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Musik Pianinos und Tafelklaviere – ein Echo aus vergangener Zeit

Der Rahmen ist auf jeden Fall stilecht: ein herrschaftliches Basler Haus. Darin: Tafelklaviere und Salonpianos, die zur Zeitreise in eine Gesellschaft verführen, die Musik noch als Luxus schätzte. Dahinter steckt die Leidenschaft des Klavierbauers und -sammlers Georg F. Senn.

Georg F. Senn sitzt mit einem Werkzeug am Klavier
Legende: Fasziniert vom individuellen Klang, das jedes historisches Klavier hat: Klavierbauer Georg F. Senn. Susanna Drescher

Ihr Klang ist wie ein Echo aus vergangener Zeit. «Der Charme der Tafelklaviere ist ihr individueller Klang», erklärt der Klavierbauer Georg F. Senn. Das moderne Klavier ist nach physikalischen Gesetzen optimiert, auf Lautstärke und vollen Klang getrimmt.

Die alten Pianinos hingegen sind so unterschiedlich gebaut und besaitet, dass dies auch den Klang stark beeinflusst. Zart und diskret die einen, mit rauschenden Bässen und eleganten Höhen die anderen.

Bürgerliche Kundschaft mit engen Räumen

Besonders die Eisenbahnen beschleunigten zu Zeiten der Industrialisierung das Leben. Der Wohlstand bürgerlicher Kreise führte zu einem neuen Bedarf an Luxusgütern. Das Musizieren, besonders das Klavierspiel, gehörte unabdingbar zu einem gehobenen bürgerlichen Lebensstil. Da die Räume in den Stadtwohnungen kleiner und auch niedriger wurden, blieb kein Platz für einen grossen Flügel.

Die Klavierbauer bauten den Flügel deshalb entweder senkrecht, so entstand der Giraffen- oder Lyraflügel. Oder sie entwickelten das Tafelklavier weiter, das aus den barocken Klein-Cembali, den Spinetten, entstanden war. Deshalb, so Georg F. Senn, werde das Pianino in der Literatur des 19. Jahrhunderts noch oft als Spinett bezeichnet.

Passionierter Tüftler und Klavier-Doktor

 Historisches Klavier mit Schubladen.
Legende: Ein Reisemöbel für eine Operndiva? Historisches Klavier mit Schubladen. zvg

Georg F. Senn hat den Umgang mit Tasten und Instrumenten-Mechanik von klein auf gelernt. Als Sohn des Berner Münster-Organisten wuchs er in einer Musiker-Familie auf. Der handwerklich begabte Bub war immer dabei, wenn es etwas zu regulieren und zu stimmen gab an der Orgel. Als er dann bei Musik Hug in Basel ein Volontariat in der Werkstatt für historische Tasteninstrumente machen durfte, war seine berufliche Zukunft klar.

Seine Werkstatt im basel-landschaftlichen Binningen ist heute Anlaufstelle für reparaturbedürftige Klaviere aus den letzten 250 Jahren. Gelegentlich ist ein Instrument bei ihm als «Strandgut» geblieben. Klaviere, die sonst auf dem Müll gelandet wären.

«Ich bin eigentlich kein Sammler»

So sind im Lauf der Jahre 16 Instrumente zusammen gekommen. Eine bescheidene Sammlung, findet Senn. Grosse Sammlungen wie etwa die Neumeyer-Junghanns-Tracey im Schloss Krotzingen umfassen 50 historische Tasteninstrumente.

Senn sieht sich nicht als Sammler, der Fährten folgt und zu allen Auktionen reist. Ihm geht es um die rasante Entwicklung und die Geschichte des Klavierbaus im 19. Jahrhundert. Und die lässt sich an den Pianinos und Tafelklavieren sehr anschaulich verfolgen.

Zwei Räume im alt-ehrwürdigen Haus in der Basler St. Alban-Vorstadt stehen Senn für seine Sammlung zur Verfügung. Gelegentlich kann er hier auch ein kommentiertes Konzert in kleinem Rahmen veranstalten. Der Klavierbauer ist auch für Klavierstimmungen und historische Klaviere an der Basler Hochschule für Alte Musik. Zu seinen Konzerten lädt er jeweils prominente Kollegen wie den Pianisten Tomas Dratva ein.

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