Monica Zetterlund: eine tragische schwedische Sensation

Monica Zetterlund war eine enorm talentierte Jazzsängerin und eine begehrte Schauspielerin. Sie war schön, lustig und selbstironisch – ein Kumpel zum Pferdestehlen. Trotzdem verlief ihr Leben nicht nur erfolgreich und glücklich – und es endete abrupt.

Monica Zetterlund mit Hut sitzt auf einem Korbstuhl. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine ebenso talentierte Schauspielerin wie Sängerin: Monica Zetterlund während einer Drehpause 1965. Wikimedia/Skrivstugans arkiv

Im südlicheren Europa kennt man die Schwedin Monica Zetterlund – wenn überhaupt – von einer einzigen Platte: 1964 konnte sie mit dem grossen Pianisten Bill Evans aufnehmen. Angeregt hatte die Zusammenarbeit Evans selber. Er hatte eines Tages eine Platte mit einer schwedisch gesungenen Version seines Stücks «Waltz for Debby» erhalten. Er hörte es sich an und telegraphierte augenblicklich zurück: «Vom Text verstehe ich zwar kein Wort, aber davon, dass hier eine wunderbare Sängerin unterwegs ist. Ich möchte mit ihr spielen!» Eine Tournee wurde arrangiert, und eben besagte Aufnahmesession.

Eine Sensation in Schweden, erfolglos in den USA

Monica Zetterland im Jahr 2000 mit roter Bluse und Perlenkette. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In Schweden bis über ihren Tod hinaus populär: Monica Zetterlund im Jahr 2000 in ihrem Stockholmer Appartment. Keystone

Dabei war Monica Zetterlund zu diesem Zeitpunkt längst Teil der schwedischen Unterhaltungsindustrie. 1958 stand die gerade 20-Jährige zum ersten Mal im Studio – mit den besten Musikern Schwedens notabene. Und ein paar Monate später kam ihre LP «Swedish Sensation» auf den Markt, und genau das war sie: eine Sensation.

Zetterlund war sofort ein Star, sodass man sie 1963 als Vertreterin Schwedens an den «Concours Eurovision de la Chanson» schickte. «En gång i Stockholm» hiess ihr Lied, und Zetterlund landete damit abgeschlagen und ohne Punkte auf dem letzten Platz. Das störte sie allerdings kaum, eher schon, dass eine Tournee in Amerika nicht den erhofften Durchbruch jenseits des Ozeans gebracht hatte.

Sie liebte das Leben

Von da an verlief Zetterlunds Karriere zweigleisig: Sie war als Jazzsängerin aktiv und arbeitete als Schauspielerin in Fernsehserien. Die Internet Movie Database verzeichnet gleichwohl nur gerade zwei Filme mit Zetterlund: «Die Auswanderer», das Epos in zwei Teilen von Jan Troell, und «Die Siedler» mit Liv Ullmann und Max von Sidow in den Hauptrollen. Monica Zetterlund spielte darin eine ziemlich bodenständige Prostituierte, eine richtige Besetzung. Ein Kind von Traurigkeit war sie nie, sie war drei Mal verheiratet und hatte unzählige Liebhaber – sie liebte das Leben.

Der gescheiterte Schlagerstar

In den 70er-Jahren allerdings bekam ihre Laufbahn einen Knick. Jazz war nicht mehr populär, man versuchte deshalb aus ihr einen Schlagerstar zu machen. Doch das war nicht ihr Ding. Sie trat in Kabaretts auf und wurde zu so etwas wie ein schwedisches Pendant zu unserer Margrit Rainer. Zetterlund war zuweilen Ulknudel der Nation, aber ihre Gesundheit machte ihr zunehmend zu schaffen. Von Geburt an hatte sie Skoliose, einen verkrümmten Rücken, der immer mehr Probleme machte. Ausserdem litt sie unter ihrem exzessiven Alkoholkonsum.

Zuletzt sass Monica Zetterlund, die einst schöne und lustige Frau, im Rollstuhl. Sie starb im Mai 2005 im Alter von 67 Jahren beim Brand ihrer Stockholmer Wohnung. Sie hatte im Bett geraucht und es so entzündet. In Schweden ist Monica Zetterlund auch acht Jahre nach ihrem Tod unverändert populär.

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