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Motto Lucerne Festival 2026 «American Dreams» – was hat man sich dabei gedacht?

Das Lucerne Festival präsentiert sich im Sommer erstmals unter der neuen Intendanz von Sebastian Nordmann. Heute wurde das Motto gelüftet: «American Dreams». Im aktuellen politischen Kontext verwundert diese Themenwahl. Was hat sich Sebastian Nordmann dabei gedacht?

Sebastian Nordmann

Intendant bei Lucerne Festival

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Sebastian Nordmann, 1971 in Kiel geboren, ist promovierter Musikwissenschaftler und erfahrener Intendant. Nach Stationen u. a. bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und dem Konzerthaus Berlin übernahm er am 1. Januar 2026 die Leitung des Lucerne Festival. Zuvor wurde das Festival 26 Jahre lang von Michael Haefliger geleitet.

SRF: Donald Trump sorgt noch und nöcher für Negativschlagzeilen. Ihr Motto steht da etwas schräg in der Landschaft. Wie kamen Sie in diesen Zeiten auf die Idee, das Lucerne Festival 2026 mit «American Dreams» zu betiteln?

Sebastian Nordmann: Das Motto entstand vor zwei Jahren, als Chefdirigent Riccardo Chailly und ich festgestellt haben, wie zentraleuropäisch unser Repertoire jeweils ist. Wir wollten also anlässlich des 250. Jubiläums der amerikanischen Verfassung einen Blick über den Tellerrand werfen.

Wir wollen keine parteipolitische Diskussion führen, sondern eine kulturpolitische.

Das Motto «American Dreams» steht im Plural: als Vielfalt der Träume, wie sie die Komponisten und Komponistinnen im 20. Jahrhundert hatten.

Sie sprechen die Unabhängigkeit der USA an, das ist ja ein sehr politisches Thema. «American Dreams» mutet doch sehr verharmlosend an…

Ich finde es wunderschön, über Träume zu reden, weil sie sich in die Zukunft richten. Wir wollen keine parteipolitische Diskussion führen, sondern eine kulturpolitische. Ich habe noch erleben dürfen, wie Leonard Bernstein sagte: «Let's make music as friends». Und so sehe ich auch unseren Auftrag: Wir wollen Brückenbauer sein.

Die Idee ist, dass wir diese ganzen grossartigen Musikerinnen und Musiker aus den USA einladen.

Sie haben gesagt, Sie wollen nicht parteipolitisch sein. Aber momentan geht es ja darum, dass die Demokratie auf dem Spiel steht, dass in den USA ein Präsident an der Macht ist, der sich nicht an Regeln hält. Das beschäftigt sicher auch die Künstlerinnen und Künstler. Ist es nicht etwas eigenartig, diese Situation nicht zu thematisieren?

Die Idee ist, dass wir diese ganzen grossartigen Musikerinnen und Musiker aus den USA einladen. Was sie dann hier machen, ist ihnen überlassen. Aber uns ist wichtig, dass sie kommen und wir uns Gedanken machen, in welchem Verhältnis wir zueinander stehen.

Sind denn Diskussionen geplant?

Bis jetzt nicht, wir werden keinen Kongress oder ein offizielles Podium veranstalten. Ich halte das so ein bisschen wie George Gershwin, der gesagt hat: «Life is like Jazz, you only have to know how to improvise.»

Blick ins Programm vom Lucerne Festival 2026

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Unter dem Motto «American Dreams» präsentiert das Lucerne Festival vom 13. August bis 13. September über 120 Veranstaltungen. Der neue Intendant Sebastian Nordmann bringt hochkarätige Musik- und Kunstschaffende aus den USA nach Luzern, darunter Hilary Hahn und den «artiste étoile» Augustin Hadelich und spannt einen weiten Bogen durch die US-amerikanische Musikgeschichte – von Florence Price über Steve Reich bis Frank Zappa.

Sebastian Nordmann bleibt dem Profil des Festivals treu: Renommierte Orchester aus Europa und den USA gastieren mit ihren Tourneeprogrammen, Publikumslieblinge wie Martha Argerich und Anne-Sophie Mutter sind ebenso zu erleben wie Uraufführungen.

Frischen Wind bringt Nordmann mit Konzertformaten wie «Mittendrin», bei dem das Publikum zwischen den Musikerinnen und Musikern auf der Bühne Platz nehmen darf. Zudem erweitert er die Angebote für Kinder und Jugendliche und trägt das Festival noch stärker in die Stadt, mit breit zugänglicher Musik: Am Tag vor der Eröffnung gibt es auf dem Europaplatz ein Open Air mit dem Havana Lyceum Orchestra mit kubanischen Traditionals und groovenden Klassik-Bearbeitungen – gratis für alle.

Die Lucerne Festival Academy steht im Sommer erstmals unter der Leitung ihres neuen künstlerischen Leiters Jörg Widmann.

SRF nimmt zahlreiche Konzerte auf und überträgt das Eröffnungskonzert am 14. August live im Radio und im TV. Das Lucerne Festival Orchestra unter der Leitung von Riccardo Chailly spielt Werke von Steve Reich, George Gershwin und Charles Ives. (Theresa Beyer)

Mit der Schriftstellerin, Lyrikerin und Aktivistin Amanda Gorman haben Sie eine sehr politische Künstlerin eingeladen.

Sie hat damals bei der Inauguration von Joe Biden so wunderbar nach vorn geschaut, humanistisch und demokratisch, verwurzelt in der Verfassung von 1776. Sie wird ihre Poems lesen und Jan Vogler wird dazu Bachs Cellosuiten spielen. Es ist mir wichtig, so in den Austausch zu kommen.

War es intern ein Thema, dass das Motto «American Dreams» polarisieren könnte?

Ja, hoffentlich. Polarisierung ist der Inbegriff der Kultur. These und Antithese führen zu einer Synthese. Wir alle wollen doch, dass diskutiert und nicht nur partizipiert wird, indem man zuhört.

Das Gespräch führte Tuuli Stalder.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 27.1.2026, 17:10 Uhr ; 

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