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Orchestercamp in Luzern «Es ist einfach bombastisch»

135 Kinder und Jugendliche verbringen einen Teil ihrer Sommerferien im internationalen Orchestercamp des Lucerne Festivals – und geben ein Konzert im KKL.

Legende: Video In der Probe des Superar-Orchesters abspielen. Laufzeit 00:30 Minuten.
Aus News-Clip vom 15.08.2018.

Ulysses Ascanio klatscht laut in die Hände und stampft mit dem Fuss auf. In Laufschuhen und Sport-Shirt steht er auf dem Dirigenten-Podest und ruft Kommandos in die Menge: «More bow! Don’t be shy!»

Vor ihm sitzt ein Sinfonieorchester mit 135 Kindern und Jugendliche aus 26 Nationen. Nicht alle verstehen Englisch – doch sie verstehen Ascanios Gesten, seine Energie, und für den Rest helfen die Tutoren, die in allen Stimmgruppen des Orchesters dabei sind und übersetzen.

Kein Elite-Projekt – sondern Basis-Förderung

Bis zu sieben Stunden täglich proben die Kinder und Jugendlichen für den grossen Auftritt im KKL, eine ganze Woche lang. Sie wohnen in der Jugendherberge Luzern, unternehmen am freien Tag einen Ausflug auf den Rigi, und besuchen eine Probe mit dem Lucerne Festival Orchestra und dem Star-Pianisten Lang Lang.

Doch dieses Orchestercamp ist kein Elite-Projekt – sondern Basis-Förderung. Denn Initiant ist der gemeinnützige Verein «Superar», den es seit 2012 auch in der Schweiz gibt.

«Wir bieten kostenlosen Musikunterricht an und fördern das aktive Musizieren von Kindern und Jugendlichen – zum Beispiel in Form von Instrumentalunterricht im Orchester», erklärt der künstlerische Leiter Marco Castellini.

Stiftung Superar

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Die Stiftung Superar , Link öffnet in einem neuen Fensterfördert aktives Musizieren von Kindern und Jugendlichen in zahlreichen Ländern wie etwa auch das Sommercamp beim Lucerne Festival.

«Superar» kommt aus dem Spanischen und bedeutet: über sich hinauswachsen.

Integration durch gemeinsames Musizieren

Inspiriert ist «Superar Suisse» dabei von der berühmten venezolanischen Musikförderung «El sistema». Doch Marco Castellini erklärt: «Es geht bei uns nicht nur darum, Geige zu lernen oder möglichst gut auf der Geige zu werden. Es geht darum, sich zu entwickeln, sich in eine Gruppe einfinden zu können, zu merken: Wenn ich fehle, dann fehlt auch meine Stimme. Und: Es geht vor allem auch um Integration.»

Die 135 Kinder und Jugendlichen auf der Bühne im Konzertsaal des KKL haben ihr zu Hause in Italien, Spanien, Österreich, England, der Schweiz – doch fast alle haben einen Migrationshintergrund und sprechen ganz verschiedene Sprachen.

Jugendorchester, alle stehen, Instrumente in der Hand
Legende: Das Sommercamp bietet Kindern – auch aus schwierigen Verhältnissen – eine musikalische Auszeit. Patrick Hürlimann / Lucerne Festival

«Wir tanzen beim Spielen»

«Ich finde das total cool – es ist einfach bombastisch», sagt Jasmin in der Pause. Sie ist 13 Jahre alt, stammt aus der Mongolei, und lebt derzeit in Österreich im Kreis Baden. Seit 3 Jahren lernt sie Geige bei Superar.

Klar mögen ihre Schul-Kollegen keine klassische Musik. Umso mehr geniesst sie es, im Orchestercamp unter Gleichgesinnten zu sein: «Die Musik verzaubert uns so, wir tanzen beim Spielen, wir bewegen uns – das ist total schön.»

Die musikalische Energie ist immens

Diese Begeisterung kommt auch beim Konzert im KKL rüber. Gespielt werden viele heitere Stücke: ein ungarischer Tanz von Johannes Brahms, die Ouvertüre zu Wilhelm Tell von Gioacino Rossini.

Die raschen Tempi und die vertrackten Bogenstriche bei den Streichern zeigen, dass diese Kinder auf einem hohen technischen Niveau spielen – und die musikalische Energie ist immens.

DOK-Film «Kinders»

Der Dokfilm Kinders, Link öffnet in einem neuen Fenster der Riahi Brothers zeigt die Arbeit von Superar in Österreich.

«Kinders» läuft am 25.8. und 26.8. am Festival in Luzern., Link öffnet in einem neuen Fenster

«Ich konnte alles aus mir herausspielen»

Nach dem Konzert liegen sich alle in den Armen, hinter der Bühne gibt es Abschiedsküsschen und Abschiedstränen. Der Trompeter Niclas aus England, 13, sagt: «Ich fühle mich sehr mutig. Wir haben richtig was geleistet!»

Und sein Kollege Julian aus Zürich, 11, ebenfalls Trompete, sagt: «Ich bin glücklich, dass wir das geschafft haben. Ich konnte alles aus mir herausspielen!» Er habe die vielen Proben zwar auch anstrengend gefunden, aber: «Ich bleibe auf jeden Fall dabei.»

Auch in den kommenden zwei Jahren wird das Lucerne Festival gemeinsam mit der Hilti Stiftung, Link öffnet in einem neuen Fenster und Superar Suisse eine Woche vor Festivalbeginn ein internationales Orchestercamp durchführen.

Mit der Ausgabe 2018 ist hoffentlich eine neue Ära des Amateur-Musizierens innerhalb der Spitzenmusik beim Lucerne Festival eingeläutet.

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