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Musicalmarkt Schweiz Hinter den Kulissen buchen Veranstalter um die Wette

Konkurrenz belebt das Geschäft: In der Schweizer Musikbranche spielen immer öfter grosse, ausländische Firmen mit. Lokale Veranstalter müssen lernen, damit umzugehen.

Leute tanzen auf einer Bühne.
Legende: Szene aus «Wicked»: Wenn internationale Musicals in der Schweiz laufen, hat sie ziemlich sicher Freddy Burger gebucht. Getty Images

Freddy Burger ist der Mann, der international erfolgreiche Musical-Produktionen in die Schweiz holt: «Lion King» ins Musical Theater Basel oder «Wicked» ins Theater 11 in Zürich.

Diese Shows von Disney und Co. sind auf Welttournee. Egal ob in London, Hamburg oder Basel: Bühnenbild, Kostüme und Darsteller sind überall dieselben.

Burger schnuppert frische Musicalluft

Nun wurde bekannt, dass Freddy Burger ab 2019 die Thunerseespiele übernimmt, wo seit 2003 jeden Sommer ein Freiluft-Musical aufgeführt wird.

Allerdings werden keine internationalen Shows im Berner Oberland laufen – ganz einfach, weil sich diese nicht für Openair-Bühnen eignen.

Für Thun wird Freddy Burger ein eigenes Programm auf die Beine stellen. Denkbar sind Eigenproduktionen wie «Dällebach Kari», oder Burger erwirbt die Rechte eines bekannten Musicals wie «Cats» und entwickelt dann eine eigene Produktion.

Silhouette von drei Tänzern mit Mikrophonen
Legende: Wenn internationale Veranstalter mitmischen, müssen Schweizer Veranstalter sich neu erfinden. Imago/Mandoga Media

Schweizer Künstler auf Schweizer Bühnen

Anders als bei den internationalen Produktionen, die Burger immer im Paket bucht, wird er in Thun vor allem mit hiesigen Künstlerinnen und Künstlern arbeiten.

Damit bewegt er sich in einem anderen Marktsegment als bisher. Ein Marktsegment, in dem auch Maag Music & Arts zuhause ist mit Eigenproduktionen wie «Ewigi Liebi» oder «Die Schweizermacher».

Konkurrenz belebt das Geschäft

Was bedeutet es für Veranstalter wie Maag Music & Arts, dass Freddy Burger die Thunerseespiele übernimmt und damit ein noch grösserer Player im Musicalbereich wird?

«Da es in Thun stattfindet und nicht in Zürich, tut es uns nicht weh», sagt Darko Soolfrank, verantwortlich für die Shows bei Maag Music & Arts. Im Gegenteil: «Es bedeutet Qualität, Kontinuität – und alles was positive Gefühle auslöst, ist gut für unsere Branche und bereichernd».

Druck steigt, Preise fallen

Weniger, dafür grössere Player: Was im Konsumbereich etwa mit Migros und Co. Gang und Gäbe ist, erreicht nun auch die Schweizer Musicalwelt – und die ganze Schweizer Musikbranche.

Dort mischt nicht nur die nationale Konkurrenz mit, sondern die internationale. Jüngstes Beispiel: Live Nation übernimmt das Openair Frauenfeld. Das US-amerikanische Medienunternehmen organisiert Tourneen und hat selbst Künstler unter Vertrag, Madonna etwa.

Darko Soolfrank sieht in diesem Trend durchaus Vorteile: «Für das Publikum wird die Vielfalt grösser. Weil der Preisdruck steigt, sinken die Preise für die Eintrittskarten».

Legende: Video Live Nation kommt - bleibt jetzt kein Stein auf dem anderen? abspielen. Laufzeit 05:56 Minuten.
Aus Kulturplatz vom 13.09.2017.

Künstler werden exklusiv

Diese Entwicklung mag Vorteile fürs Publikum haben, für die lokalen Veranstalter aber Nachteile. Das bekam Darko Soolfrank von Maag Music & Arts vor kurzem zu spüren: Im Frühling noch konnte er den britischen Künstler Rag'n'Bone Man für ein Konzert gewinnen.

Mit einer erneuten Anfrage scheiterte Soolfrank: «Rag'n'Bone Man hat sich entschieden, dass er mit Live Nation geht. Die haben ihm einen Deal offeriert: 30 Konzerte für viele Millionen Pfund. Da hatten wir als lokale Veranstalter keine Chance mehr.»

Die eigene Nische finden

Schweizer Veranstalter müssen sich deshalb notgedrungen neue Konzepte überlegen. Maag Music & Arts hat das im Juni vorgemacht: «Wir haben in Zürich ein Openair-Konzert mit Patent Ochsner veranstaltet. Das haben wir kombiniert mit einer Bilderausstellung des Frontmanns Büne Huber und damit Kultur und Kunst unter einem Dach vermarktet.»

Internationale Grossunternehmen bespielen die Schweizer Bühnen. Ein unumgänglicher Trend in einer globalisierten Welt. Damit bleibt vielen – vor allem kleinen – Veranstaltern in Zukunft nicht viel anderes übrig, als sich in die Nische zurückzuziehen und kreativ zu bleiben: Sie organisieren kleine Konzerte mit regionalen Grössen, während international agierende Veranstalter die Weltstars auf die Bühne bringen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 15.9.2017, 12.10 Uhr.

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