Der Opernführer Die drei schönsten Arien aus «Carmen»

Ein Opernhit, bei dem fast alle mitsingen können, das Liebesbekenntnis eines hoffnungslos Verliebten und der Gesang einer Unschuld vom Lande: diese drei Arien aus «Carmen» bleiben im Ohr.

Illustration: Ein Mann besingt eine Blume. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sing's durch die Blume: Don José gehört die leidenschaftlichste der «Carmen»-Arien. SRF/Patrice Gerber

    • 1.
      Carmen: «L’amour est un oiseau rebelle» (1. Akt)

      Es ist eine der berühmtesten und beliebtesten Arien der gesamten Opernliteratur. Schon wenn die ersten Töne der Streicherbegleitung erklingen, wissen die meisten was kommt. Zur Oper hinzugefügt hat Georges Bizet diese Habanera erst kurz vor der Uraufführung, und auch nur, weil die Sängerin eine charakteristischere Auftrittsarie wollte als die, welche Bizet ursprünglich vorgesehen hatte.

      Die Habanera ist ein tangoähnlicher Tanz, ihr typischer, punktierter Rhythmus bildet als Ostinato die Grundlage der ganzen Arie. Darüber singt Carmen ihre langsam und verführerisch absinkende, chromatische Melodie. Später stimmt der Chor in Carmens Gesang ein und bestätigt: Die Liebe ist nicht zu zähmen, sie hält sich an kein Gesetz.

    • 2.
      Don José: «La fleur que tu m’avais jetée» (2. Akt)

      Klarer Fall: Dieser Mann ist Carmen hoffnungslos verfallen. Er steigert sich blind hinein in seine Liebe zu ihr, er verrennt sich, ist gefangen. Und genauso steigert er sich auch in diese Arie hinein. Sie beginnt als inniges Ständchen an die Blume, die ihm Carmen neckisch zugeworfen hat. José besingt den betörenden Duft, der ihn, wie Carmen selbst, in seinem Bann hält. Er beginnt in seinen Gefühlen zu schwelgen und lässt sich von seinem Verlangen in stimmliche Höhen leiten.

      Begleitet wird er von immer erregteren Streichern. Er erlebt eine heisse Liebe auf den ersten Blick, aber diese Leidenschaft steht offenbar unter einem schlechten Stern: Denn als Einleitung zur Arie erklingt das unheilvolle Schicksalsmotiv.

    • 3.
      Micaëla: «Je dis que rien ne m' épouvante» (3. Akt)

      Als Gegenpol zur verführerischen und flatterhaften Carmen erfinden die Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy eine neue Figur zur originalen Carmen-Geschichte. Micaëla ist die treue Unschuld vom Lande, eine waise Bauerntochter. Sie ist Don José versprochen, liebt ihn aufrichtig und steht selbst dann noch zu ihm, als er schon längst Carmen verfallen ist.

      Micaëla begibt sich zu den Schmugglern und will dort José dazu bringen, sich von Carmen loszureissen und zu seiner sterbenden Mutter – und somit auch zu ihr selbst – zurückzukehren. Sie gibt sich stark und furchtlos, nur dem Publikum zeigt sie in dieser lyrischen Arie ihre Angst und bittet um Beistand von oben. Bizet charakterisiert Micaëla mit sanft wiegender Musik und meist unprätentiösen Linien. Im Gegensatz zu Carmen würde sie nie «Tralalalala» singen oder mit Kastagnetten klappern.

«Carmen» von Georges Bizet kurz erklärt

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Opernführer zu «Carmen» von Georges Bizet

5:39 min, vom 18.11.2016