. Sein grösster künstlerischer Erfolg war die Heirat mit Frau Bührle, die ihm ein eigenes Festival finanzierte. Und ob es besonders verdienstvoll ist, Alban Berg nicht spielen zu wollen, ist auch eine offene Frage.
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    1. Antwort von Kristian Gunar  (Pianoman)
      Mein Gott, was ist den daran schlimm eine reiche Frau zu heiraten? Viele Nachwuchspianisten sind heute glücklich über den Anda-Wettbewerb. Der einte mag keinen Liszt spielen, der andere keinen Berg. Dem einten geht A. Berg spielend von der Hand dem anderen F. Liszt. Warum soll ich etwas spielen was mir nicht besonders liegt. Der Mann konnte genial Klavierspielen, nur darum geht's! Sorry, musste mal geschrieben werden!
  • Kommentar von Regula Sicher , Altdorf
    Guten Morgen Da ich gestern die Konzerte des Geza Anda Wettbewerbes nicht fertig hören konnte wollte ich heute Morgen wissen, wer den Geza Anda Wettbewerb gewonnen hatte. Leider war es unmöglich, dies auf Ihrer Seite zu finden - oder es ist irgendwie zu kompliziert. Vielen Dank für Ihre Hilfe, wie und wo ich diese Ergebnisse finden kann. Besten Dank und freundliche Grüsse Regula Sicher
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      Der Artikel wurde heute morgen aktualisiert mit Radiobeitrag zu den Gewinnern.