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Musik Kris Kristofferson: Ein Country-Rebell wird 80

Eigentlich wollte er nur Songs schreiben und selbst nicht singen. Aber plötzlich war Kris Kristofferson eine ganz grosse Nummer in der Country-Szene. Und später auch beim Film. Das lag nicht nur an einer engen Umarmung mit Barbra Streisand.

Ein grauhaariger mit Gitarre und Mundharmonika.
Legende: 80 und kein bisschen weniger ironisch als immer schon: Kris Kristofferson – hier 2008 in Zürich. Keystone

Sein Name wird für immer mit einem Song verbunden sein – «Me and Bobby McGhee». Auch wenn den Erfolg eine andere Künstlerin damit hatte: Der Song wurde von Kris Kristoffersons ehemaliger Freundin Janis Joplin gesungen und zum Hit.

Der vierminütige Song über ein junges Paar, das die Vereinigten Staaten bereist, und der wehmütigen Zeile «Freedom’s just another word for nothing left to lose» (Freiheit heisst nichts anderes, als dass man nichts zu verlieren hat), berührte Massen weit über die Grenzen der Country Music, zu der er sich zählte.

Schwarzweissfoto: Ein Mann in Lederjacke mit Gitarre.
Legende: Man in Black: Kristofferson im Zürcher Hallenstadion (1992). Keystone

Mentor Johnny Cash

Kris Kristoffersons Werdegang war ein unüblicher. Der 1936 in Texas geborene Songschreiber schloss ein Universitätsstudium in englischer Literatur ab, verdingte sich dann bei der US-amerikanischen Armee aus der 1965 wieder ausstieg, um in Nashville, der Hauptstadt der Country Music, Fuss zu fassen.

Die Karriere lief langsam an, doch Kristofferson erhielt Schützenhilfe von einem Grossen: Johnny Cash nahm dessen Lied «Sunday Mornin’ Coming Down» auf und machte daraus einen Nummer 1-Hit in den Country-Charts. Kristofferson, der anfangs eigentlich nur Songs schreiben und nicht selbst singen wollte, war plötzlich ein Star.

Bier zum Frühstück

Er war einer jener Country-Grössen die sich – wie sein Mentor Johnny Cash – nicht an das Standard-Rezept und -Image des Genres hielten. Kristofferson identifizierte sich mit der Hippie-Bewegung, etwa in «Blame it on the Stones», wo er mit ironischem Ton alle gesellschaftlichen Übel auf die Rolling Stones zurückführt. Oder dann das einsame Drama des Mannes in «Sunday Mornin’ Coming Down», der von der Familie verlassen wird und sich deshalb zum Frühstück ein Bier gönnt – und auch zum Nachtisch.

Schon mit dem ersten Album war also der Weg vorgegeben, der seine Karriere über Jahrzehnte bestimmen sollte, bis hin zur Supergruppe der Country Outlaws The Highwaymen mit Johnny Cash, Waylon Jennings und Willie Nelson.

Filmstill aus einem Western: zwei lächelnde Männer mit schwarzem Hut.
Legende: Der Schauspieler: Kristofferson (li.) im Western «Pat Garrett & Billy The Kid» (1973). Keystone

Stilikone mit zweitem Standbein

In den 1970er-Jahren begann Kristofferson eine parallele Karriere. Sein verwegenes, kantiges Aussehen schien wie geschaffen für das Genre des Western. So trat er unter anderem in Sam Peckinpah’s «Pat Garrett and Billy the Kid» an der Seite von Bob Dylan auf.

Der grösste Erfolg auf der Filmleinwand war dann das Remake von «A Star is Born» neben Barbra Streisand, das ihm einen Golden Globe Award und eine Oscar-Nomination einbrachte. Das Bild auf dem gleichnamigen Album von Streisand und Kristofferson in enger Liebespose machte beide erst recht zu Stilikonen der späten 1970er-Jahre.

Nun ist Kris Kristofferson 80. Von Zeit zu Zeit singt er seine alten Lieder, geht nochmals auf Tournee. Sein neustes Album heisst «Feeling Mortal» (sich sterblich fühlen). Von seiner liebevollen Ironie scheint er nichts verloren zu haben.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Zoss, Mittelhäusern
    Kris hat mich und viele andere Songwriter beeinflusst. Mit seinen düsteren Texten und süffigen Melodien legte er den Soundtrack der Freihet für uns in der Hippiezeit. Er war ein ganz Grosser, der zeitweise ganz tief abstürzte. Ich hatte das Glück ihm singend zu begegnen 1976 nach (m)einem Auftritt im Troubadour in L.A.
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  • Kommentar von L, Duende, Mundo
    KK war nie der typische, angepasste Country-Sänger und -Texter. Er bekam und nutzte seine Chance in Nashville, zog jedoch schon bald von dort weg. Zu erwähnen ist, dass er viele politische Lieder schrieb. Zwei seiner LPs, in denen er vor allem gegen die US-Politik in Nicaragua sang, wurden während der Reagan-Zeit nicht veröffentlicht und danach nur in kleiner Auflage gepresst. Er sang sie jedoch an seinen Konzerten und wurde deshalb in den USA von vielen als 'left wing' betitelt und gemieden.
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