Mit Spark wird Klassik zum Sound der flirrenden Grossstadt

Blockflöten, Geige, Bratsche, Cello und Klavier – kombiniert man diese Instrumente, gibt's ein stilistisches Wirrwarr. Das Quintett Spark macht aber genau das. Mit der Präzision eines Kammermusikensembles und dem Biss einer Rockband.

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Spark spielen «Candybox» (aus dem Album «Wild Territories»)

4:01 min, vom 11.2.2015

Es begann mit den Exoten: Andrea Ritter und Daniel Koschitzki, die beide in Karlsruhe an der Hochschule Blockflöte studieren, wollen mehr als nur barocke Musik spielen – «obschon wir die sehr mögen». Darum steht Andrea Ritter so oft als möglich im Experimentalstudio und pröbelt mit Elektronik an ihren Instrumenten herum, während Daniel Koschitzki nach den Klängen des 19. Jahrhunderts auf der Blockflöte sucht.

Ein kammermusikalisches Abenteuer

Gemeinsam stellen sie sich irgendwann die Frage, worauf sie denn in ihren künftigen Musikerleben Lust hätten. Über den Tellerrand hinauszuschauen ist die eine Lust, der Blockflöte eine neue Plattform zu geben eine andere, sich von den verkrusteten Strukturen zu befreien eine weitere.

Eine Frau mit Flöte in der Mitte, um sie herum schwarzgekleidet und düster blickend 4 weitere Musiker. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Durchgestylte Kostüme und viel Show: Spark haben mit klassischen Konzerthallen nicht viel am Hut. Stephanie Schweigert

So stürzen sich die beiden in ein kammermusikalisches Abenteuer und gründen ein Quintett. Als Gegenpol zu den beiden Flöten suchen sie sich zwei Streichinstrumente – eine Geige und ein Cello – und für den Ausgleich, den Rhythmus und die Harmonie, braucht es ein Klavier.

Nicht nur Interpreten

Blockflöten, Streicher und Klavier – für diese exotische Besetzung kann man nicht einfach nur den Notenschrank öffnen und sich Gedrucktes rauszupfen, das schon seit Jahrhunderten gespielt wird. «Das ist für uns zu wenig», sagt der Cellist Victor Plumettaz. Denn Spark versteht sich nicht nur als Interpret.

Spark will Musik wenn nicht selber schaffen, dann doch veranlassen, also bei Komponisten in Auftrag geben. Oder wenigstens Bestehendes selber so umbauen, bis es zum spezifischen Spark-Klang passt. Den beschreibt der Pianist Micha Cheung als farbig und bunt, groovig und mit rhythmischem Drive; und trotzdem schwingt auch immer wieder ein melancholischer Ton mit.

Rhythmische Prägnanz im Vordergrund

Musikalische Grenzen kennen die fünf nicht. In ihren CD-Gestellen stehen Vivaldi, Telemann und Bach neben Minimal-Music, Jazz, Folksongs, Heavy Metal, Rock und Chansons. Genauso mischen sie auch ihre Programme zusammen: Minimal-Music-Patterns führen direkt zu Vivaldi und rocken von ihm weiter. Es entsteht ein Sound der vibrierenden, flirrenden Grossstadt.

Wen wundert's, dass Spark 2011 dafür einen Echo Klassik-Preis bekommt. Das gibt ordentlich Anschub, und in einem nächsten Programm wenden sie sich der Volksmusik zu, Liedern und Tänzen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt. Fürs Spark-Format werden Komponisten um Neubearbeitungen gebeten. Nach wie vor steht die rhythmische Prägnanz im Vordergrund.

Lichtshow und ordentlich Nebel

Mit ihrer dritten und jüngsten CD «Wild Territories» wird der Spark-Sound wieder etwas kantiger, dafür die Show üppiger. Sie tragen durchgestylte, punkig inspirierte Bühnenkostüme, die ein bisschen an Ritterrüstungen erinnern. Sie bewegen sich frei, mal hüpfend, mal stampfend, mögen Fabrikhallen als Konzertorte oder sonst grosse Räume. Und wann immer möglich sorgt eine Lichtshow für rockige Atmosphäre und Trockeneis für ordentlich Nebel. «Aber die Show steht bei uns nicht im Vordergrund», so der Cellist Victor Plumettaz. «Wir springen nicht von der Bühne ins Publikum oder so.»

Einer fordert die leisen Töne ein und bringt Bier

Drei Programme in fünf Jahren, zahlreiche Konzerte hüben und drüben – die fünf jungen Leute funktionieren reibungslos und professionell im gemeinsamen Alltag. Andrea Ritter hat das richtige Gespür für Neues und treibt künftige Spark-Komponisten auf. Ihr Kollege Daniel Koschitzki – «ich bin emotional und intuitiv» – hingegen hat stets das musikalische Resultat vor Augen und treibt die Gruppe bei den Proben an.

Der Pianist aus Zürich, Micha Cheung, kennt sich aus mit rhythmischem Drive – und mit schnellen Autos: Es macht ihm nichts aus, nach dem Konzert Hunderte von Kilometern nach Hause zu fahren. Der Cellist Victor Plumettaz organisiert die Tourneen – «wenn ich es nicht vergesse» – und schneidet und mixt die dynamischen Spark-Filme fürs Netz zusammen. Und der Geiger Stefan Glaus aus Basel ist derjenige, der auf der Bühne immer wieder die leisen Töne einfordert – während er nach dem Konzert dann derjenige ist, der für alle das Bier anschleppt.

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